Was mich allgemein interessieren würde und vielleicht auch hilfreich für den TE wäre:
Wie soll man denn mit Verwandten umgehen, die derart konkurrieren "müssen"? Egal, ob sie sich wegen ihrer beruflichen Position oder wegen ihres Privatlebens aufblähen, ihren Lebensstil für den einzig richtigen halten und Menschen, deren Leben ganz anders verläuft, durch Prahlereien, spitze Bemerkungen oder demonstratives Desinteresse an deren Lebensweg nebst Erfolgen, Neigungen und Begabungen herabsetzen.
Ich habe auch eine Cousine, die Telefonate und Treffen mit Leuten aus der weitläufigeren Verwandtschaft nur dazu nutzt, sich und ihre engsten Angehörigen möglichst toll darzustellen (egal, ob es ums Familienleben, um berufliche Erfolge, Häuser, Urlaubsziele und -häufigkeit oder ehrenamtliches Engagement geht). Man bekommt jedes Mal den Eindruck vermittelt, dass niemand an diese herausragenden Persönlichkeiten heranreicht. Oder aber umgekehrt, wenn dort mal Schicksalsschläge oder schwere Krankheiten vorkommen, schildert sie diese als äußerst dramatisch, so als ab andere so etwas noch nie erlebt hätten. Am Leben ihrer Gesprächspartner zeigt sie dagegen kaum Interesse. Erzählt man ihr etwas "harmlos" Positives von sich (z.B. von einem Hobby oder etwas aus dem Berufsalltag), fühlt sie sich davon offenbar bedroht und sie versucht sofort, einen zu übertrumpfen. Bei Problemberichten dagegen wechselt sie abrupt das Thema, damit will sie sich nicht weiter auseinandersetzen, sobald ihr Klatsch-und-Tratsch- und Sensations-Bedürfnis befriedigt ist. Man könnte ja von ihr Unterstützung durch moralischen Beistand, Zuspruch oder dergleichen erwarten, und genau das ist man ihr nicht wert. Nicht zum Aushalten. Und dann wundert sie sich noch, dass ihre Schwägerin kaum noch zu Besuch kommt. Die ist diese einseitige Art der Gesprächsführung sicher auch schon lange leid.
Sollte man den Kontakt zu solchen egozentrischen Menschen abbrechen, auf ein Minimum reduzieren, sie ebenfalls mit spitzen Bemerkungen traktieren oder einfach mal Tacheles mit ihnen reden? Oder seht ihr noch weitere Möglichkeiten?
@ primavera7
Ich bin da sehr hart geworden. Ich weiß nicht, ob es für dich oder für andere eine Lösung ist, aber ich denke mir einfach, dass man nicht jeden Menschen in sein Leben lassen muss. Das gilt auch für die Verwandtschaft. Blut ist dicker als Wasser? In jedem Fall?
Ich stelle mir einfach immer folgende Fragen:
1. Wäre ich mit diesem Menschen auch befreundet oder in Kontakt, wenn wir nicht miteinander verwandt wären?
2. Würde ich diesen Menschen auch kennen wollen, wenn wir nicht die gleiche Familie hätten?
Kann ich eine oder vielleicht sogar beide Fragen mit einem "Nein" beantworten (natürlich nach gutem Nachdenken und keiner Kurzschlussreaktion), streiche ich dieses Familienmitglied aus meinem Leben. Entweder, ich breche ganz den Kontakt ab, oder ich distanziere mich von dieser Person. Das schließt natürlich nicht aus, dass man sich höflich grüßt, wenn man sich dann mal sieht.
Dazu muss ich aber auch sagen, dass meine Verwandtschaft ein ziemliches Kaliber ist. Ich habe mich früher leider ziemlich verbogen, damit ich von denen gemocht werde und ich habe mir so sehnlichst eine richtige Familie gewünscht, dass ich auch begonnen habe, viele Dinge zu akzeptieren oder schönzureden, was ich später nicht mehr konnte. Es hat mich kaputt gemacht. Seit ich so verfahre und diese Entscheidungen treffe, geht es mir viel besser und ich bin freier. Ich habe ganz andere, bessere Seiten an mir entdeckt. Auch wenn es mich natürlich sehr traurig macht, dass ich eben nicht an Feiertagen mit meiner Familie zu tun habe und ich denen egal bin, so ist der Preis, den ich ansonsten zahlen würde, viel zu hoch.
Ich denke, es ist auch einfach die Angst vor Neuem und der Wahrheit, warum viele sich einiges von der lieben Verwandtschaft bieten lassen. Und, ich habe zumindest für mich beobachtet, weil es "zum guten Ton" gehört, in einer Familie zu sein, weil man einfach eine Familie ist, egal wie die oft drauf sind. Familie ist oft für viele Alltag. Es wird einem auch viel durch die Gesellschaft, Medien und Literatur gezeigt. Zumindest ist so mein Empfinden, was das angeht. Natürlich gibt es auch andere, die sich mit der Zeit distanzieren und auch andere aus ihrem Leben streichen, aber es fühlt sich einfach abwegig an. Manchmal wie ein Tabubruch. Ich sehe auch immer wieder etwas merkwürdige Reaktionen, wenn ich ganz offen zugebe, dass ich an richtiger Familie nur meine Eltern habe und ich an Feiertagen sonst nichts mache. Und es sich für mich besser anfühlt, meine Familie aus dem Leben gestrichen zu haben.
