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Finanziell später abgesichert aber beruflich total versagt. Bin Hin- und Hergerissen

Ich bin nicht stolz. Gar nicht. Ich mache einen Schichtberuf, mit gewisser Verantwortung aber nichts besonderes. Von den Dingen die ich mir erträumt habe habe ich nicht ein einziges realisiert. Ich bin ein Kapitalsklave der auch nicht mehr Mensch aus sich machen konnte als der ganze Rest. Und ohne realistische Chance, mich freizukaufen.

Du bist freigekauft. Zieh Dir bloss nicht unsere Sklavenlogik rein, "Beitrag leisten" und Ehrgeiz und so. Ich sag doch, glotz nicht in die Grube wenn Du in Wirklichkeit weiter bist als das. Guck Dir um Himmels Willen die Welt an und spür Dir selbst nach, dann wirst Du Deinen Beitrag schon finden und erbringen. Aus innerem Antrieb. Nur den musst Du suchen.
 
Stolz und innere Befriedigung, kein Vermögen aber die Zufriedenheit seinen Beitrag geleistet zu haben, ob der jetzt klein oder groß ausfällt.

Stolz? Ja, klar ist schon wichtig. Ich bin auch Stolz auf das, was ich herausholen konnte aus meiner (schlechten) Kindheit. Ich habe studiert, aber riesige Minderwertigkeitskomplexe...ich kenne Professoren, die an Depressionen leiden.

Es tut nicht zur Sache oder zu Deiner Fragestellung trotzdem möchte ich meinen Gedanken nicht unerwähnt lassen.

Du hast Glück gehabt, daß Deine Eltern nicht Druck ausgeübt haben mit einem Studium am besten auf einer Privatuni mit einem Wirtschaftsstudium, was Dir gar nicht gefallen hätte. Ich kann mir gut vorstellen, daß vermögende Eltern oft Druck machen um das Image nach außen zu wahren.

w.
 
Ich kann mir gut vorstellen, daß vermögende Eltern oft Druck machen um das Image nach außen zu wahren.


Genau das habe ich mehrfach in der Verwandschaft erlebt. Meine beiden Cousins z.B. wurden regelrecht dazu getrimmt zu studieren und was darzustellen. Deren Eltern sind aber auch materiell wie menschlich total abgehoben, mit Menschen von niedrigerem "Stand" geben sie sich gar nicht ab, und wehe die Sprösslinge machen keine Karriere.

Darüber schmunzle ich bei obligatorischen Treffen immer nur und bin gleichzeitig traurig wie gierig und gleichgültig sie auftreten. Während meine Eltern die Großeltern gehegt und gepflegt haben verreisten die lieber. Wenns aber dann ums erben ging kamen sie schnell angekrochen.

In den Augen von denen bin ich sowieso der Versager. Nach dem Motto schau dir den an nichts draus geworden bzw. meine Eltern haben in der Erziehung versagt.
 
