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Frusttagebuch: Mutter

Hoffentlich steht sie nicht irgendwann mit einem Koffer vor deiner Tür und bittet um Obdach, weil ... was sie dann halt so sagen wird.
Bereite dich irgendwie auf diese Möglichkeit vor.
Eigentlich deutet sie das ja schon an. Sie hat unzählige Male betont, wie praktisch es wäre wenn sie bei im Haus wohnen würde. "Wir" würden so viel Geld sparen und ich würde garnicht merken, dass sie da ist.
Tatsächlich hat sie aktuell Angst "auf der Straße" zu sitzen, wie sie sagt, wenn sie A) den Verkauf des Hauses nicht rückgängig machen kann und gleichzeitig B) die neue Wohnung nicht mehr will.

Sie spricht wie gesagt jetzt erstmal mit einem Anwalt.

Das ist jetzt der dritte Makler, mit dem sie Streit hat. Sie könnte diesmal allerdings sogar im Recht sein, wenn ihr hier eine Hochwassergefahr verschwiegen wurde. Könnte aber juristisch schwer werden. Der letzte Schaden in dieser Wohnung Jahre her und inzwischen wurde vor dem Haus eine Grundstücksentwässerungsanlage gebaut, so dass es fraglich ist, wie groß die Gefahr überhaupt noch ist. Kann man deswegen von einen Kaufvertrag zurücktreten?

Selbst wenn sie vom Kauf zurücktreten kann, ist der Verkauf ihres Hauses aber davon losgelöst. Sie bräuchte also eine andere Wohnung wohin sie ziehen kann.
Diese Leid klagte sie mir jetzt mehrfach und sie hätte sich schon nach anderen Wohnungen umgesehen. Das Leid ist allerdings so "groß", dass eine alternative Wohnung unbedingt im selben Ort sein muss, unbedingt 80m² groß und im Erdgeschoss sein muss etc.

Ich bin wie gesagt froh, dass ich mich da rausgehalten habe. Es ist ein Fass ohne Boden. Erst hätte ich ihr den Notar bezahlt, dann bei der Sanierung der neuen Wohnung geholfen, dann hätte ich ihren Anwalt bezahlt und dann geht das Spiel mit einer anderen Wohnung von neuem los....

Nicht falsch verstehen: Wenn ich meine Mutter nicht so gut kennen würde, würde ich vielleicht erstmal sagen "ja das ist schlimm wenn wir beim Wohnungskauf etwas verschwiegen wurde"
Aber meine Mutter manöveriert sich halt immer in solche Lagen rein. Es musste unbedingt eine seeeehr günstige und große Altbauwohnung sein. Die Wohnung stand fast ein Jahr leer und der Makler hat meiner Mutter den Hintern hinterhergetragen und die ganze Sanierung vorfinanziert damit sie den Kaufvertrag unterschreibt. Und oh Wunder, die Wohnung hat einen Haken!

So handelt meine Mutter immer. Sie hat mich auch nicht bewusst an meine Oma abgegeben, sondern einfach nur den billigsten und bequemsten Weg gesucht. Es war angenehm für sie, wieder zurück ins Elternhaus zu ziehen und mich von meinen Großeltern pflegen lassen. So konnte sie wieder ausgehen und ihr Leben leben. Und oh Wunder, irgendwann das ganze hatte einen Haken! Nämlich dass irgendwann ein gefühltes Mutter-Sohn Verhältnis zwischen meiner Großmutter und mir entstand.

Wenn man Dinge laufen lässt, wenn man Risiken eingeht, wenn alles knapp auf knapp näht, wenn man Andere über sein Leben bestimmen lässt, wenn man sich nicht verhält wie ein verantwortungsbewusster erwachsener Mensch, dann kommt sowas raus, immer wieder!

Und ich bin nicht die Mutter meiner Mutter. Sie wird nicht bei mit einziehen, selbst wenn sie mit Koffern weinend vor der Tür steht.
 
Nachdem meine Mutter nun aus ihrem Haus zeitnah raus muss und nicht in ihre neue Eigentumswohnung will (aufgrund möglicher Wasserschäden bei Starkregen), hat sie sich eine Mietwohnung gesucht.
Es ist eine Art Seniorenwohnung, kein betreutes Wohnen aber eine alles altersgerecht gebaut und direkt daneben ist ein Seniorenheim und sie darf dort auch essen gehen und in Gemeinschaftsräumen sich mit Anderen treffen.
Klingt an sich gut und meine Mutter mit nun 66 Jahren ist halt jetzt auch im Seniorenalter angekommen.

