Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Frusttagebuch: Mutter

Ich finde die Perspektiven von euch beiden wichtig und hilfreich @Soley und @Avalona

Heute ist das Problem, dass meine Mutter nach dem Tod meiner Großmutter offenbar gerne in deren Platz als "Mutter" schlüpfen würde.
Lieber Andreas, deine Mutter war eine erwachsenen Frau, auch all die Jahre vorher. Sie hätte sehr wohl vorher die Gelegenheit gehabt, die Beziehung zu Dir enger zu gestalten.
Wenn es einem selber genehm ist, weil man nun alt ist und allein und im Grunde pleite, aufgrund eigenen Unvermögens und eigener Lebensentscheidungen, ja dann ist es sehr vorteilhaft in den "Platz" der Mutter schlüpfen zu wollen. So ein Platz muss sich erworben werden. Man hat ihn nicht nur, weil man geboren hat, und sich dann verabschiedete.
Und das geht durch Bindung und all die vielen Dinge, Liebe, Kämpfe, Auseinandersetzungen, Konfrontationen, ein Verzeihen, Halten, Loslassen, Geben, Anteil nehmen, den Kindern Wurzeln geben und Flügel verleihen, all die Dinge im täglichen Leben, die es bedeuten, einem Kind, oder Kindern, den Weg ins Leben zu bereiten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Meine Mutter hat mich nach der Geburt weg gegeben. Meinen älteren Bruder aber nicht. Der ist wie Du Andreas bei unseren Großeltern aufgewachsen. Und er hat sehr unter den Allüren unserer Mutter gelitten, die nur ab und zu auftauchte.

Ich habe nur einmal im Leben mit dieser Frau telefoniert (als ich schon Teenager war), und sie als merkwürdigen, schwierigen Menschen empfunden.

Unterm Strich habe ich mich weit weniger belastet als mein Bruder erlebt. Es heißt immer, dass Blut dicker als Wasser sei, aber das kann ich so nicht bestätigen, auch wenn ich Deine Gefühle und die von @Soley absolut nachempfinden kann.

Aber Wärme kann man eher in der Geborgenheit von Menschen finden, mit denen man zwar nicht leiblich verwandt ist, die einem aber gut gesonnen sind.

Es muss ja auch nicht immer der komplette Bruch sein, sondern nur gesunde, emanzipierte Distanz.
 
Danke @Soley
Genau das ist aber auch der Punkt: Ich weiß nicht was für mich heilsam wäre.
Ich glaube sowohl ein Kontaktabbruch als auch das Weiterbestehen des Kontaktes ist für mich nicht ideal. Deswegen gehe ich für mich in letzter zeit den Weg einer Kontaktreduzierung ohne vollständigen Abbruch. Das funktioniert für mich ganz ok.

Ich denke dennoch oft über das Thema nach, weil meine Kindheit und Jugend für mich einprägsam und definierend waren. Ich habe selber Probleme damit tiefere Beziehungen zu Menschen einzugehen. Mein Arzt meinte, dass dies auch daraus resultieren kann, dass ich A) von meiner Mutter "abgeschoben" wurde und B) bei meinen Großeltern nicht das typische Beziehungsverhältnis als Vorbild erlebt habe.

Ich habe meine Großeltern geliebt! Und dennoch war es etwas anderes bei seinen Großeltern aufzuwachsen. Wir sind nie in Urlaub gefahren, meine Großeltern haben beide nicht mehr gearbeitet und ich habe mein ganzes Leben lang zwar immer Liebe und Fürsorge erfahren, aber erkämpfen musste ich mir alles selber.

Das fing mit Kleinigkeiten an: Mein Opa konnte nicht mehr gut Auto fahren und war sehr alt. Wenn alle anderen Kinder nachmittags vom Sportunterricht von den Eltern abgeholt wurden, stand ich an der Bushaltestelle. Wenn alle Kinder von ihrem Urlaub erzählten, war ich 6 Wochen Sommerferien zuhause. Ich habe mich immer anders gefühlt.

Und vermutlich habe ich mich auch immer insgeheim gefragt warum mich meine Eltern nicht behalten haben.

Ich glaube ich habe es hier noch nicht erzählt. Als ich ungefähr 8 war, ist meine Mutter erneut ungewollt schwanger geworden und ich saß bei einem Gespräch am Küchentisch dabei. Meine Mutter fragte meine damals fast 70 jährige Oma, was sie tun solle. Und meine Oma sagte, dass meine Mutter das selber entscheiden müsse, aber meine Mutter nicht darauf zählen dürfe, dass meine Oma "das zweite Kind auch noch erzieht". Meine Mutter hat daraufhin das Kind abgetrieben. Später habe ich erfahren, dass ich auch kein gewolltes Kind war und meine Mutter mich vermutlich abgetrieben hätte, wenn meine Oma sich nicht sehr für mich eingesetzt und ihre Unterstützung angeboten hätte.