Aber wenn ich sehe, wie viele wunderbare Menschen ihre Energien damit verschwenden, Leute zu sehen, die sie nicht wirklich wollen, die sie krank machen oder verletzen oder verstören, die sie ausbremsen, dann ist das eigentlich trauriger, als einen Cut zu machen. Wir haben im Alltag so viele eigene Probleme, wir haben nur begrenzte Freizeit - muss ich da meine Lebenszeit wirklich mit Leuten verschwenden, die ich nicht mal kennen wollen würde, wenn wir nicht miteinander verwandt wären?
Natürlich ist das mitunter ein sehr drastischer Weg. Und es gibt einen Unterschied, ob mich etwas "nervt" oder ob mich etwas wirklich fertig macht und runterzieht. Man muss unterscheiden, ob die Cousine, der Onkel, die Oma (wer auch immer) nur ein paar schwierige Seiten hat, einfach nicht nachdenkt, oder ob es einfach zu harte Sachen sind, die eine konstante, familiäre Beziehung so gut wie unmöglich machen. Vor allem, wenn keine Einsicht da ist, etwas zu ändern oder einen Kompromiss einzugehen.
Wenn jemand aus der Familie einfach etwas schwierig ist, kann man ja das Gespräch suchen, wenn nicht, muss man für sich entscheiden, wie weit man auf Abstand gehen möchte und kann. Leute, die einen nicht wirklich kennen, sollten einen mit hingeworfenen Bemerkungen wie "Und was machst du?", oder mit ihrer Geltungssucht nicht verletzen können, aber sie tun es oft. Weil Familie dann doch einen gewissen Beigeschmack hat. Oder die Tatsache, dass jemand angeblich besser und "wertvoller" als man selbst ist, egal ob es ein Kollege ist oder ein Bekannter, der sich wichtig macht und erzählt, wie perfekt und überdurchschnittlich alles läuft, während man selbst einige Baustellen hat.
Ich wundere mich aber jetzt doch schon, dass so viele dieses Problem kennen oder haben, obwohl sie selbst ihr Leben gut meistern.
Wie kommt es, dass alle das Gefühl haben, ich gewisser Weise herabgewürdigt zu werden?
Klar, wir hungern alle nach Anerkennung, das ist ein wichtiger Motivator.
Doch nicht alle Bühnen sind für uns persönlich reserviert. Und wir vermögen auch nicht alle anderen Menschen nach unseren Vorstellungen zu ändern.
Die Frage lautet also, warum macht es uns etwas aus, wenn andere in unserem Beisein, gelobt oder hervorgehoben werden?
@ Rhenus
Ich kenne Leute, denen ist Anerkennung nicht (mehr) wichtig, weil sie ihre "Lebenskraft" aus anderen Dingen beziehen. Oder eben glücklich sind, weil sie in ihrem Leben angekommen sind oder die Leute, die ihnen wichtig sind, das geben, was sie brauchen. Ich denke, dass Anerkennung ein tiefes, menschliches Bedürfnis ist. Anerkennung sagt uns "Du bist mehr als nur okay.", oder "Ich sehe dich und finde gut, was du tust.", oder vielleicht sogar "Ich bin ein wenig neidisch auf dich, weil du besser bist als ich."
Es hat viel mit Akzeptanz zu tun und "gesehen-werden", finde ich. Wenn sich jemand über uns stellt oder uns in unserer Person untergräbt, kann es sich vielleicht so anfühlen, als würden wir nicht akzeptiert werden oder gewollt sein. Das kann selbst passieren, wenn man einen guten Freundeskreis hat und mit sich zufrieden ist. Die Meinung der anderen ist dann doch irgendwie wichtig, so funktioniert oft die Gesellschaft. Man muss dann irgendwie für sich eine Grenze ziehen und herausfinden, was einem fehlt, damit man das kittet und es einem nicht mehr so viel ausmacht, was irgendwelche anderen Leute denken, die einem nicht mal besonders wichtig sind. Das ist ein wichtiges, aber auch sehr hartes Ziel.
Ich gebe ganz offen und ehrlich zu, dass es mir mittlerweile sowas von total egal ist, was meine Verwandtschaft über mich denkt, obwohl es noch für wenigen Jahren anders ausgesehen hat und dieser Gedanke total abwegig für mich war. Und trotzdem macht es mir sehr viel aus, wenn ein flüchtiger Bekannter, Kollege oder irgendein anderer Mensch mir das Gefühl gibt, schlechter dazustehen oder komplett in eine andere Richtung zu leben, die die Person nicht gut findet.
Liebe Grüße
Findefuchs