Problematisch könnte noch die Miete sein, die beträgt mit allem drum und dran 1.000 €. Das ist schon deutlich über ihren Verhältnissen. Sie war nun über 20 Jahre Hartz 4 Empfängerin und bekommt jetzt auch nur 600 € wovon auch nochmal was weg geht. Aber gut, sie kann den Erlös ihres Hauses halt "aufessen". Hat meine Großmutter schon damals gesagt.

Im Grunde ist eine seniorengerechte Mietwohnung für meine sehr unselbstständige Mutter genau das richtige.

Trotzdem ist sie natürlich nur am meckern. Mal ist der Parkplatz 5 Meter zu weit weg, mal piept der Rauchmelder zu laut, mal hätte sie lieber eine 70 statt eine 50 Liter Mülltonne. Es sind natürlich lächerliche Kleinigkeiten aber sie steigert sich in alle diese Dinge so rein, dass sie am Ende ihr Lieblingssatz "Das ist alles zu viel für mich, am liebsten möchte ich einfach weg sein" steht. Also wegen sowas wie einer Mülltonne....

Mir ist aber heute bewusst, dass es meiner Mutter nur um moralischen Support geht. Sie will hören, dass sie nie an etwas Schuld hat, dass sie gut gehandelt hat, dass Andere böse sind und vor allem dass sie ein schlimmes Leben hatte und das schrecklichste Schicksal auf der ganzen Welt hat. Und natürlich führt fast alles auch immer wieder darauf zurück, dass sie es bereut mich nicht groß gezogen zu haben. Sie kommt auch vom Thema "Mülltonne" zum Thema "meiner Kindheit".

Es ist ermüdend, sinnlos und selbst wenn ich von mir erzähle, vergiftet sie das Gespräch. Neulich habe ich davon erzählt auf der Arbeit viel zu tun zu haben und sie riet mir, mich krank zu melden. Ein andermal, erzählte ich davon dass mein Nachbar mich zum Essen eingeladen hat. Sie weiß nichts von diesem Nachbarn und hat ihn nie gesehen, weiß aber dass er türkisch stämmig ist und hat dann eine Hasstirade über ihn herabregnen lassen.

Meine Mutter ist voller Hass, Selbstzweifeln, ist unfähig Verantwortung zu übernehmen und benutzt mich als emotionale Müllhalde. Nun hat ihre einzige Freundin sie abserviert, mit den Worten "du bist doch bekloppt".

Ich halte mich da wirklich aus allem raus. Meine Mutter hat mich gebeten ihr beim Thema Geldanlage zu helfen. Ich werde mit ihr zu einer Bank gehen aber ich werde den Teufel tun die Anlage für sie zu machen. Sie soll sich gefälligst mit der Bank streiten und nicht mit mir, denn streiten tut sie sich mit jedem. Nachbarn, Freunde, Makler, auch mit keinem Verwandten hat sie mehr Kontakt, weil die alle angeblich böse sind.

Ich denke, die nächsten Wochen wird sie häufiger den Kontakt mit mir suchen, weil sie jetzt umzieht. Soll sie mit einem Umzugsunternehmen machen! Das Geld dafür hat sie. Klar, versucht sie mich wieder ins Boot zu ziehen. Aktuelle Masche ist, dass die Umzugsleute nicht die Schuhe ausziehen würden und meine Mutter sie so nicht in die Wohnung lassen könne. Deswegen "muss" ich ihr helfen. Ne, muss ich nicht und mach ich auch nicht. Ich schlepp nicht ihre Schränke und geh danach zum Orthopäden wegen Rücken.
 
Lass dich von deiner Mutter auf keinen Fall erpressen! Sie wird immer mit neuen Erpressungen nachziehen. Grenz dich klar von ihr ab und denk an dich! Deine Mutter wird nicht an dich denken und nur ihre eigenen, gestörten Interessen verfolgen. Selbstschutz geht vor! Ich spreche da aus Erfahrung!
 
Meine Mutter ist jetzt umgezogen.

Sie hat vor gut einem Monat eine Wohnung gekauft, in die sie dann doch nicht umziehen wolle. Diese Wohnung lässt sie jetzt durch einen Makler verkaufen und ist inzwischen in eine seniorengerechte, topsanierte Wohnung gezogen, die rund 1.000 € Miete kostet.

