Wie ist es also möglich das es scheinbar soviele einsame Seelen und Herzen gibt? Wo man doch scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme hat wo theoretisch jeder jeder kennen kann. Ist das digitale Zeitalter schuld? Sind viele menschen einfach zu "kalt" und/oder zu sehr mit sich selbst beschäftigt?
Was glaubt ihr liebe community? Oder glaubt ihr das ich das völlig falsch sehe? Falls nicht, habt ihr vielleicht ähnliches durchgemacht und konntet aus der Einsamkeit "ausbrechen"? Zurück in ein normales Leben mit Freunden und/oder einer Beziehung?
Würde mich über eure meinung/Erfahrungen freuen
LG chronos
Ein interessantes Thema. Es gibt vielleicht mehr Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme als früher. Aber ich denke, dass das nicht das Problem ist.
Es hängt, wenn man schon sozial geschädigt ist, mehr davon ab, ob man diese Möglichkeiten auch wahrnehmen kann. Also davon, wie stabil man emotional ist.
Wenn man schon nicht gerade Stabil ist und dann auch noch dinge erlebt, die einen noch mehr verletzen, dann macht man einfach zu. Das ist auch eine Schutzreaktion. Mit etwas Pech trifft es einen so hart, dass man sich nie mehr ganz davon erholt.
Und jetzt könnte vielleicht der/die perfekte Partner/in oder Freund kommen... man würde diese Person vielleicht gar nicht mehr sehen. Man müsste zuerst wieder "auftauen", sich trauen, sich zu öffnen.
Und die wenigsten Menschen sind willens oder in der Lage, so viel an Zuwendung und Mitgefühl zu investieren. Vor allem seit Anbruch des Internetzeitalters ist alles noch beliebiger und oberflächlicher geworden. Duch die Anonymität ist es auch viel leichter, beleidigend und respektlos zu werden, den anderen zu hintergehen und zu verarschen. Natürlich kann man auch leichter gleichgesinnte finden. Aber das risiko auf die nase zu fallen halte ich für größer.
Jedenfalls ist dieses, sich in sich zurückziehen leider ein Prozess, der nach einiger Zeit nur schwer umzukehren ist.
Denn die richtigen Menschen zu finden kann man auch nicht erzwingen. Irgendwann glaubt man an gar nichts mehr, aufgrund der schlechten Erlebnisse und stumpft auch ein wenig ab. Man verbittert manchmal und wird depressiv.
Das führt wieder dazu, dass man nur noch weniger anziehend auf andere wirkt, die ja nicht sehen können, was in so jemandem vorgeht.
Das war jetzt ein extremeres Beispiel, aber ich denke, dass viel mehr Menschen irgendwo so empfinden, als angenommen wird. Ich spreche hier zum Teil auch von mir selbst. Kürzlich habe ich auch eine schwere menschliche Enttäuschung erlebt. Eigentlich hatte sie sich abgezeichnet.
Irgendwann hat man dann auch keine Lust mehr groß Kontakte zu suchen, auf andere zuzugehen, weil man die negativen Dinge viel zu präsent im Hinterkopf hat und das, was man sich eigentlich schön ausgemalt hat nicht mehr mit schönen, lohnenden Emotionen verbinden kann.
Deshalb "sieht" man auch die Lösung nicht mehr und verschanzt sich eher, zieht sich zurück.
Denn man will keine Lösung, die nur mit noch mehr unsinnigen Schmerzen verbunden ist und nicht zum Ziel führt, dass man sich besser fühlt. Ob es so wäre oder nicht, wenn man sich aufrafft, sei dahingestellt. Es kann aber so empfunden werden.
Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass das Verlangen nach Kontakten oder Menschen, mit denen man sich austauschen kann, weg ist. Es ist dann nur verdammt schwer, da alleine wieder rauszukommen. Tatsächlich hat auch einen großen Teil meiner Kommunikation mit anderen Menschen im Internet stattgefunden. Das liegt daran, dass ich von der Tendenz her schon immer eher ängstlich und introvertiert war.