Ich will ja garnicht, dass mich das beeinflusst. Tut es aber. Vermutlich tickt in mir der Gedanke "Außer meiner Oma wollte und will mich niemand auf der Welt". Und vielleicht tickt in mir deswegen die Angst vor Ablehnung wenn ich mich auf engere Beziehungen einlasse.

Dabei kann ich so offen sagen, dass ich meine Muttern nicht dafür verurteile mich nicht groß gezogen zu haben, aber ich verurteile sie für den Anspruch den sie erhebt. Den Anspruch für nichts verantwortlich zu sein, dass immer Andere Schuld haben und Alle (auch ich) böse und gemein zu ihr seien. Den Anspruch, dass SIE das Opfer sei. Ich hasse ihre narzistische Opferhaltung.
 
Ich habe nur einmal im Leben mit dieser Frau telefoniert (als ich schon Teenager war), und sie als merkwürdigen, schwierigen Menschen empfunden.
Danke für deine Antwort.
So ging es mir mit meinem Vater, den ich auch nur einmal im Leben gesehen habe.

Ich glaube auch mein Vater ist ein schwieriger Mensch aber ich war ihm nie böse. Zum einen hat er anstandslos Kindesunterhalt gezahlt, zum anderen hat er nie Ansprüche erhoben.
Das war zumindest ein sauberer Schnitt, den er vollzogen hat.

Kleine Anekdote am Rand:
Die Unterhaltszahlungen meines Vaters wurden 18 Jahre lang auf einem Konto angespart. Von dem Geld hat meine Mutter dann zu ca. 50% ihr damaliges Haus gekauft.
 
Es muss ja auch nicht immer der komplette Bruch sein, sondern nur gesunde, emanzipierte Distanz.
Gesunde Distanz. Das ist wohl das, was dem "verlassenen" Kind als Erwachsenem gut tun "würde".
Kinder, die einen Mangel erleiden mussten, durch ein emotional nicht verfügbares Elternteil (Das kann sehr wohl auch in der gemeinsamen Familienwohnung, und bei physischer Anwesenheit der Eltern erlebt worden sein.), diesen ehemaligen Kindern fällt diese Abgrenzung sehr schwer. Wir sind Bindungswesen. Doch es gibt Kontakte, die einem nicht gut tun.
In so einem Fall, sozusagen sein Über-Ich an die Leine zu nehmen, und auch Selbstschutzgründen den Kontakt zu reduzieren, halte ich für legitim.
 
Kleine Anekdote am Rand:
Die Unterhaltszahlungen meines Vaters wurden 18 Jahre lang auf einem Konto angespart. Von dem Geld hat meine Mutter dann zu ca. 50% ihr damaliges Haus gekauft.

Das ist mehr als eine "kleine Anekdote", das ist ein Rechtsbruch, denn es ist das Geld, das dir zugestanden hätte!!! Somit hat deine Mutter dich betrogen und nicht dein Vater, zumindest er nicht finanziell.
 
Danke für deine Antwort.
So ging es mir mit meinem Vater, den ich auch nur einmal im Leben gesehen habe.

Ich glaube auch mein Vater ist ein schwieriger Mensch aber ich war ihm nie böse. Zum einen hat er anstandslos Kindesunterhalt gezahlt, zum anderen hat er nie Ansprüche erhoben.
Das war zumindest ein sauberer Schnitt, den er vollzogen hat.

Kleine Anekdote am Rand:
Die Unterhaltszahlungen meines Vaters wurden 18 Jahre lang auf einem Konto angespart. Von dem Geld hat meine Mutter dann zu ca. 50% ihr damaliges Haus gekauft.
Ja, das habe ich gelesen. Ich kenne leider auch einige Geschichten, in denen sich Eltern auf Kosten ihrer Kinder bereichert haben, entweder in dem Schulden in deren Namen gemacht wurden, als die Kinder achtzehn wurden, und nicht die Kraft hatten sich gegen ihre Eltern aufzulehnen.
Eine gute Freundin hat bis zu ihrem dreißigsten Lebensjahr solche Schulden abgetragen.
Oder aber dass Kinder von ihren Eltern emotional erpresst wurden, größere Geldsummen geliehen und nie zurückgezahlt wurden. Was ich von so einem Verhalten halte, dies muss ich sicherlich nicht erklären.

Und eine Anekdote über meine "Mutter" kann ich auch noch beisteuern:
Unsere "Mutter" hat meinen Bruder wohl mal zu Weihnachten besucht, nachdem sie vorher mal wieder sieben Monate mit einem Lover unbekannt abgetaucht war, und niemand wusste ob sie noch lebt oder jemals wieder auftauchen wird.
Da war er noch ein Grundschulkind.
Sie kam also am Heiligabend und schenkte ihm das unpassenste Geschenk, welches man einem Kind schenken kann: Ein neues, sündteures, goldenes Dupont Feuerzeug.
Er stand unterm Tannenbaum und heulte sich die Augen aus dem Kopf, weil er zurecht nichts an dieser Situation einordnen konnte.
 
Zuletzt bearbeitet:

Anzeige (6)

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben