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Familienessen - Dein Cousin wird jetzt in China Projektleiter - und was machst du?

  • Starter*in Starter*in Jonas81iger
  • Datum Start Datum Start
Die Famile meines Cousins (Sprich Bruder meines Vaters) heben total ab, und ich hätte fast nen Wutanfall bekommen, als die Mutter meines Cousins zu mir sagte, schau mal her was dein Cousin für ein toller Hecht ist, der geht ganz alleine nach China irgendwelche hochwichtigen Projekte leiten, und was machst du???

Es kam vorwurfsvoll rüber, nach dem Motto aus mir wäre doch nichts geworden.
Um das klarzustellen: Das Benehmen deiner Tante lässt sehr zu wünschen übrig. Taktloser und plumper ging es wohl nicht. Absolut ungehörig. So etwas würde mir im Traum nicht einfallen. Man ist kein besserer, wertvollerer Mensch, weil man studiert hat und Auslandseinsätze hat. Schon gar nicht bringt man andere Menschen in Verlegenheit und setzt sie herab, ohne dass sie einem einen Anlass dazu gegeben haben. Sollte noch mal so eine Bemerkung kommen, würde ich an deiner Stelle die Tante vor versammelter Mannschaft zur Rede stellen, warum sie das nötig habe. Dann wird sie vielleicht beim nächsten Mal vorsichtiger sein mit ihrer Prahlerei und ihren herablassenden Bemerkungen. Ansonsten würde ich sie einfach links liegen lassen und zur Tagesordnung übergehen.

Man ist allerdings auch nicht automatisch ein besserer Mensch, weil man nicht studiert hat. Das meinen ja auch einige. Und ich kenne auch mehrere Frauen, die irgendwelche Minderwertigkeitskomplexe damit kompensieren müssen, dass sie wichtigtuerisch von den Geschäftsreisen ihrer Ehemänner nach Mexiko, China und Schweden erzählen - die Dienstreisen nach Pusemuckel dagegen, im eigenen Bundesland, mit denen man nicht protzen kann, lassen sie geflissentlich unter den Tisch fallen. Armselig und primitiv ist so etwas. Wer angibt, hat's nötig. 😉
 
Der Beitrag von primavera, also der erste, der gefällt mir sehr gut, vor allem, weil er beide Seiten beleuchtet.
Wobei ich hier viele Gedankengänge nicht nachvollziehen kann, warum man es der Familie des Bruders vom Vater so übel nimmt und rummosert, dass sie angeben, sich darüber definieren oder so ähnlich.

Ich habe im Kollegenkreis eine liebe Kollegin, die hat eine Tochter, die Medizin studiert. Ab und zu wurde sie von den Kollegen gefragt, wie es denn der Tochter so ergehe. Wenn dann erzählt wurde, ja, super Zensuren, sie ist sehr fleißig, macht dies oder das, dann sah man bei manchem so hinter der Stirn, hm, na ja, das Töchterchen wird Frau Doktor und wie es scheint, läufts auch noch gut ... Ich hatte echt manchmal den Eindruck, die anderen würden warten, dass sie mal hören würden, ach, alles Mist, sie kommt nicht klar ... oder so ähnlich. Jetzt, vor kurzem hat sie also ihren Doktor gemacht, da hatte die betreffende Kollegin 2 Tage frei und kam ganz happy wieder. Sie erzählte voller Freude und brachte auch ihren Stolz zum Ausdruck. Und was soll ich Euch erzählen, da kamen doch so hintenrum Sprüche wie ... meine Herren, ist ja gut, Töchterchen ist Frau Doktor, deswegen muss die ja nicht gleich ausflippen ... jetzt wird sie noch überschnappen, weil sie eine Frau Doktor in der Familie hat ... Das fand ich total überzogen. Was soll der Neid und diese Missgunst? Fühlen die sich selber jetzt schlechter, und warum eigentlich? Ich kann das nicht wirklich verstehen. Ich bin zu der Kollegin gegangen und habe ihr gesagt, wie sehr ich mich für sie freue, und dass sie guten Grund hat, stolz auf ihre Tochter zu sein. Ja zum Teufel, warum denn auch nicht? Keiner hat die Kinder der anderen Kollegen/Kolleginnen als schlechter dargestellt.
Dasselbe erlebe ich oft, wenn es bei uns zur Urlaubsplanung kommt. Erst wird immer neugierig gefragt, na, wohin gehts dieses Jahr? Und wenn dann nicht kommt, Nordsee, Bayrischer Wald .. sondern Azoren, Südafrika, Amerika ... dann klappen die Kinnladen runter, und es kommen Spitzen, wie, Deutschland ist Euch wohl zu klein, na ihr müsst ja Geld haben ... Wir brauchen keine Fernreisen, wir haben hier genug zu sehen ... Ja bitte, jeder nach seiner Fasson. Warum kann man nicht einfach sagen, na da habt ihr ja auch ein schönes Ziel, ich würde mich gern mit Dir hinterher zusammensetzen, wir könnten uns gemeinsam Fotos anschauen und Du erzählst mir, was ihr erlebt habt. Nein, das können die wenigsten, da wird sich das Maul zerrissen, ach ja, die müssen ja rumbranzen mit ihren großartigen Reisen, ph, mich interessieren diese Länder gar nicht ...
Warum ist das so? Das ist der Neid der anderen, man glaubt, dem anderen stünde dies nicht zu, und dem ginge es besser ... Da können viele nicht freien Herzens sagen, Du, ich freu mich für Euch ...

