Für mich ist Minimalismus zweischneidig.
Es ist ja nun so, dass man Einkommen hat. Irgend ein Einkommen.
Wenn man das Geld zur Sparkasse bringt, verdunstet es durch die Inflation.
Alternativ kann man davon Gegenstände kaufen, deren Wert "mit wächst".
Das heisst, dass man Gegenstände danach aussucht, ob sie später vermutlich für Leute interessant werden und man sie immerhin noch Leuten anbieten kann, die " so viele Brötchen" dafür geben wollen, wie man seinerzeit beim Ankauf gegeben hat.
Somit wäre der Nicht-Minimalismus eine Art der Kapitalanlage, der Minimalismus dagegen nur eine nicht offensichtliche, also verborgene Art der Kapitalanlage, in der man sich arm darstellten möchte.
Ist so etwas unehrlich oder nur dann ehrlich, wenn man den gesparten Überfluss spendet?
Das sehe ich ganz anders, denn Minimalismus beginnt nicht beim Zeug.
Wie viel Geld man erhält, wie viel Zeit man in "Arbeit" investiert, ist ebenso Teil der Minimalismusgedanken.
Vielen geht es aktuell nur um eins von zwei Dingen: erstens) so gut wie kein Zeug hinterlassen, welches andere dann entsorgen müssen, und damit den eigenen Fussabdruck zu minimieren
zweitens) so wenig wie möglich besitzen, um sich damit von anderen abzuheben.
Für mich geht es darum, dass ich kein Teil dieses Konsumismus sein will. Ich will die Ausbeutung und der Zerstörung des Planeten und seiner Bewohner nichr unterstützen. Davon bin ich noch seeeehr weit weg.
Dazu gehört für mich aber auch, nicht Teil dieses Arbeitssystems zu sein, oder nur in dem Rahmen, wie es für ein für mich gutes Leben unbedingt nötig ist. Wieso soll ich 100% arbeiten, wenn mir der Lohn von 50% reicht?
Wieso soll ich mir alle drei Jahre einen neuen TV kaufen, der nach einem Jahr sowieso ausgetauscht werden muss?
All diese Gedanken gehen da für mich rein.
Für mich hat Verzicht nichts mit Entbehrung im negativen Sinn zu tun. Verzicht auf Zeug bedeutet für mich Zeit und Raum für Erinnerungen. Was nützt mir das teuerste Silberbesteck, wenn ich es niemandem zeigen kann? Und wenn ich es habe, muss ich um seine Sicherheit fürchten.
Diesen Kreislauf zu durchbrechen ist mein Minimalismusziel.
Bei den Möbeln aber geht es mir gar nicht darum. Es geht mir nur um den Aspekt, dass ich meinen Körper in diesem Umfeld nicht mehr so nutze, wie er entwickelt wurde, benutzt zu werden. Das führt zu Schmerzen, Fehlhaltungen, etc.