Ich hab die letzten Tage einige Narzismus Tagebücher gelesen bzw. gehört, teils auf Youtube während ich nebenbei was anderes gemacht habe. Ich habe meine Situation so deutlich wiedererkannt.
Verdeckter Narzismus heißt so, weil er oft so schwer zu entdecken ist. Es sind Unmengen von kleinen Dingen, die für sich genommen ok wären. Wie sich vielleicht auch andere mal Verhalten, aber die Summe ergibt das Bild. Ein Bild, welches man aber immer wieder selbstkritisch hinterfragt: Verstehe ich das nur falsch? Bin ich zu streng? Bin ich der Fehler? Erinnere ich mich falsch?
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Eine kleine Geschichte
Ich habe meiner Mutter damals extrem geholfen, als sie ihr Haus verkaufen und das Geld anlegen wollte. Ich habe extra einen Makler besorgt, den ich gut kenne, weil er im Bekanntenkreis einen super Ruf hatte und total nett war. Aber schon die Hinfahrt zum ersten Termin war der pure Horror: 15 Minuten lang nur Gemecker. Die Musik war falsch, ich fuhr angeblich zu schnell – mit 50 auf der Landstraße, weil ja ein Wildtier kommen könnte – und der Makler sei unverschämt, weil er uns um 11 Uhr vormittags bestellt hat.
Beim Termin selbst bin ich vor Scham fast im Boden versunken. Schon im Wartebereich hat sie in Hörweite der Sekretärin laut über deren Nationalität spekuliert und über sie hergezogen. Weil wir zehn Minuten zu früh waren, fing sie nach fünf Minuten an zu wettern, dass sie warten muss. Als wir dann beim Makler saßen, ging es überhaupt nicht ums Haus. Sie hat eine halbe Stunde lang nur über ihr angeblich so schweres Leben gejammert. Der Makler und ich haben verzweifelt versucht, sie irgendwie auf das Thema Immobilie zurückzuholen. Nebenbei hat sie über den Kaffee gelästert, weil es dort nur Dosenmilch gab – das musste sie natürlich noch dreimal erwähnen. Mich hat sie in dem Gespräch zwar direkt gelobt, aber eigentlich nur, um sich selbst aufzuwerten: „Mein Sohn arbeitet bei der Stadt, mein Sohn kennt sich total mit Finanzen aus...“ Alles komplett ohne Bezug zum Termin. Am Ende kannte der Makler unsere ganze Lebensgeschichte, aber die Wohnfläche des Hauses wusste er immer noch nicht.
Der Makler hat sich danach wirklich den Hintern aufgerissen, ein Exposé erstellt und sie zu Hause besucht, wo ich auch wieder dabei war. Aber sie fand sofort neue Haare in der Suppe: Er rede zu laut, habe keine Zeit und die Courtage sei zu hoch – obwohl das die ganz normalen Sätze waren. Sie hat den Vertrag dann zwar unterschrieben, aber nach einem Monat rief mich der Makler völlig aufgelöst an. Meine Mutter hatte ihn weinend angerufen, behauptet, sie könne sich die Provision nicht leisten und wolle doch nicht verkaufen. Der Makler war zum Glück so kulant, dass er gar nichts in Rechnung gestellt hat.
Das Absurde ist: Auf exakt dieselbe Weise hat sie danach noch vier weitere Makler verschlissen! Erst Nummer sechs hat das Haus schließlich verkauft. Warum? Weil er ihr extrem viel Honig ums Maul geschmiert hat. Er hat sich komplett für sie aufgerieben, hat ihr parallel beim Umzug geholfen, ist mit ihr ins Möbelhaus gefahren, hat Möbel ausgesucht und sie in der neuen Wohnung aufgebaut. Erst durch diese extreme Sonderbehandlung war sie zufrieden.
Auch danach habe ich ihr noch bei allem Möglichen geholfen – von der Geldanlage bis hin zum Einrichten von Router und Fernseher.
Und was ist heute ihre Version der Geschichte? Sie behauptet felsenfest, ich hätte ihr überhaupt nicht geholfen. Mein Makler sei unmöglich gewesen und sie habe das alles ganz alleine durchstehen müssen. Das schmierte sie mir auch Monate später immer wieder aufs Brot. Das Verrückte ist: Sie vergisst „zufällig“ alles, was ich für sie getan habe, aber an die Hautfarbe der Sekretärin beim ersten Makler kann sie sich heute noch bis ins kleinste Detail erinnern.
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Warum diese Geschichte das Narzisstische unterstreicht
- Der Kontrast zwischen Wirklichkeit und Wahrnehmung: Egal wie viel man hilft, durch "gezieltes Vergessen" (Gaslighting) wird es verdreht und sie stellt sich als Heldin hin
- Die Sucht nach dem "perfekten" Diener: An Makler Nummer sechs sieht man perfekt, dass es ihr nie um professionelle Arbeit ging, sondern um maximale emotionale Zufuhr und Unterwerfung. Erst als jemand seine beruflichen Grenzen komplett aufgegeben hat, fühlte sie sich ausreichend gewürdigt.
- Das "MEIN Sohn"-Phänomen: Es wird klar, dass ihr Lob an mich im Büro reines Namedropping war. Ich war in dem Moment kein eigenständiger Mensch, den sie schätzt, sondern ein Accessoire, mit dem sie vor dem Makler angeben konnte.
- Das schwere Leben: Allen Beteiligten gegenüber hat sie immer wieder ihr angeblich "schweres Leben" geschildert. Dieses „schwere Leben“ ist ihr Identitätskern. Sie will gar keine Lösungen für ihre Probleme (deshalb hat sie wahrscheinlich auch die ersten fünf Makler verschlissen, die das Ganze rein geschäftlich und lösungsorientiert angehen wollten). Sie will das Problem behalten, weil das Problem ihr die Aufmerksamkeit sichert. Sie will im Grunde nur emotionales Futter - jemand, der ihr sagt wie schwer sie es hat, jemand der ihr Ego pusht.
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Gleichzeitig sind solche Erkenntnis für mich Gold wert, weil ich dadurch erkannt habe, dass ein sachlicher Umgang mit meiner Mutter sinnlos ist.
Und ich interessiere sie auch nicht aufrichtig. Sie freut sich wenn ich beruflich Erfolg habe, ja. Dann hört sie auch zu. Und später erzählt sie Dritten, wie erfolgreich IHR Sohn ist.
Aber wenn ich über ein Hobby erzähle, driftet ihre Aufmerksamkeit ab. Sie schlürft laut Kaffee in den Hörer, die Verbindung reißt ab oder sie unterbricht mich mit ihren Themen.
Meine Mutter benutzt Lovebombing, Gaslighting bis hin zu Suiziddrohungen. Aus den Tagebüchern Anderer weiß ich wie schwer sich auch Andere mit solchen Menschen tun. Es ist ein schleichendes Gift, von dem man stets denkt, dass es nicht soooo schlimm sei. Aber auf gewisse Weise ist es das schlimmste Gift, da man es nicht ändern kann. Ein Narzist ist für dich im Grunde tot.
Eine Narzist will sein Ego gestreichelt haben, mehr nicht. Und das verhindert jede ehrlich, tiefere emotionale Beziehung zu so einem Menschen.