Vielleicht sollte man auch mal in die Richtung denken, warum man manches so empfindet ... der Mensch ist schon seltsam ... vermutlich misst er sich immer innerlich mit dem vermeintlich besseren ... und stellt sich selbst auf eine Stufe, die ihn neidisch und missgünstig macht ... Eigentlich schade ...
 
Der Beitrag von primavera, also der erste, der gefällt mir sehr gut, vor allem, weil er beide Seiten beleuchtet.
Danke. 🙂

Wobei ich hier viele Gedankengänge nicht nachvollziehen kann, warum man es der Familie des Bruders vom Vater so übel nimmt und rummosert, dass sie angeben, sich darüber definieren oder so ähnlich.
Ich finde es auch nicht schlimm, dass die Tante des Cousins des TE stolz auf ihren Sohn ist und das auch gegenüber der Verwandtschaft zum Ausdruck bringt. Schlimm und ungehörig finde ich es aber, dass sie es dabei nicht hat bewenden lassen, sondern gleichzeitig den TE mit: "Und was machst du?" nach dem Motto: "Was bist du schon?" herabgesetzt hat.

Ansonsten hast du aber Recht mit der Sache mit dem Neid. Als meine Mutter einer meiner Cousinen von meiner letzten Beförderung erzählte (liegt jetzt auch schon ein paar Jahre zurück 😉), war deren Reaktion nicht etwa: "Herzlichen Glückwunsch" oder wenigstens: "Das ist ja schön", sondern gleich der nächste Satz war, dass ihre Schwiegertochter, eine Grundschullehrerin, auf Lebenszeit verbeamtet worden sei. Sie fühlte sich durch meine Beförderung offenbar so in ihrem Selbstwert getroffen, dass sie nicht mal die Formen der Höflichkeit wahren und gratulieren oder (Mit-)Freude zum Ausdruck bringen konnte.
 
@Jonas81iger:

Mach' Dir keine Birne. Ähnliche Sprüche habe ich auchschon gehört. Einer war z.B.: "So wie Du zu leben...dazu hätte ich keinen Bock."

Gegenfrage von mir war: "Wieso? Wie lebe ich denn?"

Sich selbst zu erhöhen, in dem man andere schlecht macht ist leider in Deutschland eine weit verbreitete Art. Genauso weitverbreitet ist es, daß der Angesprochene dann noch im Sinne des "Anklägers" darauf eingeht.

Ich z.B. bin mit einem Gehalt unter 1000 EUR im Monat unterwegs und mache einen Job, bei dem viele wohl einfach nur die Krise bekommen würden.

Aber durch den Job habe ich unendlich viel an Menschenkenntniss erlangt, besitze den berühmten gesunden Menschenverstand und meine kleine Bude (klein=leichter mal schnell durchzusaugen...hihi) habe ich neulich nach langer Planung sehr platzeffizient und schön hergerichtet, so daß ich mich auf ca. 19 m² wohlfühle.

Meinen Urlaub verbringe ich übrigens des öfteren auf Yachten. Zwar nicht in der Karibik, aber die Nordsee/Ostsee ist ja auch nicht verkehrt...

Freunde habe ich wenige, dafür aber gute.

Ich bin in einem Verein im Vorstand engagiert.

Und allgemein: Ich bin nicht auf den Kopf gefallen, kann reflektieren und kann aus vielen -auch auf den ersten Blick negativen- Dingen etwas machen und besitze genügend Rechenkapazität um Themen zu begreifen anstatt nur an der Oberfläche zu kratzen.

Also: So wie ich möchte jemand anders nicht leben??? Dann tut er mir herzlichst leid.

