Genau deshalb würde ich mich (was wahrscheinlich keiner glaubt) mit Porsche und Rolex nicht in dem Sinne "besser" fühlen, weil ich das ganze Getue als oberflächlich sehe. Mir würde es in solcher Gesellschaft genau an diesen Gefühlen, Wärme und Verständnis fehlen. Diese Dinge würde ich sogar über dem Geld anordnen. Abgesehen davon wäre ich mit einem 16-Stunden Job wahrscheinlich ohnehin überfordert.
Jede Medaille hat zwei Seiten. Wenn Du einer dieser Menschen mit dem Porsche wärst, der 16 Stunden am Tag malochen könnte, wärst Du härter und weniger mitfühlend. Eine Welt, in der
alle Menschen so drauf wären, wage ich mir nicht vorzustellen.
Doch Du bist glücklicherweise als tiefsinniger und nachdenklicher Mensch auf die Welt gekommen. Der Nachteil: Du wirst wohl kein neues Unternehmen gründen (brauchen wir das wirklich?).
Der Vorteil: Du leistest einen positiven Beitrag zum Denken und Fühlen der Menschen. Unterschätze ihn bitte nicht. Wer Deine Geschichte kennen lernt, hat die Chance zu erkennen, dass wir unser Leistungsdenken besser gegen Toleranz, Selbst-Reflektion und Mitgefühl austauschen sollten. Nicht
jeder wird diese Lektion in sein Leben integrieren. Aber je länger Du auf dieser Erde sein wirst, desto mehr Menschen kannst Du mit Deiner Geschichte berühren. Es ist natürlich schwer Überzeugungen von heute auf morgen zu ändern. Aber wie sagt man so schön? Man kann einem anderen Menschen einen Stein in den Schuh legen. So dass er anfängt seine Lebenseinstellung zu überdenken. Und irgendwann kommt ein weiterer Mensch ins Leben oder ein Ereignis, was einen weiteren Stein in den Schuh legt. Und so geht es immer weiter...
Ich möchte mich nicht
generell gegen Leistungsdenken aussprechen. Alles hat seinen Platz in unserer Welt. Doch diese extreme Fixierung auf Leistung, die das Denken und Fühlen vieler Menschen derzeit beherrscht, ist absolut out.
Die Gesellschaft fällt auseinander, wenn man immer nur darauf schaut, was man selber und andere darstellen. Kleine Kinder und Tiere sind noch ohne Vorurteile. Doch je älter wir werden, desto mehr entfernen wir uns von unserem Urzustand, der nicht ständig wertete. Und in dem man sich selber nicht andauernd verurteilte.
Darüberhinaus finde ich, dass Du viel leistest. Jemand, der ein großes Unternehmen aufbaut, leistet etwas im Außen. Jemand, der sich jeden Tag mit der Frage herum schlägt, ob er genügt und sein Leben verdient hat, kämpft genauso. Nur findet der Kampf in diesem Fall eben im Inneren statt. Mit solch heftigen inneren Kämpfen jeden Tag überhaupt aus dem Bett aufzustehen kann mehr Energie abverlangen als ein Unternehmen zu gründen und zu expandieren...
Leistung ist Definitionssache.
Es gibt diesen wunderschönen Spruch, der besagt "der, der tut, was er vermag, verdient Achtung." Eine 90 Jährige leistet vermutlich mehr wenn sie drei Kilometer joggt als ein 20-Jähriger, der einen Marathon läuft.
Und jemand mit einem in-sich gekehrten Charakter und keinem allzu hohen Energielevel, der einen normalen 9-5 Job meistert, leistet mitunter mehr als jemand, der 16 Stunden am Tag arbeitet und die Welt verändert, weil er gar nicht anders
kann als dauer-aktiv zu sein. Und welcher Macher oder Actionmensch verändert die Welt
tatsächlich? Vor allem zum Positiven?
Fängt eine Veränderung zum Positiven nicht beim Individuum an und bei seinem Denken und Fühlen? Wie viel Positives bringt ein Mensch in die Welt, der nur in Dimensionen von Leistung und Haben denkt?
Die Selbstdarsteller ziehen die Welt eher runter (wenn auch oft unabsichtlich), weil sie in anderen permanent Vergleiche hervorrufen. So wie leider auch in Dir.
🙁
Wäre das nicht auch mal eine neue Möglichkeit die Welt zu sehen? Wenn Du Dich nicht immer fragen würdest "was gebe ich? Was verdiene ich?" Sondern auch mal "was geben mir die anderen?"
Wieder das Gleiche: will ich es unbedingt oder meine ich es bloß darstellen zu müssen weil es erwartet wird? Meine Eltern/Onkels/Cousins - alles erfolgreiche Menschen mit scheinbar in die Wiege gelegten Zielen und alles bilderbuchmäßig. Nur ich bin ganz einfach und habe dabei noch das (unverschämte) Glück wenig für meine Vorteile getan haben zu müssen.
