Aber hast du den Trennungsfall nicht selber im Kopf? Ich und mein Freund machen unsere Anschaffungen auch so, dass es im Fall einer Trennung wieder leicht auflösbar wäre. Dabei haben wir keinesfalls vor, uns wirklich zu trennen (er jedenfalls nicht, ich bin mir da aus denselben Gründen wie deine Freundin mittlerweile unsicher).
Allerdings kennen wir beide nun mal Paare und Ehepaare, die sich nach Trennung und Scheidung ordentlich über den Besitz gezofft haben. Nicht selten wurde dabei einer stark benachteiligt, etwa der Mann, der die halbe Firma an die Frau abgeben musste, die dabei fast draufging oder auch die Frau, die ihre eigene Karriere zugunsten von gemeinsamen Kindern aufgab und nach 20 Jahren Ehe mit dem Gehalt einer Putzhilfe auskommen musste.
Da ist es dann doch gut, wenn man den Trennungsfall im Vorfeld mitbedenkt und sich von Anfang an überlegt, wie man das regeln könnte, dass im Falle eines Falles beide einen guten Neustart hinlegen können und nicht einer überproportional profitiert. Denn eine Trennung kann immer passieren, in meiner Familie gab es Scheidungen bei Leuten, da hätte man das nie gedacht (während andere, bei denen es hieß dass die Ehe kein Jahr halten würde 30 Jahre später immer noch verheiratet sind).
Bei einem Haus kommt auch noch folgendes dazu: im Falle deines Todes verliert sie trotzdem alles. Denn sie ist nicht automatisch Erbin von deinem Haus. Selbst wenn du ihr das Haus laut Testament komplett zukommen lässt, bleiben zwei weitere Probleme: 1. wird sie die Erbschaftssteuer (ganze 30%) nicht zahlen können, das Haus geht dann drauf. 2. selbst wenn sie einen Bankkredit für die Steuer bekommt, können deine Eltern einen Pflichtteil einklagen. Kurz: sie steht womöglich trotzdem auf der Straße. Das gilt übrigens auch für diese Versicherung, in der du sie begünstigt hat: 30% von der Summe über dem Freibetrag erhält der Staat, verheiratet dürfte sie bis zu 400.000€ steuerfrei erben.
Ich habe auch so ein Exemplar von Freund, das partout nicht heiraten will und leide ähnlich wie deine Freundin schwer darunter. Vielleicht hilft es dir ja, wenn ich dir erkläre, wie sich das anfühlt:
Schon seit meiner Kindheit wollte ich in meinem Leben nur 2 Dinge erreichen: heiraten und Kinder bekommen. Bilderbuchfamilie, bevorzugt mit Häuschen. Was ich mal arbeite und was ich dabei verdiene, war mir immer egal. Ebenso, ob ich in einer Villa wohne oder in einem winzigen Häuschen oder auch nur in ner kleinen Mietwohnung. Schmuck, Klamotten, besitz: scheiß drauf.
Mein Freund dagegen schiebt beides auf "irgendwann später". Und ich leide tierisch, weil ich nicht die Erste in meiner Verwandtschaft wäre, die "irgendwann später" dann doch zugunsten von einer anderen verlassen werden würde und die ersehnte Familie selber dann nicht mehr bekommt, der Ex mit jüngerer Frau aber schon. Die am Ende alt und verbittert daheim sitzt, voller Hass auf den einst geliebten Mann, der einem das Leben zerstört hat. Nebenbei muss ich ansehen, wie sämtliche Freunde und Verwandte meines Alters heiraten und Kinder kriegen. Das ist jedes Mal wie tausend Messerstiche. Nur ich bin wieder mal die, die übrig bleibt.
Ich habe keinerlei Zweifel, dass er es ernst meint und mit mir zusammen bleiben will. Aber ich fühle mich "nicht gut genug". Jedenfalls nicht gut genug zum Heiraten. Seine Freiheit und sein Geld sind offenbar wichtiger als mein Glück. Es ist einfach ein Ungleichgewicht in der Beziehung, da er seine Wünsche einfach selber erfüllen kann, während ich für die Erfüllung meiner Träume von ihm abhängig bin. Und ja, auch ich denke mittlerweile über Trennung nach, obwohl ich ihn über alles liebe. Weil ich verstärkt merke, dass er mir nicht gut tut, weil ich wegen meiner nicht erfüllbaren Träume immer tiefer in Depressionen rutsche: kurz: trotz aller Liebe und obwohl sonst alles passt unglücklich bin.
Übrigens gebe auch ich mein Geld in diesen unglücklichen Phasen gerne mal für sinnloses Zeug aus. Weil es ein kurzes Glücksgefühl auslöst, zumindest für eine Weile ablenkt. Es gab mal eine Phase, da hatte ich tatsächlich mit einem baldigen Antrag gerechnet und war entsprechend glücklich, da hatte ich mal eben in einem Monat über 1000€ zusammengespart, obwohl ich sonst selbst 200€ vor mir selber in Sicherheit bringen muss. Weil ich keine Traurigkeit mit Konsum überdecken musste und keinerlei Kaufbedürfnis mehr hatte. Seit mir wieder klargemacht wurde, dass es in absehbarer Zeit keine Hochzeit geben wird, fließt das Geld wieder strömeweise in Konsum, weil ich dann zumindest einzelne Abende abgelenkt und glücklich bin und das besser ist als jeden Abend seinen Träumen hinterherzutrauern.
Deshalb ja auch mein Rat mit der Verlobung. Weil es zumindest mir reichen würde zu wissen, dass mit "irgendwann später" ein begrenztes Zeitfenster von maximal 2 Jahren gemeint ist und nicht "irgendwann zwischen 35 und 40, sofern du da noch Kinder kriegen kannst, dein Pech, wenn aus deinen Träumen nix wird". Zumindest bei mir wären jegliche Trennungsgedanken mit einem Antrag weg, weil die Entscheidung "er oder mein Lebenstraum" damit hinfällig wäre und zu "er und mein Lebenstraum" würde.
Denn was bleibt einem anderes übrig, als über eine Trennung nachzudenken wenn ma merkt, dass die eigenen Lebensträume mit diesem Mann nicht erfüllbar sind?