Zwei Sachen, die in dieser Diskussion noch gar nicht erwähnt wurden: erstens die jüdischen Siedler, die sich palästinensisches Land kurzerhand illegal unter den Nagel reißen, rigoros alles abräumen, was darauf steht, egal ob Olivenhaine, fruchtbare Felder oder palästinensische Häuser, um dann ihre eigenen Siedlungen (im befestigten Fort-Stil, wegen der zu erwartenden Angriffe der beraubten Landeigner) darauf hochzuziehen, wonach das Land dann auch rechtlich ihnen zu gehören habe, egal ob es sich vorher jahrhundertelang in palästinensischem Familienbesitz befunden hat und die wahren Eigentümer nie etwas von einer Entschädigung sehen, mal abgesehen davon, daß sie dieser ganz realen Enteignung (selbstverständlich!) nie zugestimmt haben... wer also sagt, die Hamas braucht einfach nicht bomben und Frieden ist, der muß dann genauso dafür sein, daß dann im Gegenzug alle illegal enteigneten Grundstücke an die Palästinenser zurückgegeben werden müssen, die jüdischen Siedlungen darauf geschleift und für das, was vorher darauf stand, entsprechende Entschädigungen gezahlt werden müssen (abgeholzte Olivenbäume wachsen nicht innerhalb weniger Jahre nach!)
Zweitens, das Problem, das die Israelis mit ihren eigenen Ultraorthodoxen haben. Um die nach dem Holocaust ziemlich gefährdeten religiösen Traditionen zu schützen - zahlreiche Rabbis waren von den Faschisten ermordet worden, ganze "Schulen" (religiöse Lehrschulen weniger im Sinne von Schulgebäuden als von Auslegungen und Deutungen der Religion, ein wichtiger Teil der jüdischen Lehre) waren ausgerottet - hat man im neugegründeten Staat Israel den Ultraorthodoxen, also den streng religiösen Familien, spezielle Sonderrechte gewährt, sie waren nicht zu Arbeitsdiensten (Kibbuz) oder Wehrdienst verpflichtet und durften auf Kosten des Staates leben, um sich ohne Sorgen um den täglichen Broterwerb den religiösen Traditionen widmen zu können - ein aus heutiger Sicht ziemlich kurzsichtiges Verhalten, weil diese Familien aufgrund immenser Geburtenrate (durchschnittlich 7 Kinder laut Wiki) heute einen immer höheren Anteil an der israelischen Gesamtbevölkerung halten, als Schmarotzer, die im wesentlichen von Sozialhilfe leben, nach wie vor weder zu Wehrdienst noch irgendeinem anderen Dienst an ihrem Land verpflichtet sind (manche arbeiten freiwillig, aber verpflichtet dazu sind sie immer noch nicht), aber zum Dank für das alles haben sie ziemlich Einfluß in der Politik, und da auch der verständigste Politiker in Israel sich nicht traut, gegen religiöse "Wahrheiten" und Ansprüche anzuspucken, geht viel von dem, was auf israelischer Seite verbrochen wird - einschließlich Landraub und anderes - letztlich auf das Konto dieser Ultraorthodoxen. Die "normalen" säkularen Israelis wissen inzwischen, was für eine stetig wachsende Zecke, die auf ihrer aller Kosten lebt, sie sich mit den Ultras ins eigene Fell gesetzt haben, aber was wollen sie dagegen tun? In einer (vorgeblichen) Demokratie macht es halt die Masse, die die Entscheidungen fällt, und die Ultras haben inzwischen verdammt viel Masse zu bieten (10 % reinen Anteil sie selbst, und nach wie vor viele Förderer und Sympathisanten in der Restbevölkerung).
Und wer einfach von Umsiedlung in irgendeine andere Wüste träumt und damit wäre die Sache erledigt, vergißt völlig, daß es hier um "heiliges Land" geht. Auf das alle Seiten Anspruch erheben, und von dem niemand freiwillig abrücken wird, schließlich geht es ganz konkret um Gebiete, wo der Prophet zum Himmel auffuhr (Muslime) und der Messias einst wiederkehren und sein "heiliges Jerusalem" begründen wird (Juden).