Wie schätzt ihr denn meine Lage ein, ganz ehrlich? Bin ich ein A****loch der mal ganz tief fallen müsste, ist es okay so wie ich lebe, oder eine Schande nichts Großes erreicht zu haben?
ich bin geschockt darüber, dass Du Dich so siehst.🙁 Aber wie soll man in unserer Gesellschaft auch zufrieden werden, wenn man kein Energiebündel ist? Hier, wo es immer nur um Aktivität, Produktivität und Wachstum geht. Du bist eben nicht als dauer-aktives Erdmännchen geboren worden, sondern eher als durchschnittlich aktiver Mensch. Warum wird Antriebskraft und Aktivität ein so hoher Stellenwert beigemessen? Man kann tun, was man will, sein wie man will....nur eines darf man nicht sein: passiv. Dabei ist es Veranlagungssache, ob man ständig etwas tun muss, Wünschen hinterher jagen will oder diesen Drang eben nicht verspürt. Bereits Kleinkinder sind sehr unterschiedlich: die einen toben herum und brauchen Non-Stop Action. Die anderen sitzen ruhig in der Ecke und werden nicht selten von ihren besorgten Eltern mit dem Verdacht auf irgendeine ominöse Krankheit zum Arzt geschleppt. Aktiv zu sein und Träumen nachzujagen ist das Ideal in unserer Gesellschaft. Passiv zu sein und wunschlos ist verpönt. Doch was soll das alles? Das Problem mit Wünschen ist, dass sie oft Kinder bekommen, wenn sie sich erfüllen. Denn Wünsche sind das Resultat unseres Egos, das niemals zufrieden ist.
Ich bin selber ein Mensch ohne viel Power. Antriebsarm und -darf man dieses Wort sagen? Faul. Wenn man antriebsarm ist, dann überdeckt das aus der Perspektive anderer Menschen oft alle guten Eigenschaften, die man hat.
Andere "Schwächen" darf man haben, aber bloß nicht inaktiv sein. Wenn man nicht den Wunsch verspürt etwas zu tun, ist man kein anständiger, normaler Mensch. Ist diese Einstellung gesund? Ich glaube kaum. Wir sind alle unterschiedlich geboren. Eine Seeanemone wird keine fleißige Biene. Zumindest nicht dauerhaft. Man kann seine Anlagen nicht ändern und warum sollte man? Für den einen ist es eine Qual ständig reden zu müssen, und für den anderen ständig etwas zu tun oder Wünschen hinterher zu jagen.
Wenn ich ehrlich bin, würde ich an Deiner Stelle wahrscheinlich noch nicht mal in einem Angestelltenverhältnis arbeiten. Wozu? Ich würde mich darüber freuen Glück gehabt zu haben mit meiner Herkunft. 🙂
Wo der Sinn des Lebens liegt? Ich denke darin zu lernen Liebe zu geben und anzunehmen. Das fängt mit Selbstliebe an. Besonders schwer wird es einem damit gemacht, wenn die eigenen Anlagen konträr zu den gesellschaftlichen Werten (Dauer-Aktivität, etwas Großes werden, Ehrgeiz) liegen. Doch wenn man es schafft sich trotzdem anzunehmen und nach Innen zu schauen (statt auf Konventionen) kann man wirklich glücklich werden.
Ich hatte lange Zeit Riesenprobleme damit, mich als antriebsarme Person zu akzeptieren. Und ich habe versucht mein wahres Ich durch über-ehrgeizige Karrierpläne zu überspielen und bin ganz heftig auf die Nase gefallen. Mittlerweile geht es mir besser. Aber ich bin auch schon etwas älter als Du.
Ein Mensch, der kaum Ziele und Wünsche hat, stellt sich gegen das System der Mehrheit und kann uns helfen toleranter zu werden. Großherziger. Und über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken, sofern man dazu bereit ist. Und er wird eher selten einen Krieg beginnen, einen Überfall begehen oder andere aufgrund von Profitstreben ausbeuten.
Alles Gute Dir!🙂
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Themba,

danke diese Worte machen mich wieder sehr nachdenklich.

Im Prinzip habe ich auch die Freundschaft zu jemandem einschlafen lassen, weil er genau dieser Typ war. Nonstop Action, immer was tun oder leisten, ständig höher schneller, weiter. Am Ende gab es keine anderen Themen mehr, ich fühlte mich wie in einem Konkurrenzkampf und in seiner Gegenwart unter Druck gesetzt, weil selbstverständlich immer der Vergleich aufkam dass ich nicht so viel erreicht habe wie er.

Aber eigentlich hast du recht, jeder ist so wie er ist. Nicht jeder kann oder will Manager sein oder sich beruflich total stressen. Ich bin wohl irgendwo im Mittelfeld. Gar nichts zu tun könnte ich mir nicht vorstellen. Und es ist ja jetzt auch (noch) nicht so, dass ich jetzt plötzlich so viel Vermögen hab dass ich mir raussuchen könnte ob ich überhaupt noch was tun will. Ich weiß nur dass ich von meinem Naturell eben nicht die Wahnsinns-Energie / Ausdauer habe und auch nicht gerne lerne und nochmals lerne. Ich brauche vermutlich mein überschaubares Aufgabengebiet in dem ich gut bin. Das von dir angesprochene ehrgeizige Überspielen würde bei mir mit Sicherheit auch in die Hose gehen, weil ich dazu einfach nicht der Typ bin. Und dennoch zieht es mich manchmal runter wenn man solche Beispiele sieht, vor allem diejenigen die quasi mit nichts irgendwas erreicht haben, wobei man hier natürlich auch wieder solche sieht die es geschafft haben und die vielen Gescheiterten nicht. Nur bei vielen sieht es immer so lehrbuchmäßig aus, nicht mal wegen dem erreichten Vermögen, sondern sie scheinen einfach mit sich im Reinen und deren Weg optimal gegangen zu sein.