Ich glaube rund 6 Jahre hat das jetzt gedauert vom Entschluss Umzuziehen bis zur Umsetzung.
6 Jahre, in denen sie mir wöchentlich erzählt hat, dass sie nicht umziehen "kann", "lieber sterben würde" als das Haus zu verlassen usw....
In der Zeit hat sie schätzungsweise zwei Dutzend Makler verschlissen, natürlich nie jemanden bezahlt. Mit einem stand sie kurz vor Gericht.

Ihr jetziger Makler hat ihr praktisch den Hintern hinterhergetragen. Er hat ihr Geld privat vorgestreckt, den Umzug organisiert, Handwerker beschafft, die gekaufte Wohnung für sie saniert, Möbel gekauft und aufgebaut. Meine Mutter selber hat weder einen Kaufvertrag für die eine Wohnung noch einen Mietvertrag für die Andere. Hat alles der Makler.

Nur scheint der Makler nun doch nicht ganz so selbstlos zu sein wie meine Mutter immer behauptete. Er hat alle Sanierungsarbeiten an der Wohnung schwarz machen lassen, "von Kumpels". So kann meine Mutter diese Arbeiten jetzt nicht steuerlich ansetzen und einige Arbeiten waren wohl doch nicht so gut...

Ich erkenne hier das ständig wiederkehrende Muster: Meine Mutter lässt Andere alles machen und ärgert sich dann am Ende wenn sie die Kontrolle verliert und es nicht so gelaufen ist wie sie es sich gewünscht hat.
War ja schon mit mir als Kind so: Sie mich bei meiner Großmutter geparkt, meine Großmutter hat sich Jahre lang um mich gekümmert und dann wunderte sich meine Mutter, dass sie mich sozusagen an meine Oma verloren hatte.

Insofern macht es sich meine Mutter stets einfach: Sie übernimmt fürs nichts die Verantwortung, lässt es immer Andere machen und gibt denen dann die Schuld.

Entsprechend schwierig verlaufen die Gespräche zwischen meiner Mutter und mir. Sie fragt mich nicht normal um Rat, sondern will von mir wissen, was sie tun soll. Und wenn ich ihr nicht helfen kann oder will, reagiert sie eingeschnappt bis passiv aggressiv.

Helfe ich ihr, ist es aber auch nicht besser, weil ich dann automatisch an allem Schuld bin und sie Dinge über die Zeit verdreht. Ich habe vor rund 5 Jahren 150 € für eine Rentenberatung für sie bezahlt und bin mit ihr zu dem Berater gefahren. Auch ihren Rentenantrag habe ich für sie gestellt. Heute behauptet sie, dass ihr ja "niemand bei der Rente geholfen habe".

Ich empfinde alle Gespräche zwischen uns als Streitgespräche. Sie wiederholt teils 10 mal zum gleichen Sachverhalt "Was soll ich tun!?" und zwingt mich total in die Ecke. Ich breche Gespräche meist spätestens nach einer Stunde ab.
 
Meine Mutter ist jetzt umgezogen.

Sie hat vor gut einem Monat eine Wohnung gekauft, in die sie dann doch nicht umziehen wolle. Diese Wohnung lässt sie jetzt durch einen Makler verkaufen und ist inzwischen in eine seniorengerechte, topsanierte Wohnung gezogen, die rund 1.000 € Miete kostet.

Ich glaube rund 6 Jahre hat das jetzt gedauert vom Entschluss Umzuziehen bis zur Umsetzung.
6 Jahre, in denen sie mir wöchentlich erzählt hat, dass sie nicht umziehen "kann", "lieber sterben würde" als das Haus zu verlassen usw....
In der Zeit hat sie schätzungsweise zwei Dutzend Makler verschlissen, natürlich nie jemanden bezahlt. Mit einem stand sie kurz vor Gericht.

Ihr jetziger Makler hat ihr praktisch den Hintern hinterhergetragen. Er hat ihr Geld privat vorgestreckt, den Umzug organisiert, Handwerker beschafft, die gekaufte Wohnung für sie saniert, Möbel gekauft und aufgebaut. Meine Mutter selber hat weder einen Kaufvertrag für die eine Wohnung noch einen Mietvertrag für die Andere. Hat alles der Makler.

Nur scheint der Makler nun doch nicht ganz so selbstlos zu sein wie meine Mutter immer behauptete. Er hat alle Sanierungsarbeiten an der Wohnung schwarz machen lassen, "von Kumpels". So kann meine Mutter diese Arbeiten jetzt nicht steuerlich ansetzen und einige Arbeiten waren wohl doch nicht so gut...

