Liebe Dauni,
ich kann Dich gut verstehen, Du fühlst Dich allein und verwzeifelt und magst nicht hören was andere sagen. Zurückziehen ist gut, aber nicht abkapseln von allem, dann wird es nachher nur noch schlimmer.
Vielleicht sagst Du den Leuten, die Dich "nerven", dass Du im Moment ein bischen mehr Ruhe brauchst. Würde das gehen? Vielleicht haben sie auch schon mal einen nahestehenden Menschen verloren und verstehen es besser als Du denkst? Probier es doch mal.
Oder kannst du vielleicht irgendwo hin und ein paar Tage ausspannen, was anderes sehen, zusammen mit Deinem Kind? Als meine Mutter starb bin ich auch zwei Monate später für einige Tage weggefahren und das war gut so. Weg von allen Leuten, die Fragen stellten und weg von allen, die genervt haben, überhaupt mal was anderes zu sehen und zur Ruhe kommen. Ich war damals an der See.
Meine Mutter war damals schon jahrelang krank, aber jetzt nicht so, dass man damit hätte rechnen müssen. Als ich damals zu ihr fuhr, wurde sie gerade weggebracht, das war plötzlich als würde ich in einer anderen Dimension sein. Ein Gefühl, wohl die Seele, die sich so schützen will.
Einige Zeit später sah ich es dann so, dass es gut war, dass sie so gestorben ist, einfach im Sessel, nachdem sie ihre Lieblingssendung gesehen hat und noch lachen konnte und dann einfach einschlief. Ein schöner Tod ...
Darüber war ich froh und Gott dankbar, auch wenn sie erst 67 war. Und ich habe daran gedacht, dass es gut so war, sie hat nicht mehr gelitten unter ihren Krankheiten.
Nachdem mein Vater genau 1 Jahr später starb sind Dinge herausgekommen, wo ich gesagt habe, es ist gut, dass sie zuerst gehen musste und das alles nicht erfahren hat.
Und so denke ich auch heute noch. Alles in allem war es gut so, wie es kam, aber dennoch bin ich traurig und vermisse sie. Obwohl es schon 16 Jahre her ist. Natürlich ist es nicht mehr so schlimm wie damals, denn das Leben musste ohne sie weiter gehen und leider zerbrach sogar die komplette Familie, weil sie immer irgendwie der Mittelpunkt zu uns allen war. Das ist schade, aber für mich auch gut so.
Leider habe ich kein reales Grab von ihr, das wurde leider weggemacht, als ich für mehrere Monate zuerst im Ausland gelebt hatte und dann 1 Jahr in einem Krankenhaus war und niemanden hatte, der sich darum kümmern konnte. Deswegen habe ich virtuell eines gemacht, das hast Du ja auch schon gesehen.
Vielleicht könntest Du das auch mal von der Seite betrachten, dass Deine Mutter jetzt nicht mehr leidet an ihrer Sucht und sie ihren Frieden gefunden hat und es ihr gut geht.
Es ist nicht immer leicht den richtigen Weg zu finden, wo manchmal viele Steine im weg sind. Aber mancher Stein liegt glücklicherweise mal im Weg um zu verhindern, dass man über einen noch größeren stolpert. Oder der größere ist so schwer, dass man es nicht allein schafft, ihn zur Seite zu räumen.
Da ist es manchmal gut, wenn man jemanden an seiner Seite hat.
Ich weiß ja nicht wie sonst das Verhältnis zu Deiner Schwiegermutter ist und zwischen ihr und Deinem Kind. Aber bitte vergiss darüber nicht, dass es auch die Oma deines Kindes ist. Und ein Kind braucht manchmal seine Oma. Ich hoffe, dass sie eine gute Oma ist und Dich versteht. Aber das kann sie nur, wenn Du dich mitteilst.
Ich wünsche Dir alles Gute und schick Dir liebe Grüße,
Cora