Wie meine Eltern wirklich von mir denken weiß ich nicht, das habe ich aber auch noch nie gefragt. Im Prinzip suche ich den Sinn oder das (wahre) Glück im Leben, die lebenswerte Balance zwischen Arbeit und dem Leben, die innere Zufriedenheit ohne ständig etwas hinterherzujagen was man noch nicht hat oder noch besser machen könnte.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Flo,

es geht nicht um Geld und Arbeit im Leben. Sondern das Leben zu nutzen, um sich zu erleben. Sei das nun im Kontakt mit sich selbst oder anderen.

Es ist gut, daß Du einen Beruf ausübst, der Dir offenbar ganz gut gelingt und von dem Du leben kannst. Das Geld Deiner Eltern hat dich nicht zu einem Lebensstandard verführt, den Du Dir selbst nicht leisten könntest. Das ist auch gut.

Denn was die Zukunft bringt, ist völlig ungewiß. Deine Eltern können Recht haben mit ihrer Vermutung, daß Du einmal viel erben wirst und dich daher nicht anstrengen mußt, um Deine Grundbedüfnisse zu erfüllen. Aber sicher wissen tun sie auch nicht, was die Zukunft bringt. Schwere Krankheiten, lange Pflegebedürftigkeit, können viel Geld kosten. Ich kenne auch jemanden, der dachte viel Geld zu erben, der Vater hat aber in seinen letzten Lebensjahren sein Geld ausgegeben, verschenkt und gespendet. So daß gar nicht mehr so viel da war.

Daher bin ich der Auffassung, daß man seine Grundbedüfnisse möglichst selbst finanzieren können sollte. Ein Beruf als Angestellter ist gut und anständig. Da ist nichts gegen zu sagen.

Bedenklich finde ich jedoch, daß Du deine Wochenenden mit Party und Saufen verbringst. Das paßt nicht unbedingt zu dem ansonsten von Dir vermißten Sinn im Leben. Deine Freizeitbeschäftigung klingt nicht "sinnvoll". Da würde ich ansetzen, um zu einer größeren Lebenszufriedenheit zu finden.

Entweder
Aus der eigenen Kreativität schöpfen, sich so ausdrücken und sich selbst erleben
oder
Sich für andere einsetzen

Du sagst, Du hast eine soziale Ader und emotionale Intlligenz, kannst dich gut in andere hineinversetzen. Außerdem hast Du den zeitlichen und finanziellen Freiraum, weil Du offenbar noch keine Familie gegründet hast, keine Kinder erziehst, auch deine Eltern nicht pflegen mußt und keinem Nebenjob nachgehen mußt, um finanziell über die Runden zu kommen. Was machst Du mit der Kombination von sozialem Talent und Freiraum?

Ich wünsche Dir, daß Du Deine Situation nutzen kannst, ein Gewinn für andere bist und selbst eine große Lebenszufriedenheit und Sinnhaftigkeit deines Lebens erfahren kannst. Viel Freude dabei, deine diesbezüglichen Möglichkeiten zu erkunden.
 
Darüber schmunzle ich bei obligatorischen Treffen immer nur und bin gleichzeitig traurig wie gierig und gleichgültig sie auftreten. Während meine Eltern die Großeltern gehegt und gepflegt haben verreisten die lieber. Wenns aber dann ums erben ging kamen sie schnell angekrochen.
Genau so etwas habe ich auch in der Verwandtschaft meines Freundes erlebt. Alle haben viel Geld und leben dicht beieinander, aber man trifft sich nie oder wenn, geht es nur ums Geld, es wird nie gefragt, wie es so geht. Sie haben sich sogar noch um die Garage (!) gestritten, als seine Großmutter gestorben ist und das ganze Haus wurde vor Gericht auseinander gezerrt, obwohl die alle selbst ein großes Haus haben. Ich finde es also gut, dass du es anders machen und der Gesellschaft vielleicht auch etwas zurückgeben möchtest, denn ohne sie hättet auch ihr nicht so viel Geld. Überleg dir, wofür du dich engagieren möchtest und wer oder was dir am Herzen liegt und dann nimm es einfach in Angriff, sei es soziales Engagement oder eine andere Tätigkeit, denn du hast die Freiheit, es zu machen.
 
Hallo Flo,

beim Lesen deines Threads kommt etwas Unmut in mir auf. Willst du mit mir tauschen?
Ich bin auch ein stinknormaler Angestellter, der von niemand etwas geschenkt bekommt.
Ich muss mich jeden Monat durchschlagen und habe nicht die Möglichkeit mir fürs Alter was zurück-
zulegen. Wahrscheinlich werde ich im Alter arm sein, denn meine Rente reicht nicht für ein
normales Leben.

