Wie armselig ist diese Hetzjagd von selbsternannten Sachverständigen, die selbst zum Großteil niemals eine akademische Arbeit in Angriff nehmen würden. Oder eine mündliche Doktorprüfung bestehen - oder soll die auch jemand anderes für ihn gemacht haben, ohne dass es die Prüfer merkten?
Gerade weil ich selbst vom Fach bin, ärgert mich diese Sache. Ich bin Volljuristin, zwar ohne Doktortitel, habe aber dafür im Gegensatz zu Herrn zu Guttenberg auch das
2. Staatsexamen gemacht und somit die Befähigung zum Richteramt erworben. Ich weiß daher genau, auf welch hohem wissenschaftlichen Niveau sich juristische Arbeiten, insbesondere auch für die beiden Staatsexamina, bewegen. Auch dabei lässt sich übrigens so mancher helfen, jedenfalls war das zu meiner Zeit so, als neben Klausuren in einigen Bundesländern auch noch mehrwöchige Examenshausarbeiten geschrieben wurden. Ich habe meine Hausarbeiten dennoch ohne jedwede fremde Hilfe angefertigt und gerade im wichtigen 2. Examen auch eine gute Note damit erreicht.
Und da soll ich Bücklinge vor einem zu Guttenberg machen? Wie komme ich denn dazu?!
Es kann nicht sein, dass die einen ihre akademische Qualifikation auf die ehrliche, anstrengende Ochsentour erwerben - je nach sozialer Herkunft oder Schicksalsschlägen in der Familie sogar unter
erschwerten Bedingungen - und jemand anders, nur weil seine Familie seit Generationen Rang und Namen hat, bereits mit Mitte/Ende 30 in höchste Staatsämter katapultiert und von den Medien als moralisches Vorbild verkauft wird. Und für mich ist es nicht akzeptabel, dass er in diesem Amt auch noch verbleiben soll, obwohl er im dringenden Verdacht steht, sich in seiner Dissertation fremdes Gedankengut zu eigen gemacht zu haben, ohne dies zu kennzeichnen. Was qualifiziert ihn denn besser für diesen Job als andere, abgesehen von seinem Parteibuch und seinem selbstherrlichen Auftreten?
Auch wenn er die mündliche Prüfung ohne Souffleur geschafft hat, ändert das nichts am Erschleichen des Doktortitels, falls der Plagiatsvorwurf zu Recht besteht. Ich weiß von meinen promovierten Kolleginnen und Kollegen, dass die eigentliche Dissertation die deutlich größere Hürde bei einer juristischen Promotion darstellt. Die abschließende mündliche Prüfung, das sog. Rigorosum, schafft sozusagen jeder Doktorand, dessen Dissertation den Mindestanforderungen ("rite") genügt.
Wer von diesen hämischen Aasgeiern würde so eine Arbeit und Prüfung hinbekommen, nebenbei arbeiten und sich um kleine Kinder kümmern?
Wenn man das neben der Arbeit und der Erziehung kleiner Kinder schon aus Zeitgründen nicht hinbekommen kann (wofür ich vollstes Verständnis habe!), dann muss man es lassen. Ganz einfach. Dass einem die nötige Zeit fehlt (ist bei mir ebenso, wenn ich nicht 10 Jahre für eine Dissertation brauchen will), ist doch keine Entschuldigung dafür, sich fremder Hilfe zu bedienen. Dann muss ich eben damit leben, dass auf meiner Visitenkarte kein Doktortitel steht. Oder den Doktor erst später nach der Pensionierung machen, wenn ich mehr Zeit habe. Falls mein Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten größer ist als meine persönliche Eitelkeit...
😉
Nicht in Ordnung finde ich das Verhalten der bellenden und geifernden Meute, die sich daran aufgeilen, ohne Ahnung zu haben. Wieviele davon haben in der Schule nie abgeschrieben? Und man sage nicht, das sei was anderes. Ist es nicht. Wieviele davon haben nie bei der Steuererklärung getrickst?Auch das ist nichts anderes. Es ist vorsätzliche Täuschung.
Genau. Es ist vorsätzliche Täuschung, und wenn es herauskommt, dann muss es Sanktionen nach sich ziehen. In der Schule, indem man eine "Sechs" bekommt, und bei der Steuer, indem ein Strafverfahren eingeleitet wird.
Außerdem habe ich selbst tatsächlich nie abgeschrieben, sondern mich in der Schule auf den Hosenboden gesetzt und gepaukt. Auch auf die Gefahr, deswegen als Streberin angesehen zu werden. Aber dafür kann ich bis heute wunderbar selbstständig arbeiten und muss andere wirklich nur da um Rat fragen, wo Teamarbeit angesagt ist.
Bei der Steuer bin ich auch korrekt.
Hinzu kommt, dass man Abschreiben in der Schule sogar noch eher verzeihen könnte, jedenfalls, solange jemand noch nicht volljährig ist und deshalb für seine Taten noch nicht in demselben Maße verantwortlich gemacht werden kann wie ein Erwachsener. Nicht umsonst ist das gesamte Jugendstrafrecht, das zumeist auch noch auf Heranwachsende (zwischen 18 und 21 Jahre) angewandt wird, vom
Erziehungsgedanken beherrscht. Zu Guttenberg wusste aber, gerade als Jurist mit immerhin 1. Staatsexamen, was er tat und hat außerdem als Minister eine besondere Vorbildfunktion. Anders als ein Schüler oder der kleine Mann, der seine Lohnsteuererklärung macht und dessen Einkommen ihm keine großen Sprünge ermöglicht.
Nicht minder verwerflich ist diese Art von Vorverurteilung in einem Rechtsstaat. Selbstjustiz ist immer noch verboten.
Bis zum Beweis des Gegenteils gilt im deutschen Strafrecht die Unschuldsvermutung, das ist zutreffend. Noch ist zu Guttenberg ja auch Minister. Allerdings liegen zumindest gewichtige Verdachtsmomente dafür vor, dass es mit seiner Dissertation nicht korrekt gelaufen ist. Die betreffenden Textpassagen kann mittlerweile jedes Schulkind im Internet einsehen. Warum darf dies nicht offen zur Sprache gebracht und moralisch bewertet werden?
Selbstjustiz ist was ganz anderes. Niemand geht mit der Pistole auf zu Guttenberg los, und er wird ja auch nicht vom Bundespräsidenten aus dem Amt entlassen, solange die Sache nicht restlos geklärt ist.
Wegen des Vertrauensverlustes sollte er, um weiteren Schaden vom Amt des Verteidigungsministers abzuwenden, aber freiwillig zurücktreten, sollte an der Sache auch nur das Geringste dran sein. Damit würde er echte Größe beweisen. Finanziell hat er das Amt doch eh nicht nötig.
Und niemand sage mir: "Jaaa...aber der ist eine öffentliche Person mit Verantwortung, der muss ein Vorbild sein": Richtig. Aber jeder, jeder einzelne der sich zum Richter ernennt, hat in seinem eigenen kleinen Umkreis ebenso Vorbild zu sein. Und wenn er nur den Briefträger kennt.
Wer sich selbst aufrichtig bemüht, ein redliches Leben zu führen, und sich nichts zuschulden kommen lässt, der darf sich sehr wohl über eine Kaltschnäuzigkeit gewisser Politiker aufregen, die trotz dicker Gehälter das Recht für sich sehr "großzügig" auslegen. Kleine Leute benehmen sich meist sehr viel vorbildlicher als Leute in hohen Positionen, deshalb gelangen sie ja auch bestenfalls zu einem bescheidenen Wohlstand.
😎