Ich musste sie nicht entlarven, sie waren immer da.
Viel Schlimmer ist die Enttäuschung über die Menschen, denen ich vertraut habe. Meine Mutter, der ich vertraut habe, dass sie schon recht hat und das richtige tut. Mein Vater, der mich - wenn auch ohne Absicht - im Stich gelassen hat. Mein Chef, für den ich am Ende doch nicht gut genug war, um mir eine Chance nach dem Übergriff zu geben. Der Täter, dem ich seine gemeine Geschichte naiv wie ich war abkaufte und zuletzt mein bester Freund, dem ich vertraut habe, dass ich den Kontakt zu ihm nie bereuen werden muss und der mich, als es drauf ankam, wie eine heiße Kartoffel hat fallen gelassen, mich am Ende wahrscheinlich doch einfach abstoßend fand, mich irgendwie dann wohl doch nur benutzt hat und damit wieder einmal mehr sehr verletzt hat.
All das sind die Dinge, mit denen ich heute nicht zurecht komme. Diese große Enttäuschung über jene Menschen, denen ich trotz allem doch noch vertraut habe. Dass sich da ein Selbsthass einstellt, ist mir wohl nicht zu verdenken. Ich hätte ja klüger sein können und die Dinge vorhersehen können oder einfach gar niemanden so nah an mich heran, dass ich überhaupt enttäuscht oder verletzt hätte werden können. Das ist das allerschlimmste und beschämt mich sehr. Da hilft auch keine Therapie.
Ich habe nie verstanden, warum so viele Menschen in der Therapie oder auch in den vielen Selbsthilfegruppen oder auch Foren so menschenfeindlich sind. Aber jetzt tue ich dies. Und sie tun scheinbar das richtige - sich schützen.
Ganz sicher werde ich in diese Welt keine guten Botschaften mit Playmobil versenden. Ich bin froh, wenn ich diese Tage irgendwie hinter mich bringe.
Ich schreibe aktuell auch mein Plädoyer. Eigentlich wollte ich u.a unbedingt gesagt haben, dass mir der Täter zwar vieles genommen hat - aber gerade nicht meinen Glauben an das Gute im Menschen. Diesen Satz werde ich wohl wieder streichen. Er stimmt einfach nicht. Wie so vieles.