Portion Control,
ich kann es dir auf diesem Wege nur unvollkommen erklären, da es sonst Seiten umfassen würde - aber ich versuchs mal.
Ich bin ein Mensch, dem lange Zeit im Leben alles recht leicht fiel.
Als ich einen Ausbildungsabschnitt erreichte, bei dem sich dies änderte, d.h., als ich an meine Leistungsgrenze und auch eine Grenze meiner eigenen Persönlichkeit kam, lernte ich meinen Mann kennen. Er fing mich auf. Er tat mir unendlich gut. Er wirkte stark. Er war in einer Lebensphase, in der er grad einen sehr schweren Schritt überwunden hatte - und viel emotionalen Schwung mitbrachte.
Ich kämpfte mich - mit seiner und der HIlfe anderer Leute, auch mit Hilfe der Psychotherapeutin - durch den letzten Ausbildungsabschnitt - und bestand das Staatsexamen, was ich niemals mehr für möglich gehalten hatte.
Alles schien gut. Wir planten unsere Hochzeit ... dann bekam ich ein Jobangebot in einem anderen Ort. Er sagte: "Nimm das an, ich komme mit!" Ich kannte ihn nicht gut genug, um zu wissen, dass er eigentlich riesengroße Angst vor neuen Schritten hat - und dass er genauso wie bereits vor unserem Kennenlernen wieder ins Schlingern geraten würde. Soll heißen: was er überwunden hatte, war seine Bachelorarbeit - aber es fehlten noch 2 kleine Hausarbeiten. Ich dachte, seine Therapie hat ihm geholfen - und die beiden Arbeiten wären nur noch ein Klacks - so sagte er es auch immer. Er sagte viel - und tat meist das Gegenteil ... das merkte ich aber er, nachdem wir verheiratet waren ... zuvor war er ein völlig anderer Mensch - so schien es mir zumindest.
Also - er hat schon vor unserem Kennenlernen mit sich selbst und dem Studium Probleme gehabt - Angst vor Veränderungen, vor zwischenmenschlichen Problemen ... aber er hat das eben alles sehr, sehr erfolgreich vertuscht - oder ich war zu dumm und blauäugig.
Ich denke, er hat sich tatsächlich gewünscht, dass es funktioniert - mit der Familie. Aber er hat schnell gemerkt, dass er den Anforderungen nicht gewachsen ist, dass er sein Junggesellenleben zu sehr liebt, dass er Angst vorm Arbeiten hat. Angst davor, dass nicht mehr sein Vater seinen Lebensunterhalt bezahlt (er ist übrigens 33), sondern er selbst die Verantwortung übernehmen muss. Und das nicht mal nur für sich selbst, sondern irgendwie auch noch für Frau und Kind.
Ich bin tatsächlich ein starker Mensch ... und ich hab versucht, ihm Zeit zu geben ... hab erstmal die Miete in der gemeinsamen Wohnung allein bezahlt, damit er sich in Ruhe umstellen kann. Aber bei ihm kam keine Veränderung. Immer nur, wenn ich oder die Umstände (Semesterende oder sein Vater z.B.) Druck ausübte, kam so ein klitzekleiner Schritt nach vorn ... aber meist dann auch wieder der Rückzug.
Alle Differenzen, alles Schwere hätten mich nicht umgehaun oder von ihm weggetrieben - aber ich merkte, dass er sich immer nur um sich drehte - und sich daran nichts änderte ... ich ging Schritte auf ihn zu ... und wenn ich meine Bedürfnisse ansprach - dass mir auch mal was zu viel ist, dann wurde er wütend oder ignorierte mich einfach.
Ich hab mich auf seine Worte verlassen. Er hat den Vertrag mit unterschrieben und mich jeden Tag, jede Woche, jeden Monat vertröstet ... er käme schon nach, er bräuchte noch Zeit. Für mich wurde alles immer schwerer ... ich musste sehen, wie ich hochschwanger die gebraucht gekauften Kindersachen (Bett, Wickelkommode ...) in die Wohnung bekomme ... und er war einfach weg. Das hätte ich vielleicht sogar auch noch verkraftet, wenn da wenigstens ein emotionaler ZUsammenhalt gewesen wäre - und er wenigstens verstanden hätte, wie schwer es für mich war - aber er hat es ignoriert. Er hat die Zeit verstreichen lassen - und auch sein Studium nicht weitergemacht ...
Er wohnt in einer kleinen 1-Zimmer-Wohnung und bekommt Geld von seinem Vater dafür. Mit diesem Geld hätte er problemlos seinen Anteil hier zahlen können ... bzw. wenn er wenigstens praktische Hilfe geleistet hätte, hätte ich auch gar nicht so aufs Geld gepocht, sondern gern so sparsam gelebt ... dann hätte ich ja dafür auch etwas bekommen.
Hochzeit und Zusammenzug waren quasi für denselben Monat geplant ... ich hab mich einfach drauf verlassen, was er sagte. Ich habe zuvor niemals einen Menschen kennengelernt, der so wenig zu dem steht, was er sagt - der oftmals sogar genau das Gegenteil tut.
So, nun weißt du so grob, was bei mir los ist.