Gäbe es die Möglichkeit, das Kind in einer Musikschule anzumelden? Oder habe ich was überlesen? Du schreibst, dein Mann hat sie bislang unterrichtet. Das mit der Musikschule wäre eine Möglichkeit, ihr weitere Angebote zu machen - sie lernt andere musizierende Kinder kennen, und vor allem auch andere Lehrer als ihren Papi (was ich sowieso essentiell finde), kann ihre Begabung anders kanalisieren, kommt raus und vielleicht würde das schon helfen, die Lage etwas zu entspannen.
Da gibt es auch Vorspielen, oder eventuell das Musizieren in einer Band ö.ä.? Also spannende Sachen, wo sie sich einbringen kann.
Ich finde es befremdlich, dass sie so wenig Kontakt zu Gleichaltrigen hat, keine Busenfreundin. Gerade in diesem Alter hat man doch eine "BFF", wie es neudeutsch heißt, oder?
Ich habe beim Lesen das bange Gefühl, dein Mann zieht sich da sein Geschöpf heran.
Das klingt nicht gesund.
Ist euer Schlafzimmer ein abgeschlossener Raum?
Vielleicht könnt ihr da einfach die Zimmer tauschen.
Und, das Mädchen braucht dringend regelmäßigen Kontakt zu gleichaltrigen Kinder. Der Papa ist der Vater, aber kein Ersatz für Freunde.
Sprich doch mal den Kinderarzt darauf an.
Mein Sohn ist nicht hochbegabte, sondern höchstbegabt. Und, er hatte damals kaum Freunde. An diesem sozialen Bereich haben wir erfolgreich gearbeitet.
Was habt ihr euch denn ursprünglich gedacht, wie man in dieser Wohnsituation ein Kind großzieht? Wenn das geschlossene Zimmer eigentlich zu klein ist - auch ohne das ständige Musizieren hätte das Kind ja irgendwelchen Raum gebraucht und eben auch Rückzugsmöglichkeiten.
Es gibt keine finanziellen Probleme, wieso ist es dann ein Hemmschuh, 4000 € für eine (vorübergehende) Lösung auszugeben?
Dann kann das Lärmproblem nicht so schlimm sein.
Die eigentlichen Probleme sehe ich auch woanders und denke ebenfalls an Familientherapie, Eheberatung, Erziehungsberatung.
Eure Ehe wirkt schon... speziell.
Und sprich mit dem Schulpsychologen wegen des Tests, vielleicht hilft dir das weiter. Dieser könnte das durchführen.
Das lasse ich doch keine 9-Jährige entscheiden! Wozu muss sie überhaupt im Vorfeld wissen, worum es bei ihr gestellten Aufgaben geht?
Garten vorhanden?
Modulhaus-Anbau, entsprechend optimiert ('Eierkarton')?
Therapeutensuche:
Es gibt genug Psychotherapeuten, die keinen der wenigen Kassensitze erhielten, die du jedoch als Selbstzahler buchen kannst.
Sehe ich auch so, dass es vom Einzelfall abhängt, ob da ein Problem zu vermuten ist der nicht.
Ich werfe mal etwas ein bezogen auf diejenigen Hochbegabten, die mit weniger sozialen Kontakten zufriedener sind:
Qualität vor Quantität:
Viele Hochbegabte sind stark introvertiert. Sie bevorzugen tiefe, intellektuell anregende Gespräche. Ein kleiner Kreis an engen Vertrauten wird oft als befriedigender empfunden als viele oberflächliche Kontakte.
Intensiveres Erleben:
Oft geht Hochbegabung mit einer hohen Sensibilität einher. Große Gruppen oder Partys kosten viel Energie, weshalb der Rückzug in die eigene Gedankenwelt zur Erholung dient.
Geringerer "Social Need": Wissenschaftliche Untersuchungen zur Hochbegabtenberatung des Fachportals Hochbegabung zeigen, dass Hochbegabte zwar in der Regel sozial gut angepasst sind, ihre Bedürfnisse aber anders gelagert sein können als bei Durchschnittsbegabten.
Gleichgesinnte fehlen:
Das Gefühl, sich im Alltag verstellen zu müssen oder nicht verstanden zu werden, kann dazu führen, dass Kontakte eher als anstrengend statt als bereichernd erlebt werden.