Tip für Dich: Nimm Dir ein Klemmbrett mit einem A4-Zettel drauf, leg einen Stift darauf und postiere das Ganze griffbereit in Deiner Wohnung. Wann immer Dir dann etwas einfällt, was Du gut kannst schreibst Du das auf. Du wirst sehen: Da kommt einiges zusammen...

Abgesehen davon: Die Wege von Menschen sind sehr unterschiedlich. Jeder hat seinen eigenen Zweck auf dieser Kugel. Für einen selbst ist also nur eine Frage wichtig: "Was habe ich hier zu erledigen?" Alles Andere ist eher uninteressant, insbesondere sich zu vergleichen, denn wie willst Du zwei Menschen und damit zwei unterschiedliche Leben miteinander vergleichen? Wie sie bewerten? Wie feststellen, wer mehr erreicht hat und wie definieren, was eigentlich "erreichen" bedeutet???

ALso: Mach' Dir keine Birne. Lebe Dein Leben nach Deinen Bedürfnissen. Dazu gehört auch das Bedürfniss sich Negativität nicht im Übermaße auszusetzen. Heißt: Wenn Du keine Lust auf die Art bestimmter Leute hast, dann setz' Dich nicht mit ihnen an einen Tisch! (Und ja: Auch das ist vollkommen OK und wertet DIch nciht ab!)
 
Ähnliche Sprüche habe ich auchschon gehört. Einer war z.B.: "So wie Du zu leben...dazu hätte ich keinen Bock."
Eine zu neidischen Anwandungen neigende (inzwischen verstorbene) Tante, deren Tochter kein Abi und kein Studium hat und deren beruflicher Ehrgeiz sich seit jeher in Grenzen hielt, meinte auch mal zu mir, sie wolle mit mir nicht tauschen - Vollzeit in einem anspruchsvollen Beruf, (damals noch) rund 70 km Hin- und Rückfahrt täglich mit dem Auto... Dabei hatte ich mit meinem Beruf gar nicht angegeben; es reichte denen schon, Berufsbezeichnung, Arbeitgeber und Rahmenbedingungen zu kennen.

Am liebsten hätte ich geantwortet: "Ich möchte mit dir auch nicht tauschen", habe es aber um des lieben Friedens Willen gelassen. Warum kann nicht jeder nach seiner Facon selig werden? Ich habe meine Cousine auch nie gefragt, warum sie sich mit ihrem Schulabschluss zufrieden gibt und beruflich nicht mehr aus sich macht. Aber wenn man selbst das Thema bewusst umgeht - neidische Verwandte tun es bestimmt nicht, weil sie sich vor lauter Missgunst nicht beherrschen können.

Freunde habe ich wenige, dafür aber gute.
Ich auch. Ich glaube auch niemandem, der behauptet, viele Freunde zu haben. Das können allenfalls gute Bekannte sein, die sich an einen hängen, solange man im Mainstream mitschwimmen kann. Ist das - aus welchen Gründen auch immer - nicht mehr der Fall, wird man geräuschlos fallen gelassen. Ob man viele oder wenige echte Freunde hat, hängt vom beruflichen Erfolg auch nicht ab.

Was mich allgemein interessieren würde und vielleicht auch hilfreich für den TE wäre:

Wie soll man denn mit Verwandten umgehen, die derart konkurrieren "müssen"? Egal, ob sie sich wegen ihrer beruflichen Position oder wegen ihres Privatlebens aufblähen, ihren Lebensstil für den einzig richtigen halten und Menschen, deren Leben ganz anders verläuft, durch Prahlereien, spitze Bemerkungen oder demonstratives Desinteresse an deren Lebensweg nebst Erfolgen, Neigungen und Begabungen herabsetzen.

Ich habe auch eine Cousine, die Telefonate und Treffen mit Leuten aus der weitläufigeren Verwandtschaft nur dazu nutzt, sich und ihre engsten Angehörigen möglichst toll darzustellen (egal, ob es ums Familienleben, um berufliche Erfolge, Häuser, Urlaubsziele und -häufigkeit oder ehrenamtliches Engagement geht). Man bekommt jedes Mal den Eindruck vermittelt, dass niemand an diese herausragenden Persönlichkeiten heranreicht. Oder aber umgekehrt, wenn dort mal Schicksalsschläge oder schwere Krankheiten vorkommen, schildert sie diese als äußerst dramatisch, so als ab andere so etwas noch nie erlebt hätten. Am Leben ihrer Gesprächspartner zeigt sie dagegen kaum Interesse. Erzählt man ihr etwas "harmlos" Positives von sich (z.B. von einem Hobby oder etwas aus dem Berufsalltag), fühlt sie sich davon offenbar bedroht und sie versucht sofort, einen zu übertrumpfen. Bei Problemberichten dagegen wechselt sie abrupt das Thema, damit will sie sich nicht weiter auseinandersetzen, sobald ihr Klatsch-und-Tratsch- und Sensations-Bedürfnis befriedigt ist. Man könnte ja von ihr Unterstützung durch moralischen Beistand, Zuspruch oder dergleichen erwarten, und genau das ist man ihr nicht wert. Nicht zum Aushalten. Und dann wundert sie sich noch, dass ihre Schwägerin kaum noch zu Besuch kommt. Die ist diese einseitige Art der Gesprächsführung sicher auch schon lange leid.

