Hey dauni, du kannst dir verzeihen, denn du hast es nicht wissen können. Deine Mutter hat es bestimmt vor dir verheimlicht und selbst wenn nicht, kann man als Kind das auch gar nicht wirklich wahrhaben.
Eine Freundin, deren Vater Alkoholiker ist, erzählte mir dass sie als Kind nie das Problem ihres Vaters wahrgenommen hat. Für sie war es normal dass er so ist, weil sie es nicht anders kannte. Erst sehr viel später, als sie sich mit der Sucht beschäftigte, hat sie vieles verstanden.
Und trotzdem war deine Mutter auch eine erwachsene Frau. Sie hätte ihr Problem erkennen müssen und etwas dagegen tun, allein schon dir zuliebe. Sucht ist eine schlimme Krankheit und verändert einen Menschen sehr. Es muss wirklich schwer sein davon loszukommen.
Ja, der Tod... Ich beschäftige mich auch sehr mit diesen Fragen. Eigentlich schon seit meiner Kindheit. Habe in vielen Weltanschauungen und Religionen danach geforscht. Eine sichere Antwort kann man nie bekommen. Ich kenne einige Leute die klinisch tot waren und war erstaunt wie ähnlich sie ihr Todeserleben beschrieben. Es gibt auch viele gute Bücher darüber und ein Film, der mich sehr beeindruckt hat. Vielleicht kennst du ihn? Hinter dem Horizont, mit Robin Williams von 1998.
All das hat mir zwar geholfen den Tod zu verstehen und zu akzeptieren, aber die Trauer um einen lieben Menschen der gegangen ist, macht es natürlich nicht weg.
Mir ging es gestern auch mal wieder sehr schlecht. Hab beim aufräumen ein altes Familienfoto gefunden und die Trauer überkam mich schlagartig. Es war erschreckend wie viele darauf schon nicht mehr am Leben sind. Ich bin in einer Großfamilie aufgewachsen. Jetzt gibt es nur noch mich und meine Geschwister davon. Naja, wir alle haben Kinder und zum Teil eigene Familien. Aber für mich war es einfach dieses Erkennen wieder einmal, das Dinge vergehen, sterben unwiederbringlich vorbei sind. Sogar Wünsche die sich nie mehr erfüllen werden. Ich wollte so gerne eine eigene Familie haben, als meine Tochter noch klein war. Sie nie alleine aufziehen. Jetzt ist sie 15 Jahre und geht selber bald aus dem Haus. Jetzt brauch ich das auch nicht mehr und für sie ist es auch ok, so wie es ist.
Bei mir geht es gerade auf und ab mit den Gefühlen. Der Tod meines Vaters hat sehr viel ins Rollen gebracht. Wohin die Reise geht weiß ich noch nicht.
Ich denk sehr an dich, liebe dauni, und wünsche dir dass du Antworten für dich findest.
Fühl dich umarmt!