Wichtig:
Der Rückzug ist nicht immer freiwillig. Oft resultiert er aus jahrelanger Erfahrung von "Nicht-Verstanden-Werden". Wenn Hochbegabte jedoch die Möglichkeit haben, sich mit sogenannten "Peers" (intellektuell Gleichgesinnten) auszutauschen, genießen sie soziale Kontakte oft sehr.
Und noch etwas, das mir in einem deiner Beiträge auffiel, @Katie63:
Du scheinst keinerlei Verständnis dafür zu haben, dass auch Kinder das Bedürfnis nach Privatsphäre haben können und dass sich das noch verstärken wird.
Könnte das etwas mit Protest zu tun haben?
Stört sie, um ein wenig deiner Aufmerksamkeit zu erhalten? Wenn das schon nicht positiv möglich ist, dann wenigstens auf negative Weise?
Beschäftigst du dich je mit ihr, spielt ihr Spiele, unternehmt etwas zusammen und genießt das auch beide, habt Spaß?
Ist das gänzlich unberechtigt?
Sie macht ja schon einiges in Richtung Musik. Sie singt im Chor und auch in der Schule gibt es Musikangebote.
Sie spielt die Instrumente nicht aus Protest, um absichtlich laut zu sein. Musik ist wirklich ihr Leben und sie liebt es einfach.
Das Problem mit gleichaltrigen sind oftmals die unterschiedlichen Interessen. Wenn sie zu Besuch irgendwo ist, dann wollen die anderen mit ihr natürlich irgendwas spielen. Lego, Barbie usw. Das ist für sie langweilig. Wenn Kinder bei uns zu besuch sind (was selten vorkommt), dann finden die es wiederum langweilig, weil es dieses Spielzeug bei uns nicht gibt.
Sie ist wirklich nicht schüchtern oder introvertiert. Um es mal mit ein bisschen Humor zu sagen: Als die Introvertiertheit verteilt wurde, hatte sie keine Zeit. Sie hat da gerade mit fremden Leuten geredet.
Wenn wir bei einer Feier sind, beim Stadtfest, Schulfest etc. dann funktioniert das auch immer sehr gut. Sie findet schnell Anschluss, läuft mit anderen Kindern da rum, macht bei irgendwelchen Aktionen mit usw. Nur dieses zuhause gezielt jetzt mit jemandem irgendwas spielen müssen, funktioniert nicht so gut.
Ich möchte nochmal was zur Wohnsituation sagen. Ich habe nie gesagt, dass sie kein Zimmer hat, kein Rückzugsort usw. Sie hat ein geschlossenes etwa 20 m² Zimmer mit Tür. Es gibt sicherlich Kinder, die haben gar kein so großes Zimmer. Es ist nur nicht möglich dort noch die Instrumente reinzustellen und es schalldicht zu machen. Meine Aussage war darauf bezogen, dass es zu "klein" ist, um neben Bett, Schrank etc. auch noch Instrumente dort reinzustellen.
Ich werde vielleicht das E-Schlagzeug kaufen und mich damit unbeliebt machen. Mein Mann wird da nicht hinter mir stehen. Es wird sagen, dass es ihm leid tut, aber Mama das jetzt so entschieden hat.
Ich beschäftige mich natürlich mit ihr, wir spielen was, machen Ausflüge etc. Ich kann aber nicht von nach der Schule, bis zum schlafen stundenlang das rundumsorglos Animationsprogramm machen. Ich habe auch jetzt mal länger darüber nachgedacht. Es ist mit ihr einfacher außerhalb unseres Zuhauses, als direkt zuhause. Zuhause will sie Instrumente spielen oder Entertainment. Wenn man mit ihr irgendwo hinfährt oder hingeht, dann ist sie das liebste und pflegeleichteste Kind. Kein Gejammere wegen Langeweile, kein Gezicke. Und das müssen nicht mal so direkt kindgerechte Ausflüge sein. Einkaufen gehen, in die Stadt fahren, ins Café gehen, spazieren. Ich war letztens mit einer Freundin Keramik bemalen. Es war erst nicht geplant, dass sie mitkommt, aber mein Mann hatte dann spontan einen wichtigen Termin. Sie war dabei und hat in aller Seelenruhe ihre Tasse angemalt. Zuhause ... mir ist langweilig, was soll ich machen, mach mal was, kann ich mehr Medienzeit habe, ich will mein Tablet, mir ist langweilig, laaaaaaaangweilig usw.