Sollte man den Kontakt zu solchen egozentrischen Menschen abbrechen, auf ein Minimum reduzieren, sie ebenfalls mit spitzen Bemerkungen traktieren oder einfach mal Tacheles mit ihnen reden? Oder seht ihr noch weitere Möglichkeiten?
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich wundere mich aber jetzt doch schon, dass so viele dieses Problem kennen oder haben, obwohl sie selbst ihr Leben gut meistern.
Wie kommt es, dass alle das Gefühl haben, ich gewisser Weise herabgewürdigt zu werden?

Klar, wir hungern alle nach Anerkennung, das ist ein wichtiger Motivator.
Doch nicht alle Bühnen sind für uns persönlich reserviert. Und wir vermögen auch nicht alle anderen Menschen nach unseren Vorstellungen zu ändern.
Die Frage lautet also, warum macht es uns etwas aus, wenn andere in unserem Beisein, gelobt oder hervorgehoben werden?

Was andere über andere sagen, ist doch so lange unwichtig, wie man an sich selbst glaubt und nicht direkt verglichen wird.
Eine Lüge oder falsche Sicht wird doch nicht deshalb wahr, weil sie gesagt wird, sondern erst, wenn ich sie selbst weitgehend als Wahrheit annehme, akzeptiere oder werte.

Man sollte sich also fragen, welche Hemmung man hat, andere zurechtzuweisen, die einem so plump entgegen treten, wenn sie das im direkten Vergleich zu mir tun.

Dem würde ich mich nicht in der Form stellen, dass ich mich selbst versuche besser darzustellen. Mich also in direkte Konkurrenz oder Vergleich, zu der hervorgehobenen Person begebe, sondern indem ich die Wertevorstellung des Vergleichenden infrage stelle.

Der-diejenige der/die mich also vergleicht und damit indirekt angreift, den/die würde ich damit infrage stellen und damit auch in die Defensive bekommen.
Ich denke, spätestens bei zweimaligem Konter meinerseits, würde die Person verstehen, dass es keinen Sinn macht, mich vorzuführen.

Sobald man sich selbst vertraut, wird man andere überzeugen können, und niemand verändert mich, so lange ich das nicht zulasse...
 
IMan sollte sich also fragen, welche Hemmung man hat, andere zurechtzuweisen, die einem so plump entgegen treten, wenn sie das im direkten Vergleich zu mir tun.
Gewisse Personen scheuen aus einer Mischung von Feigheit und Raffinesse aber den direkten Vergleich, sondern ziehen eher (abwertende) Parallelen zu Personen, die in einer ähnlichen Situation sind wie man selbst. Würde man dann kontern, könnten sie einem entgegenhalten, man selbst sei doch gar nicht gemeint gewesen und sie könnten gar nicht verstehen, weshalb man sich diesen Schuh anziehe.
 
Was mich allgemein interessieren würde und vielleicht auch hilfreich für den TE wäre:

Wie soll man denn mit Verwandten umgehen, die derart konkurrieren "müssen"? Egal, ob sie sich wegen ihrer beruflichen Position oder wegen ihres Privatlebens aufblähen, ihren Lebensstil für den einzig richtigen halten und Menschen, deren Leben ganz anders verläuft, durch Prahlereien, spitze Bemerkungen oder demonstratives Desinteresse an deren Lebensweg nebst Erfolgen, Neigungen und Begabungen herabsetzen.

