Hallo Katharina,
ich schreibe erst jetzt, da ich einen Einbruch hatte und mich erst jetzt wieder etwas besser fühle. Aber es muss weiter gehen!!!
Doof, wie alt bist du?
ich bin 27 Jahre.
Kannst du auch noch ganz normal am Leben teilnehmen?
Ja ich versuche am normalen Leben teilzunehmen. Es gelingt mir mal besser und mal schlechter. Ich arbeite nach wie vor und es gibt mir unwahrscheinlich viel Halt und bringt mich weg von den ganzen Gedanken, die ich im Moment nur schwer aushalten kann. Da ich, dank moderner Technik auch vom KH aus arbeiten kann, ist es mir ein großer Halt und gibt mir das Gefühl, gebraucht zu werden und nicht nur "krank" zu sein.
Meine Freizeitakitvitäten allerdings sind sehr eingeschränkt. Ich bin körperlich nicht wirklich belastbar und den Sport, den ich eigentlich so liebe kann ich zur Zeit nicht machen. Mir fehlt es meine Laufschuhe anzuziehen und einfach durch den Wald zu joggen. Dieses Gefühl, sich frei zu fühlen und sich einfach frei bewegen zu können...es fehlt mir. Da ich relativ kopflastig arbeite fehlt mir dieser Ausgleich, den ich eigentlich so bräuchte. Aber mein Körper will nicht.
ich wüsste so gerne von euch, wie ihr euch vorstellt, wer bei euch ist, wenn es - ja, viel viel später - soweit ist. Gut, bei mir mein Sohn vielleicht. Habt ihr so viele Angehörige und Freunde, dass ihr genau wisst, ihr werdet nicht im Sterben einsam sein?
dieser Gedanke beschäftigt mich die letzte Zeit sehr und im Moment würde ich wohl einsam sterben...was aber eher damit zu tun hat, dass meine Freunde nicht wissen, wie es tatsächlich um mich steht und ich bisher auch nicht den Mut gefunden habe, es auszusprechen. Meine Familie...ja die würden sich wahrscheinlich freuen, wenn ich endlich nicht mehr da wäre und sie lassen keinen Moment aus, mich das auch spüren/wissen zu lassen.
Ich habe aber eigentlich schon eine genaue Vorstellung wen ich gerne bei mir hätte aber ich weiß nicht wie ich es ihnen sagen soll. Um genau zu sein, wären es zwei. Es gibt nicht viele Menschen, denen ich blind vertrauen würde und die mich auch non verbal verstehen würden. Aber da passt es einfach und sie wären mir wahrscheinlich eine große Stütze, wenn ich es zulassen könnte.
Und ich erzähle euch was vom Leben, weil ich sonst wieder in die Tiefe rutsche: Am Montag haben wir im Konzerthaus Berlin das große Oratorium "Elias" von Mendelsohn gesungen. Alleine da auf der Bühne zu stehen war ein großes Erlebnis. Für ungeübte Ohren mag das Stück Längen haben, immerhin 2 1/2 Stunden zzgl. Pause, aber für die Mitwirkenden und den Kennern war das eine große Freude. Ich habe hier wieder einmal Leben gelebt.
ich finde es wirklich toll, dass du das machst. Hör nicht auf die Dinge zu tun, die dir soviel Freude bringen! Ich wünsch dir ganz, ganz viel Spass bei eurem Auftritt und denke doch das es ein voller Erfolg werden wird!