Ist das nicht bei uns allen so? Wir alle haben genug zu essen und ein Dach über dem Kopf, etwas wofür Menschen in anderen Ländern oft schwer arbeiten müssen. Das, was von Bewohnern anderer Länder teilweise übermenschliche Anstrengungen abverlangt, wird uns im Westen sozusagen in die Wiege gelegt.
Oder Freiheit. Es gibt so viele Menschen, die dafür gekämpft haben und sogar gestorben sind für dieses Ziel. Und wir nehmen unsere Freiheit als etwas Selbstverständliches hin.
Kaum einer fühlt sich schuldig dafür, dass er einen gefüllten Kühlschrank hat, manchmal ins Kino gehen kann und ein freier Mensch ist, auch wenn das nicht alles auf dem eigenen Mist gewachsen ist. Der eigene Job vielleicht noch. Zum Teil. Auch dafür braucht man Glück und Gesundheit. Doch wer würde sich schon schuldig fühlen, weil ihm Gesundheit in die Wiege gelegt wurde?
Woher kommt nur dieser Glaube, dass man für Glück etwas Besonderes leisten müsse? Als Kleinkinder sind wir alle glücklich, so wie wir sind (natürlich abgesehen von denen, die eine furchtbare Kindheit haben
🙁). Und irgendwann hört man auf, glücklich zu sein und fängt an sich selber in Frage zu stellen. Warum eigentlich?
Ein Kind kann das, was ihm gegeben wird, einfach genießen, ohne zu fragen "verdiene ich das auch?" Warum haben wir Erwachsene diese Fähigkeit verlernt? Doch vielleicht gibt es einen Weg dorthin zurück?
😕🙂
Oft ist es ja so, dass wir Sätze hören wie "strenge Dich an in der Schule, damit später etwas aus Dir wird!" Ist das im Grunde genommen nicht ein total bescheuerter Satz?
Jeder Mensch ist jemand zu jeder Zeit!
Die Kombination aus finanziellem Background und Nachdenklichkeit ermöglicht es Dir, die Werte der Gesellschaft in Frage zu stellen. Dich von diesem ganzen Leistungs-und Statusdenken zu zu lösen und auf Dauer glücklicher zu werden als all die Menschen, die in diesem Denken gefangen sind
Nur wie funkioniert das in einer Welt und vor allem in einem Umfeld das einem stets Wohlstand, Ehrgeizigkeit und Leistung vorlebt?
Dein Umfeld gibt Dir offensichtlich nicht viel. Warum glaubst Du dann, dass Du Deinem Umfeld etwas geben musst, um Deinen Wohlstand zu verdienen? Dass Du Dich vor denen, die Dir nichts oder wenig geben, beweisen musst? All diese Macher denken doch ohnehin fast nur an sich selber. Bertrand Russell sagte mal
"Menschen, die immer daran denken, was andere von ihnen halten, wären sehr überrascht, wenn sie wüßten, wie wenig die anderen über sie nachdenken."
Das denke ich mir oft wenn ich die heutige Arbeitswelt reflektiere, viele Leben nur noch für ihre Karriere und vergessen dabei das Menschliche oder wahre Werte im Leben. Das mit den Leistungsansprüchen ist ein guter Stichpunkt, denn wie du siehst können Menschen die keinen Leistungshammer in sich tragen daran zerbrechen. Ich mache mir Vorwürfe all diese Privilegien zu haben, wo ich doch diesen gesellschaftlichen Vorgaben in keinster Weise gerecht wurde. Keine besonderen Fähigkeiten, kein besonderer Job, nichts groß bewegt, aber trotzdem bevorteilt.
Die Menschen, die glauben nichts zu bewegen, sind oft die, die am meisten bewegen. Es gibt so viele andere, denen der Leistungshammer auch fehlt (wobei Leistung ja wie gesagt Definitionssache ist), und die es tröstet, wenn sie sehen, dass es anderen genauso geht wie ihnen. Klar. Du bist materiell privilegiert. Wärst Du das nicht, würdest Du Deine Leistungsfähigkeit wahrscheinlich weniger in Frage stellen. Für Dich selber wäre das vielleicht schöner. Doch da Dein Leben ist wie es ist, kannst Du andere inspirieren. Und glaube mir: es gibt durchaus Leute, die offen dafür sind.
🙂 Nicht alle. Unsere Gesellschaft ist hart...das ist klar.
Aber es wird immer wieder aufs neue Menschen geben, die vom permanenten Leistungsdruck genug haben. Und denen es hilft, wenn man sie daran erinnert, dass sie nicht selber fehlerhaft sind, sondern unsere Gesellschaft. Und Du kannst dabei helfen, sie daran zu erinnern. Durch Deine eigenen Probleme mit Dir selber ...und später einmal (hoffentlich) durch Deine Selbstakzeptanz. Viele werden über den Besitz, den Du einmal erben wirst, hinweg sehen und stattdessen die Gemeinsamkeiten zwischen Dir und ihnen selber sehen. Und das kann sehr tröstend sein.