Wie glücklich kannst du dagegen sein. Zahlst keine Miete und hast auch sonst viele Annehmlichkeiten.
Mußt dir nicht den A**** aufreissen und bist irgendwann ein reicher Mann.
Wenn du dich unzulänglich siehst, warum versuchst du denn nicht auch noch mehr aus deinem
Leben zu machen, z. B. könntest du dich weiterbilden. Du hast das Glück, bei deinem Beruf nicht
nur aufs Geld schauen zu müssen, sondern du könntest wirklich machen, was dir Spass macht.
Aber etwas Mühe kostet das schon. Deinem Vater ist das sicher auch nicht in den Schoss gefallen.
Frage dich mal nach den Gründen, die dich bisher daran gehindert haben, ein selbstbestimmtes Leben
zu führen. Hast du zu wenig Mumm oder ist es einfach Unzulänglichkeit oder Bequemheit.
Was immer der Grund ist, freue Dich, dass es dir besser geht als vielen anderen.

Gruß
 
Hallo Gast,

ich hatte eigentlich schon eher mit Unmutsäußerungen gerechnet, die ich aber niemandem übel nehmen werde.

Weiter oben hatte ich ja schon beschrieben dass mir absolut bewusst ist dass es sehr viele Beispiele wie dich gibt, die wohl ihr Leben lang nichts groß ansparen geschweigedenn aufbauen können.

Die Frage ist haderst du damit ? Wie du siehst räkle ich mich ja nicht in Vorteilen sondern ich bin definitiv nicht glücklich. Mir erginge es ohne diese Vorteile genauso wie dir. Deshalb gehe ich ja auch mit mir ins Gericht und mache mir Vorwürfe.

Du schreibst ich könnte ich alles machen was mir Spaß macht, das ist aber gleichzeitig auch ein Paradoxum. Viele haben ihren Traum und finden ihre Berufung, können es aber finanziell nicht, und ich könnte es vielleicht und mir fehlt aber absolut die Richtung, der Weg....

Gleichzeitig ist mir Konsum im Überfluss gar nicht so wichtig, ich bin kein karrieregeiler Bock, sondern wie schon erwähnt eher sehr menschlich und nachdenklich. Diese Attribute verbeiten im Prinzip sowieso schon die Ellenbogenkarriere. Der Fehler ist wahrscheinlich mich überhaupt unzulänglich zu sehen weil ich meine dieses Idealbild abgeben zu müssen.
 
Jetzt stelle ich mal blöde Fragen - einer meiner leichtesten Übungen 😀

Offen gestanden habe ich nun so gar nicht verstanden, was Dich "nicht glücklich" bzw. "unglücklich" macht.

Dann wollte ich mal frage, woher es kommt, daß Du nicht Dein Leben nicht so "genießen" kannst. Okay, das ist jetzt irgendwie eine Unterstellung von mir oder ich lese es einfach aus Deinen Texten.

Hast Du eigentlich Hobbies, die Dich wirklich interessieren?

Wo ist jetzt eigentlich ganz konkret Dein Problem? Du möchtest "normal" leben und hast Dein Leben auch so eingerichtet. Das Geld im Hintergrund beruhigt bzw. entlasten Dich von echten Existenzängsten (was wirklich viel Wert ist im Leben, denn wer mal wirkliche Existenzängste hatte, der pflichtet mir sicherlich bei).

Das sind Fragen, die Dich nicht schmälern sollen, sondern die interessieren mich einfach und viell. helfen sie Dir ja, Deinem Leben eine Richtung zu geben. Viell. fehlt es an knackigen Lebenszielen, da Du Dich eben in Sicherheit wiegen darfst? (alles nur Fragezeichen, wie Du siehst)

Irritiert Dich das Geld? Viell. "solltest" Du Deiner Meinung nach in einer anderen Rolle sein, bist aber freiwillig in einer anderen und genau das macht Dich "einfach nur kirre im Kopf"?

Wo genau ist das Problem?

Die Erkenntnis, daß Geld weder glücklich noch unglücklich macht, bringt ja auch nciht weiter...

Noch eine Frage:

Deshalb gehe ich ja auch mit mir ins Gericht und mache mir Vorwürfe.

Was bringen Dir Deine Vorwürfe? Wieso machst Du Dir Vorwürfe? Du kannst doch nix dafür, daß Dein Vater Dein Vater ist und Deine Mutter Deine Mutter und die Geld aufzuweisen haben, oder? Wo ist denn Deine Schuld Deiner Meinung nach?

w.
 

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