Mich interessiert, was dein Psychotherapeut zu deinen Gedanken sagt, die du jetzt hast, nachdem die Hormonbehandlung nicht wie gewünscht verlaufen ist.
Er hat mir natürlich sein Bedauern ausgedrückt, dass sich die gewünschten Veränderungen nicht stattgefunden haben. Daneben wurde z.B. auch mein Brustaufbau schlampig gemacht, weil der Chirurg keine Lust und nur das Geld im Kopf hatte. Eine Freundin meinte, das grenzt an Körperverletzung. Sowas alles trägt ja nicht unbedingt dazu bei, dass man seinen Körper lieb gewinnt, sondern im Gegenteil abstoßend findet. Und das ist bei mir sehr, sehr ausgeprägt. Die Aussage meines Psychologen ist natürlich, dass ich mich damit irgendwie abfinden muss - das ist ja Teil der Weisheitstherapie. Das ist aber ein schwerer, langwieriger Prozess.
Auch Emotionen kann man beeinflussen und zu lernen wie genau man das tut, ist für dich ein möglicher Weg in eine bessere Zukunft.
Scheust du dich vor der Verantwortung dich mit deinen Gefühlen zu befassen?
Nein, im Gegenteil. Aber wie ich oben schrieb - eine Störung (Angst, Panik, Belastungsstörung) ist immer ein Muster, dass sich im Kopf durch normale Reaktionen etabliert und festsetzt. Wenn sich diese Muster - z.B. Reaktion auf Wut auf den Arzt - aber zu oft wiederholen, werden sie chronisch. Bei der Verbiiterungsstörung ist ebenso, dass fundamentale Grundannahmen verletzt werden und das Weltbild des Betroffenen auf den Kopf stellen. Ich war z.B. immer der Auffassung, dass "Fleiß und Hingabe stets mit Erfolg belohnt werden". Das hatte immer gut funktioniert - bis jetzt. Jetzt habe ich gelernt, dass das Leben unfair ist und Leute nur nach Zufallsprinzip Pech oder Glück haben.
Sowas muss man dann natürlich erstmal verinnerlichen. Und es bedarf viel Ausdauer und Geduld solche eingefahrenen Verbitterungsmuster wieder aufzulösen. An Verbitterung leiden mehr Menschen, als man glauben möchte.
Eben. Das kann er nicht. Er kann aber trotzdem glücklich sein.
Es ist jeder anders, reagiert anders - nimmt Gefühle anders war. Es gibt genauso Rollstuhlfahrer, die todunglücklich sind, weil sie nicht mehr laufen können.
Aber du hast bereits mehrere Dinge genannt, die dir Freude bereiten und zum Teil sogar einen Lebensinhalt geben.
Nun scheint das nicht genug zu sein, daher Sisandras Frage: Wie kannst du das ausbauen?
Wenn dann Musik und das tue ich ja. Es war, ist und wird immer mein Lebensexilir sein. Nur ersetzt sowas ja keine funktionierende Sozialgemeinschaft, gar eine Familie oder fehlende Selbstliebe. Meine ganzen Freund haben halt jetzt Kinder und keine Zeit mehr für Konzerte. Das ist ja das Hauptproblem. Ich gehe dann öfter auch allein weg, aber man lernt 40+ nicht so einfach neue Leute kennen - das is alles nicht mehr so, wie damals mit 20. Die haben alle Familie oder Partner und ich bin so die "junggebliebene Träumerin", die ständig die Welt verbessern will. Auf den Rockkonzerten findet man aber immer entspannte Leute ... aber das mache ich ja auch nur alle paar jubel Wochen und dann weiß man auch nicht, wie die Menschen dich annehmen, es schräg finden ... was auch immer.