Vielleicht pass ich auch nicht so richtig in diese Welt. Vielleicht habe ich auch in Kindsjahren schon zuviel Wohlstand mitbekommen, so dass ich nie gelernt habe wie Knappheit aussieht, und deshalb auch nicht in die Hufe gekommen bin "mehr" aus mir zu machen?
Wie definierst Du mehr?
Ich weiß es nicht. Ich suche mich selbst und weiß nicht so recht wo ich anfangen soll, bin hin- und hergerissen zwischen der Akteptanz meines bisherigen Lebens und dem Frust nicht so recht zu wissen wo man hingehört. Ich stelle vieles in Frage, grüble auch oft über die klassischen Hätte- und wenn Fragen nach. Hätte ich mehr aus mir machen müssen,
Eine der größten Menschen für mich ist meine Oma. Eine alte Frau ohne besonders hohen Status. Ob man für jemand Anderen groß oder klein ist, hängt von der Perspektive des Anderen ab. Deshalb gibt es, wenn man es genau betrachtet, kein weniger oder mehr.
Die Putzfrau, die eher keinen hohen gesellschaftlichen Status hat, bedeutet für ihre Familie vielleicht die Welt. Und der Manager, der jeden Tag endlos schuftet, bedeutet vielleicht niemandem so ganz viel, weil seine Familie und Freunde viel zu wenig von ihm mit bekommen.
Auf dem ersten Blick mag es sein, dass man mehr Respekt verspürt, wenn man hört "der ist Topmanager, Star oder Chefarzt". Doch auf dem zweiten Blick relativiert sich das alles, wenn das eigene Leben anfängt sich mit dem Leben der Putzfrau oder des Arztes zu kreuzen und der andere Mensch einen mit Fürsorge und Zeit, die er schenkt, berührt oder eben nicht. Dann kann auf einmal die Person mit gesellschaftlich kleinem Status ganz groß für einen werden.
🙂
ich verstehe nicht wirklich, warum ein Unternehmer mehr sein soll als ein Angestellter. Oder ein Arzt mehr als eine Putzfrau. In ihrem Kern sind das alles erst einmal nur Menschen. Und jeder dieser Menschen befindet sich auf seiner eigenen, individuellen Reise durchs Leben. Ich hoffe, dieses Mehr-Weniger Denken hört irgendwann mal auf. Jeder hat die Anlagen, die er halt eben hat. Aus einem Strauß kann man auch keinen Pinguin machen oder eben umgekehrt. Ist der Strauß nun besser als der Pinguin? Oder ist es anders herum? In der Natur gibt es kein besser oder schlechter. Das gibt es leider nur bei uns Menschen, weil wir der Natur entrückt sind.
hätte ich die Vorteile von vornherein ablehnen und meinen eigenen Weg gehen sollen.
Um Himmels Willen! Du hast in einer Angelegenheit großes Glück gehabt: finanziell! Und nun willst Du es abtreten, weil Du es Dir nicht selber erarbeitet hast? Sollten wir dann nicht auch alle unsere Grundrechte abtreten? Unsere Bewegungs-und Meinungsfreiheit? Denn wer von uns hat schon dafür gekämpft? Und überhaupt: so manch armer Mensch in einem armen Land würde für seine Lebensleistung sicherlich eine schönere Wohnung verdienen als die, die ich tatsächlich habe (nicht, dass meine kleine Wohnung wer-weiß-was wäre...aber verdiene ich nicht eher eine Wellblechhütte? Zum Beispiel im Vergleich zu manch fleißigem und Energie-geladenem Township Bewohner?).
Momentan kann ich mir überhaupt nicht vorstellen was es für ein Gefühl wäre plötzlich viel Geld/Immobilien zu erben und zu wissen dass man das alles selbst nie hätte aufbauen können.
Gesundheit ist ein Geschenk. Geld kann ein Geschenk sein. Freiheit ist ein Geschenk. Frieden und ein relativ gefahrloses Leben sind ein Geschenk, das vielen Menschen in unserer Welt ebenfalls verwährt wird.
Es gibt EIN Geschenk, das Du nicht bekommen hast: ein "Macher-Gen".
Dafür hast Du ein anderes Geschenk bekommen. Finanzieller Wohlstand. Und das ist doch gut so!
🙂
Im Grunde doch crazy
😉: Für das Geschenk, das Du nicht bekommen hast, verurteilst Du Dich. Und über das Geschenk, das Du bekommen hast, zweifelst Du. Weil halt das
andere Geschenk fehlt.
Geschenke annehmen zu können ist eine schöne Gabe.
🙂
Und Geschenke bringen es eben mit sich, dass man nichts dafür getan hat. Sonst wären es ja keine Geschenke.