Ich habe auch eine Cousine, die Telefonate und Treffen mit Leuten aus der weitläufigeren Verwandtschaft nur dazu nutzt, sich und ihre engsten Angehörigen möglichst toll darzustellen (egal, ob es ums Familienleben, um berufliche Erfolge, Häuser, Urlaubsziele und -häufigkeit oder ehrenamtliches Engagement geht). Man bekommt jedes Mal den Eindruck vermittelt, dass niemand an diese herausragenden Persönlichkeiten heranreicht. Oder aber umgekehrt, wenn dort mal Schicksalsschläge oder schwere Krankheiten vorkommen, schildert sie diese als äußerst dramatisch, so als ab andere so etwas noch nie erlebt hätten. Am Leben ihrer Gesprächspartner zeigt sie dagegen kaum Interesse. Erzählt man ihr etwas "harmlos" Positives von sich (z.B. von einem Hobby oder etwas aus dem Berufsalltag), fühlt sie sich davon offenbar bedroht und sie versucht sofort, einen zu übertrumpfen. Bei Problemberichten dagegen wechselt sie abrupt das Thema, damit will sie sich nicht weiter auseinandersetzen, sobald ihr Klatsch-und-Tratsch- und Sensations-Bedürfnis befriedigt ist. Man könnte ja von ihr Unterstützung durch moralischen Beistand, Zuspruch oder dergleichen erwarten, und genau das ist man ihr nicht wert. Nicht zum Aushalten. Und dann wundert sie sich noch, dass ihre Schwägerin kaum noch zu Besuch kommt. Die ist diese einseitige Art der Gesprächsführung sicher auch schon lange leid.

Sollte man den Kontakt zu solchen egozentrischen Menschen abbrechen, auf ein Minimum reduzieren, sie ebenfalls mit spitzen Bemerkungen traktieren oder einfach mal Tacheles mit ihnen reden? Oder seht ihr noch weitere Möglichkeiten?

@ primavera7

Ich bin da sehr hart geworden. Ich weiß nicht, ob es für dich oder für andere eine Lösung ist, aber ich denke mir einfach, dass man nicht jeden Menschen in sein Leben lassen muss. Das gilt auch für die Verwandtschaft. Blut ist dicker als Wasser? In jedem Fall?

Ich stelle mir einfach immer folgende Fragen:

1. Wäre ich mit diesem Menschen auch befreundet oder in Kontakt, wenn wir nicht miteinander verwandt wären?
2. Würde ich diesen Menschen auch kennen wollen, wenn wir nicht die gleiche Familie hätten?

Kann ich eine oder vielleicht sogar beide Fragen mit einem "Nein" beantworten (natürlich nach gutem Nachdenken und keiner Kurzschlussreaktion), streiche ich dieses Familienmitglied aus meinem Leben. Entweder, ich breche ganz den Kontakt ab, oder ich distanziere mich von dieser Person. Das schließt natürlich nicht aus, dass man sich höflich grüßt, wenn man sich dann mal sieht.

Dazu muss ich aber auch sagen, dass meine Verwandtschaft ein ziemliches Kaliber ist. Ich habe mich früher leider ziemlich verbogen, damit ich von denen gemocht werde und ich habe mir so sehnlichst eine richtige Familie gewünscht, dass ich auch begonnen habe, viele Dinge zu akzeptieren oder schönzureden, was ich später nicht mehr konnte. Es hat mich kaputt gemacht. Seit ich so verfahre und diese Entscheidungen treffe, geht es mir viel besser und ich bin freier. Ich habe ganz andere, bessere Seiten an mir entdeckt. Auch wenn es mich natürlich sehr traurig macht, dass ich eben nicht an Feiertagen mit meiner Familie zu tun habe und ich denen egal bin, so ist der Preis, den ich ansonsten zahlen würde, viel zu hoch.

Ich denke, es ist auch einfach die Angst vor Neuem und der Wahrheit, warum viele sich einiges von der lieben Verwandtschaft bieten lassen. Und, ich habe zumindest für mich beobachtet, weil es "zum guten Ton" gehört, in einer Familie zu sein, weil man einfach eine Familie ist, egal wie die oft drauf sind. Familie ist oft für viele Alltag. Es wird einem auch viel durch die Gesellschaft, Medien und Literatur gezeigt. Zumindest ist so mein Empfinden, was das angeht. Natürlich gibt es auch andere, die sich mit der Zeit distanzieren und auch andere aus ihrem Leben streichen, aber es fühlt sich einfach abwegig an. Manchmal wie ein Tabubruch. Ich sehe auch immer wieder etwas merkwürdige Reaktionen, wenn ich ganz offen zugebe, dass ich an richtiger Familie nur meine Eltern habe und ich an Feiertagen sonst nichts mache. Und es sich für mich besser anfühlt, meine Familie aus dem Leben gestrichen zu haben.

Aber wenn ich sehe, wie viele wunderbare Menschen ihre Energien damit verschwenden, Leute zu sehen, die sie nicht wirklich wollen, die sie krank machen oder verletzen oder verstören, die sie ausbremsen, dann ist das eigentlich trauriger, als einen Cut zu machen. Wir haben im Alltag so viele eigene Probleme, wir haben nur begrenzte Freizeit - muss ich da meine Lebenszeit wirklich mit Leuten verschwenden, die ich nicht mal kennen wollen würde, wenn wir nicht miteinander verwandt wären?

