Das tue ich so lange nicht, wie ich es nicht explizit formuliere.
Du hast es explizit formuliert. Gucke in deinen Beitrag. Und was das "Es ist so" betrifft - du hast selbst Menschen, die sich umbringen, als "schwach" bezeichnet.
Wenn du mit Vollgas ins Leben fliehen kannst, ist das ja in Ordnung. Aber deshalb sind andere, die das nicht können, nicht schwach. Das ist deine persönliche Abwehrhaltung oder Lebensaufrechterhaltung. Mehr nicht. Genügt auch und sei dir gegönnt. Ich bin wie wohl so gut wie jede und jeder hier nicht für eine Selbsttötung. Aber so mit schlichten Sprüchen daherzukommen, wenn jemand keinen Ausweg mehr weiß oder wusste, ist arg. Genau, das denke ich - und zwar ohne jeden köstlichen Geschmack. Und da werde ich gerne auch unverschämt und spreche deutlich. Sprüche wie die vom Bauern, der nicht alles kenne, kannst du getrost an mir vorbeifahren. Interessant, dass du vom "du" gleich zu einem "euch" schalten kannst.
Was die großen Literaten betrifft: nein, die untermauern deine Haltung nicht, zumindest nicht die, die ich genannt habe. Und im Übrigen habe ich sie nicht genannt, weil sie so unglaublich "groß" wären, auf der Ebene diskutieren wir beide noch lange nicht. Für mich sind das einfach Leute, die auch sprechen zu bestimmten Dingen und von denen man lernen kann. Mag es so einfach für dich sein, wie es ist, wenn nur das dabei herauskommt ...
Leute, die meinen Weg behindern wollen, beachte ich gar nicht. Und warum? Wegen dem von dir so verteufelten "Weg der Macht". Ich habe es jahrelang genauso wie ihr gemacht - den anderen die Schuld geben, sich im Selbstmitleid suhlen, und dann vielleicht ein bisschen Sartre zitieren, damit man wehmütig sagen kann "Siehste, wenn große Literaten das sagen, muss es wahr sein, mümümü, es gibt keine Chance auf Rettung, denn dazu ist Leid zu vielschichtig". Aber so läuft die Welt nicht. Hilf dir selbst, oder du kommst unter die Räder. ICH habe das begriffen, und glaube mir, ich fahre ausgezeichnet mit dieser Erkenntnis.
... darf ich ja wohl skeptisch sein. Außerdem habe ich Sartre gar nicht zitiert, sondern nur auf ihn hingewiesen, ich kann's aber genauer sagen: "Die Kindheit eines Chefs". Ich glaube dir sogar, dass du das Leid von anderen erkennen kannst, aber es darf bloß nicht zu nahe kommen, wenn es dich selbst betrifft? Genau darum ging es in deiner Abschweifung vom Threadthema. Und du kannst ziemlich versichert sein, dass ich weder in Selbstmitleid versinke, schon gar nicht in dieser Floskel mich zu Hause fühle noch verbittert bin. Dazu habe ich doch manches gesehen. Und die Floskel von allem Leid, das einer auf sich laden möchte, kannst du dir auch einstecken, sofern du sie nicht in einen - wie sagst du so schön? - validen Satz verwandelst.
Worum es mir ging in meiner Abschweifung zu deiner Abschweifung war diese Denunziation der Schwäche. Und dabei bleibe ich. Mir sind Leute, die sich lauthals auf die Seelenbrust klopfen, um zu sagen, wie toll sie damit sind, verdächtig. Ich höre dann - gleichsam - nichts.
Weiterleben unter Qualen zeugt von mehr Stärke als Selbstmord. Wenn man es mit der Zeit, kann mitunter ein ganzes Leben dauern, schafft, diese Qualen zu verringern, umso besser. Wer das schafft wird froh sein, sich nicht umgebracht zu haben.
Das kann sein - aber das zu schaffen, kann nur der Einzelne entscheiden. Die Entscheidung für das Leben in Qualen als Stärke zu beurteilen, ist eine Unterstellung, die sich gut anhört, aber nicht Wirklichkeit sein muss. Mag sein, dass sich das eigenartig anhört. Aber diese Sätze haben etwas davon, dass man den anderen für das Ertragen seines Leids bewundert. Und da sind nun einmal Grenzen, die nicht zu überwinden sind. So schmerzlich sie sind.
Es gibt nichts was mich aufbauen könnte, da ich schon jetzt komplett versagt habe und nichts mehr aufholen kann. Die Welt ist nun einmal kein Ponyhof. Wer versagt, den bestraft nun einmal das Leben. [...]
Es geht einfach nicht mehr.
Du zitierst da mit Absicht Sprüche wie in deinem Threadtitel? Warum glaubst du an sie?