Früher hätte ich Menschen nicht verstanden, die solche Probleme in der Familie haben. Ich hätte gesagt "brecht doch einfach den Kontakt ab" oder schränkt ihn zumindest ein. Das habt ihr mir ja teils auch empfohlen.
Ich glaube das richtige Maß an Abstand fällt mir aber schwer, weil meine Mutter im ihrem Leben durchaus gelernt hat, wie man Nähe emotional erzwingt.
Als meine Großmutter noch lebte, hat meine Mutter täglich gegen 21 Uhr angerufen und meine Oma saß dann teils 1-2 Stunden am Telefon und hörte meiner Mutter zu. Meist sagte meine Oma nur wenig oder nur ab und zu "ja". Als kleines Kind fand ich das lustig. Auch bei Besuchen von meiner Mutter habe ich mir als kleines Kind wenig gedacht wenn meine Mutter mit Suizid drohte, rumschrie oder meine Oma als emotionalen Mülleimer benutzte. Als ich älter wurde, habe ich dann angefangen meine Oma zu verteidigen wenn meine Mutter wieder mal rumschrie.
Dieser ständige Druck durch Drohungen, Tränen, Schreien..... das massive Einfordern von Akzeptanz, Lob und Selbstbestätigung ist für nahestehende Personen belastend aber auch schwierig im Umgang, weil der Mensch einem ja zu verstehen gibt, dass man selber der Böse ist.
Und das lässt meine Mutter mich ja ständig spüren.
Auch wenn sie sich an manche Regeln hält, lässt sie mich in jedem dritten Satz spüren, dass ich böse bin und baut Druck auf. Sie formuliert Sätze wie
- "Ich würde ja gerne über Thema XY reden, aber ich weiß ja dass ich das bei dir nicht darf."
- "Komisch, alle anderen Menschen haben damit kein Problem
- "Bei dir muss ich ja immer aufpassen was ich sage"
- "Jemand anderes würde mich verstehen"
- "ist ja nicht jeder so kaltherzig wie du"
- "wenn du nicht wärst, könnte ich mich da direkt umbringen"