Natürlich ist das mitunter ein sehr drastischer Weg. Und es gibt einen Unterschied, ob mich etwas "nervt" oder ob mich etwas wirklich fertig macht und runterzieht. Man muss unterscheiden, ob die Cousine, der Onkel, die Oma (wer auch immer) nur ein paar schwierige Seiten hat, einfach nicht nachdenkt, oder ob es einfach zu harte Sachen sind, die eine konstante, familiäre Beziehung so gut wie unmöglich machen. Vor allem, wenn keine Einsicht da ist, etwas zu ändern oder einen Kompromiss einzugehen.

Wenn jemand aus der Familie einfach etwas schwierig ist, kann man ja das Gespräch suchen, wenn nicht, muss man für sich entscheiden, wie weit man auf Abstand gehen möchte und kann. Leute, die einen nicht wirklich kennen, sollten einen mit hingeworfenen Bemerkungen wie "Und was machst du?", oder mit ihrer Geltungssucht nicht verletzen können, aber sie tun es oft. Weil Familie dann doch einen gewissen Beigeschmack hat. Oder die Tatsache, dass jemand angeblich besser und "wertvoller" als man selbst ist, egal ob es ein Kollege ist oder ein Bekannter, der sich wichtig macht und erzählt, wie perfekt und überdurchschnittlich alles läuft, während man selbst einige Baustellen hat.


Ich wundere mich aber jetzt doch schon, dass so viele dieses Problem kennen oder haben, obwohl sie selbst ihr Leben gut meistern.
Wie kommt es, dass alle das Gefühl haben, ich gewisser Weise herabgewürdigt zu werden?

Klar, wir hungern alle nach Anerkennung, das ist ein wichtiger Motivator.
Doch nicht alle Bühnen sind für uns persönlich reserviert. Und wir vermögen auch nicht alle anderen Menschen nach unseren Vorstellungen zu ändern.
Die Frage lautet also, warum macht es uns etwas aus, wenn andere in unserem Beisein, gelobt oder hervorgehoben werden?

@ Rhenus

Ich kenne Leute, denen ist Anerkennung nicht (mehr) wichtig, weil sie ihre "Lebenskraft" aus anderen Dingen beziehen. Oder eben glücklich sind, weil sie in ihrem Leben angekommen sind oder die Leute, die ihnen wichtig sind, das geben, was sie brauchen. Ich denke, dass Anerkennung ein tiefes, menschliches Bedürfnis ist. Anerkennung sagt uns "Du bist mehr als nur okay.", oder "Ich sehe dich und finde gut, was du tust.", oder vielleicht sogar "Ich bin ein wenig neidisch auf dich, weil du besser bist als ich."

Es hat viel mit Akzeptanz zu tun und "gesehen-werden", finde ich. Wenn sich jemand über uns stellt oder uns in unserer Person untergräbt, kann es sich vielleicht so anfühlen, als würden wir nicht akzeptiert werden oder gewollt sein. Das kann selbst passieren, wenn man einen guten Freundeskreis hat und mit sich zufrieden ist. Die Meinung der anderen ist dann doch irgendwie wichtig, so funktioniert oft die Gesellschaft. Man muss dann irgendwie für sich eine Grenze ziehen und herausfinden, was einem fehlt, damit man das kittet und es einem nicht mehr so viel ausmacht, was irgendwelche anderen Leute denken, die einem nicht mal besonders wichtig sind. Das ist ein wichtiges, aber auch sehr hartes Ziel.

Ich gebe ganz offen und ehrlich zu, dass es mir mittlerweile sowas von total egal ist, was meine Verwandtschaft über mich denkt, obwohl es noch für wenigen Jahren anders ausgesehen hat und dieser Gedanke total abwegig für mich war. Und trotzdem macht es mir sehr viel aus, wenn ein flüchtiger Bekannter, Kollege oder irgendein anderer Mensch mir das Gefühl gibt, schlechter dazustehen oder komplett in eine andere Richtung zu leben, die die Person nicht gut findet.


Liebe Grüße

Findefuchs
 
Gewisse Personen scheuen aus einer Mischung von Feigheit und Raffinesse aber den direkten Vergleich, sondern ziehen eher (abwertende) Parallelen zu Personen, die in einer ähnlichen Situation sind wie man selbst. Würde man dann kontern, könnten sie einem entgegenhalten, man selbst sei doch gar nicht gemeint gewesen und sie könnten gar nicht verstehen, weshalb man sich diesen Schuh anziehe.

