Vielleicht hätte man bei der Überschrift das Wort Hartz IV weglassen sollen. Die Fragestellung nach dem dritten Reich ist bezüglich der Reaktionen interessant.
Die Vernichtung im dritten Reich ist durch nichts zu entschuldigen. Warum aber sollen keine provokativen Fragestellungen gestellt werden?
Ist heute ein Menschenleben weniger wert als damals? Oder kommt es auf die Methode der Tötung oder die Quantitiat an Opfern an? Vielleicht sollte man als Opfer die richtige Gesinnung oder Rolle haben?
Wenn man es allerdings als Problem des Opfers betrachtet, dass er in einem gesundheitsgefährdenden, diskriminierenden Prozess endet - ja da fällt mir doch wieder das dritte Reich ein.
Das Grundgesetz hat eindeutige Vorgaben bezüglich des Existenzminimiums. Es ist nicht geändert worden.
Warum eigentlich nicht? Recht scheint keine große Rolle mehr zu spielen und das Bundesverfassungsgericht wird anscheinend auch nicht mehr besonders ernst genommen. Man muss klagen, wobei das Unrecht schon längst feststeht.
Deutschland ist das Billiglohnland in Europa. Millionen von Hartz4-Empfängern arbeiten, bekommen dafür so gut wie nichts und müssen sich noch blöd anreden lassen.
Neben dieser Ausbeutung, die volkswirtschaftlich eine Menge Vorteile bringt, dürfen sich die Empfänger auch noch als Sozialschmarotzer und Menschen dritter Klasse anreden lassen.
Das System selber ist dann erstaunt, dass die Lebensdauer von Hartz4-Empfängern nicht so hoch ist. Reiner Zynismus. Im Grunde lebt dieses System durch die Billiglöhner - oder Menschen zweiter Klasse.
Sorry, blöde Historiker-Angewohnheit, aber inwieweit hast du dich mit dem Dritten Reich befasst? Was für Literatur hast du gelesen, in welcher Form hattest du Einblicke in Archivgut? Hast du Vorlesungen oder Vorträge zu dem Thema besucht? Kannst du konkret sagen, inwieweit ein euthanisierter Mensch mit einem Opfer des HartzIV-Systems vergleichbar wäre? Glaubst du, dass die BRD die sozial Schwächeren gezielt über das HartzIV-System ermorden, respektive vernichten will, da sie unwertes Leben repräsentieren? Wusstest du, dass es mal ein feudalabsolutistisches Regime gab, in dem die sg. Unterschicht (das heutige "Prekeriat") aus "Unfreien" bestand, die vollständig von Bildung und Kultur ausgeschlossen, bis aufs Blut ausgebeutet wurden, ohne Bürgerrechte, auf dem Lande sogar als Leibeigene zählten? Würdest du das mit unserer heutigen Gesellschaft vergleichen, da da Steuerzahler in gewisser Hinischt auch der Noblesse dieTasche füllen?
Versteht mich nicht falsch, ich kann eure Wut nachempfinden. Ich hatte in den letzten Jahren i.d.R. deutlich weniger Geld als ein HartzIV-Empfänger, aber ich brauchte auch nicht viel. Obschon ich in sämtlichen Hinsichten freier war. Edy hats ja schon gepostet, eine zuverlässige Quelle ist vor allem Inge Hanemann, die gründlich mit den verbeulten Strukturen sogennanter Sozialdienste aufräumt. Wenn man aber feststellen will, auf welchen Grundlagen unser System aufbaut und ggf. sich zu wundern bereit ist, wie gut es uns im Vergleich zu alten Tagen doch eigentlich geht, mit Rücksicht auf die massiven Verbesserungswürdigkeiten, sei Bernt Engelmanns "Wir Untertanen" empfohlen.