Zuerst einmal: berufliche Begegnungen ins Private zu ziehen, das ist ein Tabu, besonders in Angestelltenverhältnissen! Die verschiedenen Machtgefälle sorgen für Abhängigkeiten, Stress in der Beziehung sorgt für verminderte/schlechtere Arbeitsleistung, das geht an keinem Vorgesetzten dauerhaft vorbei und führt sogar zu Jobverlust (vollkommen gerechtfertigt).
Zur Sache:
Er sucht nur den kollegialen, lockeren Umgang, ein positives Arbeitsumfeld ist, bei Depressionen, wichtig, um leistungsfähig zu sein und zu bleiben. Dennoch bleibt der kollegiale Umgang außerhalb des privaten Umfeldes, setzt ein beim Betreten der Firma und bleibt am Jackenhaken im Büro zurück, wenn man die Firma abends verlässt. Das ist ein probates Mittel bei Depressionen, um überhaupt „normal“ zu funktionieren und „normal“ wird von außen definiert, nicht durch den betroffenen Menschen. Es sind Muster, die er sich angeeignet hat zum Selbstschutz und weil es von außen erwartet wird. Besteht dann zusätzlich ein Machtgefälle (Teamleitung und Teammitglied), dann funktioniert man als Teammitglied so, dass es keine Beschwerden der Teamleitung gibt.
Die Ruhe am Abend nach der Arbeit ist der benötigte Ausgleich und wichtiger, als man denkt.
Er soll, nach seiner langen Krankheit zuvor, neue Aufgaben übernehmen und Du sollst ihn einarbeiten. Da wurde firmenintern denkbar wenig nachgedacht, denn er war, depressionsbedingt, über ein Jahr krank und raus aus dem Job, da sollte man ruhig anlaufen lassen, Stabilität schaffen und nicht neue Aufgaben.
Dass er jetzt schon wieder krank ist, ist eine Folge der Überforderung, selbst wenn es nur eine Grippe ist. Da schaltet man den ganzen Datensturm gerne ab. Wenn ich krank bin, auch ohne Depression, dann ist mein Handy im Flugmodus und ich bin, wenn es geht, draußen ohne Handy, spazieren gehen, Atmen, Kopf frei bekommen, wenn es die Nase schon nicht ist.
Vielleicht geht es ihm genauso.
Dein Verhalten
@Vergissmeinnicht85 mag nett gemeint sein, ich würde es als nervig, aufdringlich, unangemessen empfinden, wenn es mich träfe. Du weißt doch nicht einmal, ob es eine Partnerin in seinem Leben gibt! Von mir gäbe es eine klare Ansage „bis hierhin und nicht weiter“, er kann es vielleicht nicht durch seine gesundheitlichen Probleme. Du hast ihm Deine Nummer gegeben, woher hast Du seine? Hat er sich genötigt gefühlt, Dir seine auch zu geben? Oder wie konntest Du ihm sonst schreiben?
Und selbst wenn 3 Tage vergehen bis zu einer Antwort, er ist Dir zu nichts verpflichtet und kann soviel online sein, wie er es braucht, hat vielleicht noch Eltern, Kinder, eine Partnerin und bestimmt auch Freunde. Er ist Dir keine Rechenschaft schuldig.
Man kann in WhatsApp auch einstellen, dass keinerlei Lesebestätigung geschickt wird, also keine grünen Haken entstehen. Wer einen Kontrollzwang hat, prallt da bei mir ab, ich lasse mich von niemandem kontrollieren und mein soziales Umfeld weiß, dass ich zuverlässig bin und antworte, aber dass da mal Stunden oder auch Tage dazwischen liegen können, das hängt auch davon ab, wo ich gerade bin und wieviel mein Beruf von mir verlangt. Kommt dann eine Anfrage mitten in der Nacht, ob ich den Hund für zwei Tage nehmen kann, dann schreibe ich nur: „Buch ihm nen Flug nach Singapur“ und sie wissen, wo ich bin und weshalb ich (Zeitverschiebung) gefühlt erst spät antworte. Aber im sozialen Umfeld gibt es da keine Erwartungshaltung, nicht bei WApp Nachrichten. Notfälle rufen an!
Du bist weder ein Notfall für ihn noch soziales Umfeld, Du bist berufliches Umfeld und nicht mehr.
Lass ihn in Ruhe und akzeptiere es. Selbst wenn da mal ein Gedanke bei ihm war, nach Deinem Verhalten ist dieser Gedanke jetzt sicherlich nicht mehr da.