D
DrakeSF
Gast
Bleib bei dem was geht .DrakeSF,
ich versuche es und schreibe die alte Therapeutin nochmal an.
Ich bin froh, wenn ich einfachste Dinge schaffe, da fange ich nicht noch eine neue Sportart an.
der Effekt braucht noch etwas, bis er einsetzt.
Als trauma- und stressbezogene Störung, die häufig mit komorbiden Erkrankungen, wie Depressionen und Angststörungen einhergeht (Kessler et al., 1995), scheint es naheliegend, dass sportliche Aktivität einen positiven Einfluss auf die Symptomatik von PTBS-Patienten nehmen kann. Sportliche Aktivität reduziert krankheitsunabhängig das Stresserleben sowie die körperliche Stressreaktion (Fuchs & Schlicht, 2012). Sothmann, Buckworth, Claytor, Cox, White-Welkley und Dishman (1996) gehen in ihrer Cross-Stressor-Adaptionshypothese davon aus, dass die beiden neurophysiologischen Stresssysteme, die eine Cortisol- oder Noradrenalinausschüttung bewirken, durch sportliche Aktivität aktiviert und somit trainiert werden, sodass es zu einer Adaption dieser beiden Systeme kommt. Diese Adaption bewirkt laut der Cross-Stressor-Adaptionshypothese auch bei einer Aktivierung der beiden Systeme durch andere stressbedingte Auslösefaktoren eine verminderte körperliche Stressreaktion. Betrachtet man die Neurobiologie von PTBS-Patienten, bei denen die Noradrenalinausschüttung deutlich erhöht ist, so scheint es ein vielversprechender Ansatz, diese durch Sport normalisieren zu können. Hinzu kommt, dass Noradrenalin möglicherweise auch als ein Mediator der Amygdalaaktivität gesehen werden kann (van Stegeren et al., 2005). Da die Amygdalaaktivität bei PTBS-Patienten gerade im Rahmen von Intrusionen deutlich erhöht ist, wäre eine Normalisierung der Aktivität durch eine Regulierung des Noradrenalinspiegels denkbar.
Bezüglich des Grundcortisolspiegels ist auffallend, dass dieser bei PTBS-Patienten häufig erniedrigt ist (Ehlert et al., 1999; Resnick et al., 1995; Yehuda et al., 1995), was sich durch eine Überlastung des HPA-Achsensystems erklären lässt (Drexler, 2012). Bei Konfrontation mit traumaassoziierten Reizen reagieren PTBS-Patienten jedoch trotz des erschöpften HPA- Achsensystems und einer hierdurch verminderten Reaktivität des System mit einer verstärkten Cortisolausschüttung, was durch den besonders hohen Stress traumassozierter Reize erklärbar ist (Elzinga et al., 2003). Interventionen durch sportliche Aktivität könnten auch hier von Nutzen sein, da sich möglicherweise einer Erschöpfung des Systems bei frühzeitigem Beginn der Interventionen entgegen wirken lässt und das Ausmaß der Cortsiolausschüttung bei Intrusionen und Konfrontation mit traumaassoziierten Reizen abgedämpft werden könnte.
Dies könnte als weiteren Effekt die cortisolbedingte Abnahme des Hippocampusvolumen (Ohl, Michaelis, Vollmann-Honsdorf, Kirschbaum, & Fuchs, 2000) vermeiden. Bei einer Normalisierung der beiden neurophysiologischen Stresssysteme im Körper ist anzunehmen, dass es zu einer Verbesserung des PTBS-charakteristischen Hyperarousals kommt. Durch eine solche Verbesserung ist davon auszugehen, dass auch körperliche Begleiterscheinungen, wie beispielsweise chronische Schmerzen nachlassen. Bei Untersuchungen von Soldaten mit PTBS zeigte sich, dass etwa 80% dieser unter chronische Schmerzen leiden (Beckham, Braxton, Kudler, Feldman, Lytle, & Palmer, 1997; Shipherd et al., 2007). Durch die Muskelspannung, die durch das ständige Hyperarousal sowie den Stress im Rahmen von Intrusionen erzeugt wird, entstehen vielfach chronische Schmerzen, wodurch das Vermeidungsverhalten der Patienten weiter begünstigt wird (Liedl, Müller, Morina, Karl, Denke, & Knaevelsrud, 2011). Insbesondere die Vermeidung von traumaassoziierten Reizen spielt bei der PTBS eine entscheidende Rolle (Assis et al., 2008; American Psychiatric Association, 2013) und ist häufig recht weitumfassend. So kann es beispielsweise sein, dass die Angst vor einer möglichen Verschlimmerung von Schmerzen durch sportliche Aktivität und ein damit verbundenes Gefühl von Kontrollverlust vermieden wird, da das Gefühl von Kontrollverlust an die traumatische Ausgangssituation erinnert (Liedl et al., 2011). Wie Liedl et al. (2011) zeigten, können sportliche Interventionen einem solchen Kreislauf aus Schmerzen, Angst und Vermeidung entgegen wirken.
Assis et al., (2008) untersuchten in ihrer Studie, wie sich das Verhalten von PTBS-Patienten bezüglich sportlicher Aktivität mit Einsetzen der Erkrankung verändert. Es wurde deutlich, dass die sportliche Aktivität nach dem Beginn der PTBS deutlich zurückging. 52% der Patienten der Stichprobe machten vor Einsetzen der PTBS regelmäßig Sport, wohingegen dies nach Beginn der PTBS nur noch 22% taten. Auffallend war außerdem die Änderung der Art der sportlichen Aktivität. Vor Einsetzen der PTBS machten 24% der Probanden Sport unter Anleitung und betrieben auch Gruppensportarten wie Fußball oder Tanzen. Nach Beginn der PTBS machten nur noch 4% Sport unter Anleitung und betrieben mehr individuelle Sportarten wie Walking. Der Rückgang der sportlichen Aktivität mit Einsetzen der PTBS schien in dieser Untersuchung insbesondere an Motivationsschwierigkeiten zu liegen. Dies ist in Anbetracht der Tatsache, dass die PTBS eine hohe Komorbidität mit Depressionen aufweist und ein diagnostisches Kriterium die Veränderung in Stimmung und Kognition ist (American Psychiatric Association, 2013), jedoch nicht überraschend.
Ein weiterer Aspekt, weshalb sportliche Aktivität bei PTBS-Patienten ein vielversprechender Ansatz zu sein scheint und eine Motivation der Patienten hierfür sinnvoll ist, ist die hohe
Komorbidität mit Depressionen und Angststörungen (Kessler et al., 1995). Sportliche Aktivität bei Depressionen ist gut erforscht und zeigte sich in verschiedenen Studien als stimmungsverbessernd (Daniel, Martin, & Carter, 1992; Martinsen, 1994). Außerdem hat sportliche Aktivität einen vielfach nachgewiesenen positiven Einfluss, um Angst entgegen zu wirken (Petruzzello, Landers, Hatfield, Kubitz, & Salazar, 1991).