Ich erkenne hier das ständig wiederkehrende Muster: Meine Mutter lässt Andere alles machen und ärgert sich dann am Ende wenn sie die Kontrolle verliert und es nicht so gelaufen ist wie sie es sich gewünscht hat.
War ja schon mit mir als Kind so: Sie mich bei meiner Großmutter geparkt, meine Großmutter hat sich Jahre lang um mich gekümmert und dann wunderte sich meine Mutter, dass sie mich sozusagen an meine Oma verloren hatte.

Insofern macht es sich meine Mutter stets einfach: Sie übernimmt fürs nichts die Verantwortung, lässt es immer Andere machen und gibt denen dann die Schuld.

Entsprechend schwierig verlaufen die Gespräche zwischen meiner Mutter und mir. Sie fragt mich nicht normal um Rat, sondern will von mir wissen, was sie tun soll. Und wenn ich ihr nicht helfen kann oder will, reagiert sie eingeschnappt bis passiv aggressiv.

Helfe ich ihr, ist es aber auch nicht besser, weil ich dann automatisch an allem Schuld bin und sie Dinge über die Zeit verdreht. Ich habe vor rund 5 Jahren 150 € für eine Rentenberatung für sie bezahlt und bin mit ihr zu dem Berater gefahren. Auch ihren Rentenantrag habe ich für sie gestellt. Heute behauptet sie, dass ihr ja "niemand bei der Rente geholfen habe".

Ich empfinde alle Gespräche zwischen uns als Streitgespräche. Sie wiederholt teils 10 mal zum gleichen Sachverhalt "Was soll ich tun!?" und zwingt mich total in die Ecke. Ich breche Gespräche meist spätestens nach einer Stunde ab.

Das brauchst du dir so doch nicht antun?

Wenn sie dich um Rat bittet, dann sag ihr einfach, dass sie alt genug ist, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Wenn ihr Informationen dafür fehlen, dann kann sie sich überlegen, was für welche und du bist dann evtl bereit, ihr zu sagen, wie sie die finden kann.

Sie benutzt dich, um Verantwortung von sich weg zu schieben.

Es ist gut, dass du dich dafür nicht hergeben willst.
 
Das brauchst du dir so doch nicht antun?

Wenn sie dich um Rat bittet, dann sag ihr einfach, dass sie alt genug ist, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Wenn ihr Informationen dafür fehlen, dann kann sie sich überlegen, was für welche und du bist dann evtl bereit, ihr zu sagen, wie sie die finden kann.

Sie benutzt dich, um Verantwortung von sich weg zu schieben.

Es ist gut, dass du dich dafür nicht hergeben willst.
Ja das ist absolut richtig. Sie macht dies konsequent mit jedem Menschen, dem sie begegnet. Meine Großeltern, Nachbarn, Makler, Banker, Verkäufer, mich....

Meine Mutter vermeidet Entscheidungen und such Andere, die die Verantwortung übernehmen. Der Begriff "Schuld" fällt in jedem Gespräch. Meine Großmutter ist Schuld, weil sie meine Mutter falsch erzogen habe, der Makler ist Schuld, weil er sie belogen habe, die Regierung ist Schuld, dass sie nicht genug Rente kriegt, selbst der Nachbar ist Schuld, dass sie aus dem Haus ausziehen musste, weil er ihr nicht finanziell geholfen hat. Sie hatte tatsächlich die Erwartungshaltung, dass der Nachbar ihr monatlich Geld gibt. Warum? Naja weil er ein dickes Auto fährt und offenbar mehr Geld hat als sie. Außerdem könne sie ja sonst an irgendwelche Moslems verkaufen, dann würde der Nachbar sehen, was er an ihr als Nachbarin hatte. (<---Ihre Worte)

Mir ist klar, dass dies Comedy-Qualität hat. Sie sagt offen, dass Nachbarn und andere lockere Bekanntschaften ihr Geld geben sollten, weil es ihr ja auch so schlecht ginge.

Mich bittet sie nachdem ich bestimmt 100 mal nein gesagt habe, inzwischen nicht mehr um Geld. Aber in jedem zweiten Satz bei dem es um Geld gibt, lässt sie sowas fallen wie "du hilfst mir ja nicht" oder "du hättest mir ja kein Geld geliehen".