Ich weiß!
Doch daraus kann man auch seinen Nutzen ziehen.
Man muss sich ja nicht angesprochen fühlen... 😉
Lästert sogar mit...😀
Was für sensible Menschen wohl ein Graus darstellt...

Im Ernst:
Man muss eben nur hypothetisch die Wertevorstellung der Person angreifen.
Das kann man mit Floskeln, Sprüchen usw. tun.

Etwa:
Wo es einen König gibt, muss es auch Untertanen geben! Ich möchte kein König sein, denn die enden schon einmal auf Schafott.

Das kann man auch gut mit personenbezogenen Vergleichen und Relationen, wenn man das Gegenüber gut kennt. Darin muss sie sich selbst entdecken.

Doch mir ist klar, das liegt nicht jedem und kann auch nicht jeder.
Und es ist eine Frage des guten Geschmackes, wie weit man sich auf diese Bösartigkeiten selbst einlässt. Wobei man selbst Gefahr läuft, ebenso zu werden, wie die kritisierte Person.
Man sollte sich daher dann solchen Situationen möglichst entziehen.
 
@ primavera7

Ich bin da sehr hart geworden. Ich weiß nicht, ob es für dich oder für andere eine Lösung ist, aber ich denke mir einfach, dass man nicht jeden Menschen in sein Leben lassen muss. Das gilt auch für die Verwandtschaft. Blut ist dicker als Wasser? In jedem Fall?

Ich stelle mir einfach immer folgende Fragen:

1. Wäre ich mit diesem Menschen auch befreundet oder in Kontakt, wenn wir nicht miteinander verwandt wären?
2. Würde ich diesen Menschen auch kennen wollen, wenn wir nicht die gleiche Familie hätten?

Kann ich eine oder vielleicht sogar beide Fragen mit einem "Nein" beantworten (natürlich nach gutem Nachdenken und keiner Kurzschlussreaktion), streiche ich dieses Familienmitglied aus meinem Leben. Entweder, ich breche ganz den Kontakt ab, oder ich distanziere mich von dieser Person. Das schließt natürlich nicht aus, dass man sich höflich grüßt, wenn man sich dann mal sieht.

Dazu muss ich aber auch sagen, dass meine Verwandtschaft ein ziemliches Kaliber ist. Ich habe mich früher leider ziemlich verbogen, damit ich von denen gemocht werde und ich habe mir so sehnlichst eine richtige Familie gewünscht, dass ich auch begonnen habe, viele Dinge zu akzeptieren oder schönzureden, was ich später nicht mehr konnte. Es hat mich kaputt gemacht. Seit ich so verfahre und diese Entscheidungen treffe, geht es mir viel besser und ich bin freier. Ich habe ganz andere, bessere Seiten an mir entdeckt. Auch wenn es mich natürlich sehr traurig macht, dass ich eben nicht an Feiertagen mit meiner Familie zu tun habe und ich denen egal bin, so ist der Preis, den ich ansonsten zahlen würde, viel zu hoch.

Ich denke, es ist auch einfach die Angst vor Neuem und der Wahrheit, warum viele sich einiges von der lieben Verwandtschaft bieten lassen. Und, ich habe zumindest für mich beobachtet, weil es "zum guten Ton" gehört, in einer Familie zu sein, weil man einfach eine Familie ist, egal wie die oft drauf sind. Familie ist oft für viele Alltag. Es wird einem auch viel durch die Gesellschaft, Medien und Literatur gezeigt. Zumindest ist so mein Empfinden, was das angeht. Natürlich gibt es auch andere, die sich mit der Zeit distanzieren und auch andere aus ihrem Leben streichen, aber es fühlt sich einfach abwegig an. Manchmal wie ein Tabubruch. Ich sehe auch immer wieder etwas merkwürdige Reaktionen, wenn ich ganz offen zugebe, dass ich an richtiger Familie nur meine Eltern habe und ich an Feiertagen sonst nichts mache. Und es sich für mich besser anfühlt, meine Familie aus dem Leben gestrichen zu haben.

Aber wenn ich sehe, wie viele wunderbare Menschen ihre Energien damit verschwenden, Leute zu sehen, die sie nicht wirklich wollen, die sie krank machen oder verletzen oder verstören, die sie ausbremsen, dann ist das eigentlich trauriger, als einen Cut zu machen. Wir haben im Alltag so viele eigene Probleme, wir haben nur begrenzte Freizeit - muss ich da meine Lebenszeit wirklich mit Leuten verschwenden, die ich nicht mal kennen wollen würde, wenn wir nicht miteinander verwandt wären?

