Kann ich komplett nachvollziehen... Ist das zufällig eine reiche Stadt in Süddeutschland? Für mich war das ein Grund, mich schließlich anderswo zu orientieren. Allerdings muss man wohl sagen, dass der oberflächliche Konsumwahn und die Selbstdarstellung mittlerweile fast überall mehr oder weniger den Ton angeben. Eine Vollzeitstelle will ich mir aus den besagten Gründen übrigens gar nicht mehr vorstellen, zumindest nicht, wenn man mit solchen Personen eine Büro teilen muss. Ich wurde schon damals im Studium ziemlich desillusioniert und so war dann auch schnell die völlig naive Vorstellung verfolgen, dass es in meinem Bereich irgendwie besonders fair und menschlich zugehen würde.
Das Mobbing in der Schulzeit und ein gewalttätiges Elternhaus sind mir aus eigener Erfahrung ebenfalls bekannt. Das hat tiefe Spuren hinterlassen bzw. bis heute eine Angstproblematik. Nun ja, es haben sich seit der Schulzeit auch schon nette Begegnungen und Freundschaften ergeben. Allerdings meist eher von zeitlich begrenzter Dauer. Tendenziell sind die menschlichen Enttäuschungen, teils auch massive, in der Überzahl. Da gab es etwa schon feinste Kontaktabbrüche ohne erkennbaren Grund. Oder eine völlig abweisende Vermieterin bzw. Mitbewohnerin, obwohl ich von Anfang an Hilfsbereitschaft und ein Interesse an einem harmonischen Zusammenleben signalisiert habe. Manchen geht es vielleicht einfach zu gut. Entweder sind die meisten Menschen also tatsächlich ziemlich bescheiden oder wir gehören eben zu jenen, die immer zur falschen Zeit am falschen Ort auf die falschen Leute treffen. Manchmal habe ich tatsächlich den Eindruck, weil ich dank der Berufswahl auch schon einige unfreiwillige Umzüge quer durch die Republik hinter mir habe.
Ein stabiler, fester Freundeskreis vor Ort würde mir heute schon reichen. Grundsätzlich war und bin ich eigentlich relativ offen und freundlich und werde von anderen wohl auch so wahrgenommen. Aber man wird ja auch nicht jünger und mit den Enttäuschungen wächst der Frust. Ich kann auch die Sorge vor dem Alter nachvollziehen, mir geht das ähnlich. Wohne hier momentan sehr anonym und man bekommt mit, wie einsam manche Menschen im Alter sind. Mitten in einer Millionenstadt. Ich wüsste nicht, ob und wie ich das aushalten würde. Immerhin habe ich noch einige Sozialkontakte. Wobei die Angst, irgendwann komplett alleine dazustehen, und dann auch noch im fortgeschrittenen Alter, immer präsent ist. Wir leben glaube ich in einer Zeit, in der es zunehmend nur noch Winner oder Loser, Oben oder Unten, Drinnen oder Draußen gibt. So kommt mir das zumindest vor. Die einen wissen nicht wohin mit all dem Glück, während die anderen um alles kämpfen müssen. Aber zumindest das war vielleicht auch schon immer so.