Natürlich hast du Recht. Sie ist alt genug um eigene Entscheidungen zu treffen. Das sage ich ihr auch. Ich sage ihr immer wieder, dass ich diese oder jene Entscheidung nicht treffen kann oder dass ich es einfach auch nicht weiß. Darauf kommt dann aber nur ein trotziges "ach und das wars jetzt? Soll ich am besten gleich sterben!?"

Durch diese passive Aggressivität werden unsere Gespräche meist in kürzester Zeit toxisch und ich lasse sie meistens nur ne Stunde reden und sage ab und zu mal "hmmm" oder "ja". Irgendwann fragt sie dann meist wie es mir geht, ich antworte "gut" und beende das Gespräch.

Wenn ich meine Mutter treffe, bin ich ab der ersten Sekunde in einer Art "Selbstverteidigungshaltung" und habe das Gefühl aus der Situation fliehen zu wollen.

Das ging mir schon als Kind so. Wenn meine Mutter meine Großeltern und mich besucht hat, saß ich meist eine Weile mit am Tisch und wenn meine Mutter anfing meine Oma anzuschreien, bin ich in mein Zimmer geflüchtet.

Ich gebe dafür nicht allein meiner Mutter die Schuld und ich bin längst alt genug, aber ich habe seit meiner Kindheit eine "Emotionale-Bremse" im Kopf, die mich davon abhält tiefere emotionale Beziehungen einzugehen. Ich habe Angst von Menschen verletzt zu werden, von ihnen angeschrien zu werden oder Schwächen zu offenbaren.
Ich werde deswegen meist als sehr sachlich, durchaus auch intelligent und kompetent eingeschätzt. Dahinter verbirgt sich aber meist sehr viel Arbeit und Vorbereitung. Wenn wir in der Schule Vorträge halten mussten, hatten alle Kinder Karten dabei, von denen sie Stichpunkte abgelesen haben. Ich hatte mein Thema oft über Wochen auswendig gelernt und mich zudem auf alle möglichen Rückfragen vorbereitet.

Auf der Arbeit hatte ich in die mathematische Formel hinter einer Software eingearbeitet. Das war natürlich nicht meine Aufgabe aber ich habe lieber Abends um 23 Uhr noch Formeln geprüft als mich blind auf die Software zu verlassen. Ergebnis war, dass ich einen Formelfehler gefunden habe und diese deutschlandweit im Einsatz befindliche Software überarbeitet werden musste. Ab da galt bei mir im Büro: "Andreas macht immer alles richtig".
Aber das stimmte garnicht. Ich bin nur aus Angst so übergenau. Ich bin auch nicht schlau, ich bin nur vorbereitet.
Mir wurde aber klar: So kann man keine menschlichen Beziehungen führen. Andere Menschen kann ich nicht kontrollieren wie eine Formel. Ich kann mich deswegen nie auf sie verlassen und fühle mich in sozialen Interaktionen generell "in Gefahr".

Sollte meine Mutter irgendwann nicht mehr da sein, glaube ich, dass dies tatsächlich eine Erlösung für mich ist, auch wenn dies böse klingt. Wenn ich nicht das getan habe was sie wollte, hat sie mir so oft gesagt, dass sie am liebsten sterben würde oder mir vorgeworfen, dass ich will, dass sie stirbt. Ich wollte meiner Mutter nie etwas böses. Ich wollte immer nur, dass sie mich in Ruhe lässt.

Meine Großmutter war meine Mutter. Und als meine Großmutter starb war mit der erste Satz von meiner Mutter "Jetzt wie die Oma nicht mehr da ist, wird es zwischen uns vielleicht besser". Nein Mutter, du hast es nicht verstanden. Es sind nicht immer andere Schuld. An der Nicht-Mutter-Kind-Beziehung zwischen uns bist du mindestens genauso verantwortlich.

Mein Arzt hat mir das damals sehr deutlich gesagt. Ich habe ihm garnicht alles erzählt, aber er rüttelte mich wortwörtlich wach und fragte mich "Wie viel soll ihre Mutter Ihnen noch antun?"

Damals habe ich es nicht wahrhaben wollen, dass das überhaupt einen Einfluss auf mein Leben hatte. Ich wollte meiner Mutter nicht zugestehen, dass sie mich emotional beeinflussen kann. Aber sie kann es auch heute noch. Sie kann es auch heute noch erreichen, dass ich mich 1-2 Tage lang nach einem Gespräch mit ihr schlecht fühle. Dass ich mich ärgere nachdem sie mich wegen einer Belanglosigkeit auf der Arbeit anruft. Dass ich hier im Forum schreibe, weil ich ein Ventil für diesen Frust brauche.
 

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