Natürlich ist das mitunter ein sehr drastischer Weg. Und es gibt einen Unterschied, ob mich etwas "nervt" oder ob mich etwas wirklich fertig macht und runterzieht. Man muss unterscheiden, ob die Cousine, der Onkel, die Oma (wer auch immer) nur ein paar schwierige Seiten hat, einfach nicht nachdenkt, oder ob es einfach zu harte Sachen sind, die eine konstante, familiäre Beziehung so gut wie unmöglich machen. Vor allem, wenn keine Einsicht da ist, etwas zu ändern oder einen Kompromiss einzugehen.

Wenn jemand aus der Familie einfach etwas schwierig ist, kann man ja das Gespräch suchen, wenn nicht, muss man für sich entscheiden, wie weit man auf Abstand gehen möchte und kann. Leute, die einen nicht wirklich kennen, sollten einen mit hingeworfenen Bemerkungen wie "Und was machst du?", oder mit ihrer Geltungssucht nicht verletzen können, aber sie tun es oft. Weil Familie dann doch einen gewissen Beigeschmack hat. Oder die Tatsache, dass jemand angeblich besser und "wertvoller" als man selbst ist, egal ob es ein Kollege ist oder ein Bekannter, der sich wichtig macht und erzählt, wie perfekt und überdurchschnittlich alles läuft, während man selbst einige Baustellen hat.




@ Rhenus

Ich kenne Leute, denen ist Anerkennung nicht (mehr) wichtig, weil sie ihre "Lebenskraft" aus anderen Dingen beziehen. Oder eben glücklich sind, weil sie in ihrem Leben angekommen sind oder die Leute, die ihnen wichtig sind, das geben, was sie brauchen. Ich denke, dass Anerkennung ein tiefes, menschliches Bedürfnis ist. Anerkennung sagt uns "Du bist mehr als nur okay.", oder "Ich sehe dich und finde gut, was du tust.", oder vielleicht sogar "Ich bin ein wenig neidisch auf dich, weil du besser bist als ich."

Es hat viel mit Akzeptanz zu tun und "gesehen-werden", finde ich. Wenn sich jemand über uns stellt oder uns in unserer Person untergräbt, kann es sich vielleicht so anfühlen, als würden wir nicht akzeptiert werden oder gewollt sein. Das kann selbst passieren, wenn man einen guten Freundeskreis hat und mit sich zufrieden ist. Die Meinung der anderen ist dann doch irgendwie wichtig, so funktioniert oft die Gesellschaft. Man muss dann irgendwie für sich eine Grenze ziehen und herausfinden, was einem fehlt, damit man das kittet und es einem nicht mehr so viel ausmacht, was irgendwelche anderen Leute denken, die einem nicht mal besonders wichtig sind. Das ist ein wichtiges, aber auch sehr hartes Ziel.

Ich gebe ganz offen und ehrlich zu, dass es mir mittlerweile sowas von total egal ist, was meine Verwandtschaft über mich denkt, obwohl es noch für wenigen Jahren anders ausgesehen hat und dieser Gedanke total abwegig für mich war. Und trotzdem macht es mir sehr viel aus, wenn ein flüchtiger Bekannter, Kollege oder irgendein anderer Mensch mir das Gefühl gibt, schlechter dazustehen oder komplett in eine andere Richtung zu leben, die die Person nicht gut findet.


Liebe Grüße

Findefuchs

Ja, dann bist du auf dem richtigen Weg.
So etwas will auch wachsen.
Doch man kann es nicht allen recht machen, sodass du immer wieder auf Ablehnung und Kritik treffen wirst.
Man kann dies auch nicht wie eine Bilanz führen, man muss nur an sich selbst glauben und diese Kritik nehmen wie sie ist.

Ich denke bei Kritik darüber nach, ist sie angebracht oder ungerechtfertigt?
Ist sie angebracht, kann man Nutzen dahingehend ziehen, dass man diese Kritik annimmt und etwas besser macht oder sich ändert.
Ist sie nicht gerechtfertigt, dann Ablage Papierkorb. Warum sollte ich mich dann ärgern oder verunsichert sein?
Wird es mir zu viel, dann teile ich eben aus...😉

In jeden Leben werden Weichen gestellt, wo einem nicht immer klar ist, welche Abzweigung man nehmen muss.
Zudem werden viele Weichen fremdgestellt.

Wer hat das Recht dies zu kritisieren?
Höchstens man selbst.
Doch wenn man klug ist, tut man das auch nicht.

Doch warum sich über dumme Menschen grämen, die gar nichts mit diesem Lebensweg zu tun haben?
Das muss man ihnen ggf. einfach mal nachdrücklich sagen...🙂
 

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