Ich verstehe dich. Mir geht es ähnlich. Ich habe zwar Verwandtschaft, aber die ist so voll von wirklich schrecklichen Menschen, dass ich seit Jahren komplett den Kontakt abgebrochen und sie aus meinem Leben gestrichen habe. Die einzige Familie, die ich habe, sind meine Eltern. Jetzt, wo ich in diesem gewissen Alter bin 🙄, wo Leute sesshafter und bodenständiger werden, heiraten und an die Familienplanung gehen, fällt mir auf, wie leer und einsam ich mich oft deswegen fühle. Und dass, sollten meine Eltern sterben, ich keinerlei Familie mehr habe, zu der ich eine Bindung besitze und die mir Halt gibt.
Natürlich kann man Freunde schon als Familie betrachten. Meine beste Freundin ist wie eine Schwester für mich. Aber ich kann auch nachvollziehen, wie man sich bei diesem Gedanken fühlt. Für mich ist es manchmal wie ein "Handicap". Als wäre etwas in meinem Leben nicht intakt, dass es aber geben sollte. Und als habe ich etwas nicht, was für andere völlig selbstverständlich ist. Natürlich ist das bei vielen Dingen der Fall, aber die Familie ist halt eine Grundlage für vieles. Eine Verwurzelung. Deine Herkunft und Verbindung. Ich denke oft darüber nach, wie es in 10, 20 oder 30 Jahren bei mir sein wird und das fühlt sich einfach nicht so gut an.
Es ist auch so, dass ich mich an diesen klassischen Feiertagen, wo viele zu ihren Familien fahren, ziemlich traurig fühle. Oder wenn andere erzählen, dass sie sich darauf freuen, wieder ihre Familie zu sehen. Oder dass sie sich wie selbstverständlich treffen. Klar, man kann jetzt auch sagen "Unter jedem Dach ein Ach" oder dass viele beschissene Familien haben (so wie ich) oder dass nicht alles Gold ist was glänzt, aber genauso wie es das gibt, gibt es auch massig Familien, wo alles okay ist und gut läuft.
Und ja, natürlich kann man sich selbst Stabilität geben und das, was man sucht, sollte auch teilweise aus einem selbst herauskommen. Aber es ersetzt einen dann doch nicht eine intakte Familie und ist sehr schwer emotional und psychisch zu bearbeiten.
Ich finde aber auch den Gedanken, dass man sich selbst eine Familie aufbauen kann, sehr, sehr, sehr wichtig. Weil es wahr ist. Eine sichere, stabile Beziehung macht da viel aus und dass man eventuell eines Tages selbst Kinder hat. Und die Familie des Partners kann auch zur eigenen Familie werden. Man kann auch Sorgen und das Gefühl von Leere und "Fehlen" zum Anlass nehmen, sich zu überlegen, was man braucht, zum Glücklichsein und was man tun kann, um das zu erreichen, um ein erfüllteres, stabileres Leben zu führen.