Zum Teil machst Du das Spiel mit. Eigentlich ist sie ja eine Fremde für Dich, auch wenn sie Deine Mutter ist. Trotzdem investierst Du viel Zeit und Mühe, um ihr das Leben zu erleichtern. Wahrscheinlich kannst Du ihre ehrlich gemeinten „Dankeschön“ an einem Finger abzählen.
Du hast ja Recht, ich mache das Spiel mit.
Warum? Vielleicht weil ich unter einem gefühlten gesellschaftlichen Druck stehe, dass man sich mit der Familie nicht entzweien soll oder weil meine Oma das nicht gewollt hätte oder weil ich immer wieder auf meine Mutter reinfalle.
Es geht halt oft normal los. Aktuelles Beispiel:
Im Moment ist sie ja dabei umzuziehen. Kaufvertrag für die neue Wohnung ist unterschrieben.
Nun hat ihr eine Nachbarin der neuen Wohnung im Flur gesagt, dass vor 8(!) Jahren mal einen Rückstau gehabt hatte, der ihre Wohnung überflutet hat.
Ich habe meiner Mutter geraten, den Verkäufer darauf anzusprechen und falls es stimmt, ein Rückstauventil einbauen zu lassen sowie zu prüfen ob die Gebäudeversicherung solche Schäden im Ernstfall trägt.
Nur ging es meiner Mutter nicht um eine Lösung. Darum geht es meiner Mutter nie. Sie sagte mir am Ende des Gespräches sogar wortwörtlich "Ich wollte ja keine Lösung, sondern nur von dir hören, dass ich arm dran bin".
Sie geht so mit jedem Menschen um. Ihren ehemaligen Nachbarn trägt sie es nach, dass er ihr nicht
mehr geholfen hat, schließlich hätte er doch gewusst, dass sie von Hartz 4 lebt.
Alle sollen sie verstehen, sie bemitleiden, ihr helfen und ihr immer wieder sagen wie schlimm sie es doch hat.
Wobei sie das ja selber immer wieder betont, was für "schlimme Erfahrungen sie mit Menschen gemacht hat". Mir fallen da aber wenig schlimme Sachen in ihrem Leben ein. Wobei sie ja alles als "Schicksalsschlag" darstellt. Einmal hat sie sich auf Ebay ein Meerschweinchen geholt. Das stellte sich aber als schwanger heraus und nun hat sie 7 Meerschweinchen (plus die anderen bereits vorhandenen Tiere). Ein schreckliches Schicksal! Ich sage es euch! ....
Die Taktik dahinter schon klar: Emotionale Nähe erzwingen indem man sich als Opfer darstellt. Das Kind, welches wegen eines blauen Fleckens weint, nicht weil die Schmerzen so groß sind, sondern weil es von der Mamma in den Arm genommen werden will.
Nur hätte meiner Mutter halt irgendwann im Leben mal merken müssen, dass sie kein kleines Kind mehr ist und erst Recht nicht mich als ihre Mamma zu missbrauchen.