G
Gelöscht 116947
Gast
Ich habe mein ganzes Leben die Gewalt, die es in meiner Familie gab, klein geredet, sie verharmlost. Für mich war das Normalität und somit auch nie etwas, das ich in Frage gestellt habe. Ich dachte bis heute, dass ich eben einfach nur schüchtern bin und mich deshalb so verhalte, wie ich es tue. Aber ich bin nicht schüchtern, ich unterwerfe mich. So, wie ich es als Kind getan und gelernt habe, um keinen Ärger zu bekommen, der Gewalt aus dem Weg zu gehen. Erst jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen und im Rückblick ergibt so vieles Sinn.
Mein Exfreund war schon damals mehrfach entsetzt darüber, wenn ich mal ganz beiläufig erwähnte, dass es bei uns normal war, mit einem Kochlöffel grün und blau gehauen zu werden und schon die Androhung und das heiss machen dieses Holzlöffels auf der Herdplatte mich in Angst und Schrecken versetzte und mich still werden ließ, ganz unabhängig, ob ich etwas getan habe oder nicht. Meine Mutter machte da keine Unterschiede. Auch konnte meine Mutter Konflikte nur dadurch lösen. Am Ende nutzte mein Ex dies zu seinen Gunsten aus, verhielt sich im Grunde ähnlich und ich wurde wieder still.
Dass ich heute allen Konflikten aus dem Weg gehe, wundert da nicht. Was ich aber schlimm finde ist, dass ich erst jetzt erkenne, wie grausam meine Mutter war, habe ich sie bis zu letzt immer in Schutz genommen und alle Gewalt klein geredet, ja sie sogar völlig verharmlost, weil sie mir leid tat, ich mich schuldig fühlte was ich ihr angetan habe.
Ich konnte nicht nachvollziehen, warum mein Exfreund diese "Erziehungsmethoden" so schlimm fand, mir fehlte dazu irgendwie der Zugang und irgendwie fehlt der auch heute noch. Komisch, oder?
Dass ich im Grunde gar nicht schüchtern bin, zeigt sich insbesondere dann, wenn ich mich in einem Umfeld befinde, indem ich mich sicher fühle. Dann erst gelingt es mir, mich nicht zu unterwerfen. Diese Ambivalenz blieb mir nicht verborgen, aber ich dachte bis heute, dass ich einfach so bin und eben etwas länger brauche, um aufzutauen.
Heute passiert es mir vor allem bei Männern, dass ich mich unterwerfe und still bin. Das liegt mitunter an dem Übergriff, der das natürlich nochmal verstärkt hat. Aber das grundsätzliche Verhaltensmuster ist geschlechterunabhängig. Sobald ich mich unterlegen fühle oder ich mein Gegenüber nicht ausreichend einschätzen kann, seine oder ihre Handlungen nicht ausreichend vorhersehen, gerate ich in dieses Muster.
In meinem letzten Klinik Bericht steht, dass ich mich fast schon pathologisch unterwerfe. Damals konnte ich damit nichts anfangen und war sogar etwas pikiert darüber. Erst jetzt wird mir klar wie das gemeint ist und dass die Ärzte dort absolut recht haben.
Wenn ich ein Gefühl dazu ausdrücken müsste, dann würde ich wohl sagen, dass mich das alles sehr entsetzt, sehr traurig macht und auch irgendwie hilflos, weil ich jetzt vor all diesen "Schuppen" sitze und nicht weiß, wie ich damit weiter verfahren soll. Gedanken, dass es jetzt in meinem Alter ja alles eh keinen Sinn mehr macht dort noch etwas zu verändern, habe ich oft, auch weil die Prognose, die Heilungschance nicht gerade vielversprechend scheint. Es ist wohl eine Art Resignation davor, dass ich das alles nicht früher schon erkannt habe und es jetzt zu spät ist. Auch hätte die frühere Erkenntnis mir wahrscheinlich vieles erspart.
Wie geht man damit jetzt um, dass man es quasi sein ganzes Leben lang falsch gemacht, falsch reagiert und gehandelt hat und dass der Versuch, dies zu ändern so sinnlos scheint, weil es ja eh nicht mehr gut wird?
Das zu akzeptieren, jetzt wo es so aufgefächert vor mir liegt, fällt mir unheimlich schwer, aber das alles jetzt zu betrauern ebenso, denn im Grunde habe ich jetzt ja die Chance es besser zu machen, was mich dann wohl auch - sofern das irgendwie gelingt - auch stärker macht. Dieser Berg vor mir erscheint mir nur irgendwie unbezwingbar.
Mein Exfreund war schon damals mehrfach entsetzt darüber, wenn ich mal ganz beiläufig erwähnte, dass es bei uns normal war, mit einem Kochlöffel grün und blau gehauen zu werden und schon die Androhung und das heiss machen dieses Holzlöffels auf der Herdplatte mich in Angst und Schrecken versetzte und mich still werden ließ, ganz unabhängig, ob ich etwas getan habe oder nicht. Meine Mutter machte da keine Unterschiede. Auch konnte meine Mutter Konflikte nur dadurch lösen. Am Ende nutzte mein Ex dies zu seinen Gunsten aus, verhielt sich im Grunde ähnlich und ich wurde wieder still.
Dass ich heute allen Konflikten aus dem Weg gehe, wundert da nicht. Was ich aber schlimm finde ist, dass ich erst jetzt erkenne, wie grausam meine Mutter war, habe ich sie bis zu letzt immer in Schutz genommen und alle Gewalt klein geredet, ja sie sogar völlig verharmlost, weil sie mir leid tat, ich mich schuldig fühlte was ich ihr angetan habe.
Ich konnte nicht nachvollziehen, warum mein Exfreund diese "Erziehungsmethoden" so schlimm fand, mir fehlte dazu irgendwie der Zugang und irgendwie fehlt der auch heute noch. Komisch, oder?
Dass ich im Grunde gar nicht schüchtern bin, zeigt sich insbesondere dann, wenn ich mich in einem Umfeld befinde, indem ich mich sicher fühle. Dann erst gelingt es mir, mich nicht zu unterwerfen. Diese Ambivalenz blieb mir nicht verborgen, aber ich dachte bis heute, dass ich einfach so bin und eben etwas länger brauche, um aufzutauen.
Heute passiert es mir vor allem bei Männern, dass ich mich unterwerfe und still bin. Das liegt mitunter an dem Übergriff, der das natürlich nochmal verstärkt hat. Aber das grundsätzliche Verhaltensmuster ist geschlechterunabhängig. Sobald ich mich unterlegen fühle oder ich mein Gegenüber nicht ausreichend einschätzen kann, seine oder ihre Handlungen nicht ausreichend vorhersehen, gerate ich in dieses Muster.
In meinem letzten Klinik Bericht steht, dass ich mich fast schon pathologisch unterwerfe. Damals konnte ich damit nichts anfangen und war sogar etwas pikiert darüber. Erst jetzt wird mir klar wie das gemeint ist und dass die Ärzte dort absolut recht haben.
Wenn ich ein Gefühl dazu ausdrücken müsste, dann würde ich wohl sagen, dass mich das alles sehr entsetzt, sehr traurig macht und auch irgendwie hilflos, weil ich jetzt vor all diesen "Schuppen" sitze und nicht weiß, wie ich damit weiter verfahren soll. Gedanken, dass es jetzt in meinem Alter ja alles eh keinen Sinn mehr macht dort noch etwas zu verändern, habe ich oft, auch weil die Prognose, die Heilungschance nicht gerade vielversprechend scheint. Es ist wohl eine Art Resignation davor, dass ich das alles nicht früher schon erkannt habe und es jetzt zu spät ist. Auch hätte die frühere Erkenntnis mir wahrscheinlich vieles erspart.
Wie geht man damit jetzt um, dass man es quasi sein ganzes Leben lang falsch gemacht, falsch reagiert und gehandelt hat und dass der Versuch, dies zu ändern so sinnlos scheint, weil es ja eh nicht mehr gut wird?
Das zu akzeptieren, jetzt wo es so aufgefächert vor mir liegt, fällt mir unheimlich schwer, aber das alles jetzt zu betrauern ebenso, denn im Grunde habe ich jetzt ja die Chance es besser zu machen, was mich dann wohl auch - sofern das irgendwie gelingt - auch stärker macht. Dieser Berg vor mir erscheint mir nur irgendwie unbezwingbar.
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