Derzeit ist der für mich richtige Weg die Distanz.
Dazu ist aber erst einmal die
innere Distanz nötig.
In einem so engen Verhältnis wie zwischen Eltern und Kind kommt es zwangsläufig zu Verletzungen. Und nach meiner Beobachtung passiert es meist im Jugendalter, wenn das Kind ein erstes Bild davon hat, wer es als Mensch sein möchte, dass es zur Auseinandersetzung zwischen Eltern und Kind kommt. Und da lösen sich die Verletzungen auf, wenn die Eltern in der Lage sind, das Kind wahrzunehmen und die Verantwortung für die Fehler zu übernehmen, sich zu entschuldigen.
Wenn das nicht passiert, bleibt das Bedürfnis nach Anerkennung, danach gesehen zu werden, wahrgemnommen zu werden.
Mir ist irgendwann klar geworden, mein Vater hat sein Bestes getan. Das war nicht mal im Ansatz genug und mehr schädlich als irgendwo gut, aber es war eben sein Bestes und ich habe dort nicht mehr zu erwarten. Er kann mich nicht wahrnehmen. Er kann mir nicht das geben, was ich brauche, sonst hätte er es schon in der Kindheit getan. Und er gehört nicht zu den Menschen, die entwicklungsfähig sind.
Darüber kann ich weinen oder es akzeptieren. -Das war der Punkt, an dem ich meine innere Distanz gefunden habe und damit auch meine innere Freiheit.
Du schreibst von einer Mutter, von der Du keine Geschenke bekommen hast, die Dich in der Badewanne vergessen hat, die Dich als Baby durch unangemessenes Verhalten geweckt hat. Das ist das Kind, das seine Verletzung und seinen Unglauben nach außen trägt.
Natürlich weine ich auch um all die Liebe, die ich nicht bekommen habe, aber ich bin nicht mehr dieses Kind. Ich kann mir diese Liebe selbst geben. Und das ist für mich erwachsen sein, diese Ansprüche an die Eltern an sich selbst stellen können und für sich selbst sorgen zu können. So wie Du schreibst, hängst Du noch sehr in diesem Schmerz fest, der ja nichts anderes ist als ein massiver Mangel. Und das ist sehr schmerzhaft. So wie hier schon geschrieben wurde, ich denke auch, das arbeitet man am besten in der Therapie auf. Sonst geht man allein durch die Hölle.
Deine Mutter ist der Mensch, der sie ist. Sie wird sich nicht ändern. Was Du von ihr schreibst, ist ein typsiches Vermeidungsverhalten, eine typische Flucht. Das, was ihr gemeinsam habt, ist ein großer Schmerz. Woher auch immer der Schmerz bei ihr rührt, das spielt keine Rolle, aber wenn Du ihn sehen und akzeptieren kannst, kannst Du auch die innere Distanz finden. Dann kann sie von der Mutter zu einem Menschen werden, der gescheitert ist. Dann steht der Anspruch an sie nicht mehr im Mittelpunkt.