was ich seltsam finde
äußert man Kritik, an der sich meines Erachtens abzeichnenden Islamisierung Europas, wird man als Rechtspopulist geschmäht, ob hier im Forum oder in den Medien allgemein (siehe z.B. Geert Wilders)
geht es aber gegen den Judenstaat, brechen sich sämtliche Ressentiments Bahn und zwischen Linken, Rechts-außen (und wahrscheinlich Muslimen) herrscht plötzlich Konsens
man sollte nicht vergessen, dass Israel, das einzige westlich orientierte, demokratische, rechtsstaatliche Land im ganzen Nahen Osten ist und trotzdem ist alle Welt gegen Israel, wenn im Iran Schwule an Baukränen aufgehängt oder im Irak Emos gesteinigt werden, da echauffiert sich niemand, ganz zu Schweigen von der Christenverfolgung in vielen islamischen Ländern...
Hmm, ich bin mir nicht sicher, ob wirklich niemand protestiert, wenn in islamisch geprägten Ländern Gräueltaten verübt werden. Ich hab mal im Zuge einer politischen Kampagne einen Protestbrief an den saudi-arabischen König geschrieben, weil ein (oder mehrere?) Schwule dort zum Tod durch Prügel verurteilt worden waren. Amnesty schweigt sicher auch nicht zu den Zuständen in diesen Ländern. Aber meinem Gefühl nach könntest du recht haben, dass die Öffentlichkeit in Deutschland sich mehr über die israelische Regierung aufregt. Vielleicht ist das - auch - deswegen so, gerade weil Israel eine Demokratie und ein Rechtsstaat ist - da erwartet man mehr Respekt vor den Menschenrechten als in einer Diktatur oder einem sogenannten Gottesstaat. Israel ist teilweise sehr westlich geprägt, und natürlich ist es sehr gut, dass es im Nahen Osten überhaupt eine Demokratie gibt. Aber die Willkür, die die israelischen Grenzsoldaten gegenüber den Palästinensern, die einfach nur zu ihrem Feld, nach Hause oder zum Gebären in die Klinik wollen und stundenlang nicht durchgelassen werden, ausüben, ist einfach unmenschlich. Und das ist nur das, was mir spontan so einfällt zu dem Thema.
Und andererseits: Ehrlich gesagt, bin ich unglaublich froh, dass die Habsburger u. ich weiß nicht wer noch alles im 17. Jahrhundert ihren Job gut gemacht u. die Osmanen vor Wien geschlagen haben!! Ich bin sehr dankbar, dass ich als Frau hier mein Mund aufmachen, wählen, demonstrieren, mich scheiden lassen, aus der Kirche austreten und arbeiten kann, wenn ich will!!
Was mir noch dazu einfällt: Ich war in den 80er Jahren in der Friedensbewegung sehr aktiv, und damals hat sich meine Wut auch vor allem auf die USA und die damalige deutsche Regierung konzentriert. Weil ich an der Haltung der Sowjetunion sowieso nichts ändern konnte. Und von den greisen Betonköpfen in Moskau hab ich mir eh nichts erwartet. So ähnlich gehts mir heute mit den Diktaturen im Nahen Osten und anderswo. Diese Regimes verachte und hasse ich total, habe keinen Einfluss auf sie und erwarte keine Humanität von ihnen, weil das zum jetzigen Zeitpunkt illusorisch wäre. Aber Israel gehört meinem Empfinden nach viel eher "zu uns", und deshalb verbalisiere ich wohl meine Wut eher als wenn ein Regime in einem islamisch geprägten Land die Menschenrechte mit Füßen tritt. Ja, irgendwo ist das sehr ungerecht, denn in den islamisch geprägten Ländern ist die Situation noch ärger. Ich denke, es hat es auch damit zu tun, dass ich die Zustände in einem islamisch geprägten Land, in dem Frauen und Mädchen nichts oder kaum was gelten, so furchtbar finde, dass ich mich mit dem ganzen Elend dort nicht auseinander setzen will.
Und ich könnte mir vorstellen, dass ich nicht die einzige bin, die so denkt und fühlt.