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Eigener Tod

Entschuldigt bitte, falls dies off-topic sein sollte. Bei "Chor" mußte ich wohl an dieses schöne Lied denken, dass meines Erachtens auch nicht ganz unpassend zu unserem Thema hier ist. Lied und Text haben vielleicht auch für Euch etwas tröstliches an sich.

Gabriellas Song

"Ich will spüren, dass ich mein Leben gelebt habe."
 

Hallo Katharina,
ich schreibe erst jetzt, da ich einen Einbruch hatte und mich erst jetzt wieder etwas besser fühle. Aber es muss weiter gehen!!!
Doof, wie alt bist du?
ich bin 27 Jahre.
Kannst du auch noch ganz normal am Leben teilnehmen?

Ja ich versuche am normalen Leben teilzunehmen. Es gelingt mir mal besser und mal schlechter. Ich arbeite nach wie vor und es gibt mir unwahrscheinlich viel Halt und bringt mich weg von den ganzen Gedanken, die ich im Moment nur schwer aushalten kann. Da ich, dank moderner Technik auch vom KH aus arbeiten kann, ist es mir ein großer Halt und gibt mir das Gefühl, gebraucht zu werden und nicht nur "krank" zu sein.
Meine Freizeitakitvitäten allerdings sind sehr eingeschränkt. Ich bin körperlich nicht wirklich belastbar und den Sport, den ich eigentlich so liebe kann ich zur Zeit nicht machen. Mir fehlt es meine Laufschuhe anzuziehen und einfach durch den Wald zu joggen. Dieses Gefühl, sich frei zu fühlen und sich einfach frei bewegen zu können...es fehlt mir. Da ich relativ kopflastig arbeite fehlt mir dieser Ausgleich, den ich eigentlich so bräuchte. Aber mein Körper will nicht.

ich wüsste so gerne von euch, wie ihr euch vorstellt, wer bei euch ist, wenn es - ja, viel viel später - soweit ist. Gut, bei mir mein Sohn vielleicht. Habt ihr so viele Angehörige und Freunde, dass ihr genau wisst, ihr werdet nicht im Sterben einsam sein?

dieser Gedanke beschäftigt mich die letzte Zeit sehr und im Moment würde ich wohl einsam sterben...was aber eher damit zu tun hat, dass meine Freunde nicht wissen, wie es tatsächlich um mich steht und ich bisher auch nicht den Mut gefunden habe, es auszusprechen. Meine Familie...ja die würden sich wahrscheinlich freuen, wenn ich endlich nicht mehr da wäre und sie lassen keinen Moment aus, mich das auch spüren/wissen zu lassen.
Ich habe aber eigentlich schon eine genaue Vorstellung wen ich gerne bei mir hätte aber ich weiß nicht wie ich es ihnen sagen soll. Um genau zu sein, wären es zwei. Es gibt nicht viele Menschen, denen ich blind vertrauen würde und die mich auch non verbal verstehen würden. Aber da passt es einfach und sie wären mir wahrscheinlich eine große Stütze, wenn ich es zulassen könnte.

Und ich erzähle euch was vom Leben, weil ich sonst wieder in die Tiefe rutsche: Am Montag haben wir im Konzerthaus Berlin das große Oratorium "Elias" von Mendelsohn gesungen. Alleine da auf der Bühne zu stehen war ein großes Erlebnis. Für ungeübte Ohren mag das Stück Längen haben, immerhin 2 1/2 Stunden zzgl. Pause, aber für die Mitwirkenden und den Kennern war das eine große Freude. Ich habe hier wieder einmal Leben gelebt.

ich finde es wirklich toll, dass du das machst. Hör nicht auf die Dinge zu tun, die dir soviel Freude bringen! Ich wünsch dir ganz, ganz viel Spass bei eurem Auftritt und denke doch das es ein voller Erfolg werden wird!


Die Kinder gehen so mutig mit ihrem Schicksal um. Und auch so vertrauensvoll. Sie alle glauben daran, dass es nach dem Tod weitergeht. Das ist für sie keine Frage. Natürlich kann man das als kindliches Wunschdenken abtun, aber ich frage mich, ob nicht gerade diese Kinder noch unverdorben nah an der Wahrheit dran sind.

Ja Tuesday da ist sehr viel wahres dran. Ich selbst habe lange ehrenamtlich auf eine Krebsstation für Kinder mitgeholfen. Habe mit den Kindern gespielt und einmal im Monat haben wir einen großen Ausflug für alle geplant.
Es war eine Zeit aus der ich viel mitgenommen habe. Meine Probleme sind in den Hintergrund gerückt. Es kam mir alles so unwichtig vor und ich habe diese kleinen Menschen für ihre Stärke immer bewundert. Ein Lachen von einem dieser kleinen Menschen ist unbezahlbar. Als ich selbst die Diagnose Krebs bekam, habe ich ganz viele liebe Briefe und selbstgemalte Bilder von den Kinder der Station bekommen und es hat mir Kraft und Mut gegeben nicht aufzugeben und es ist heute auch noch so, dass ich in den Zeiten in denen ich nur noch verzweifelt bin mir die Briefe und Bilder anschaue.

Liebe Katharina, vielleicht hast du ja auch ein paar solch wertvolle Erinnerungsstücke aus denen du dir etwas Mut und Kampfeswillen holen kannst?

Lg
doofi
 
Ich habe jetzt mal bei youtube geschaut und dort diesen Beitrag gefunden:

YouTube - Kinderhospiz Löwenherz - Der Film Teil 1 (UT)


Lieber Tuesday,

danke für den Link! Ich habe ihn mir eben beide Teile angeschaut und er hat mich sehr berührt. Soviel Hilfsbereitschaft, soviel Lieben, soviel Leid und dennoch Zuversicht.



[FONT=&quot]Katharina, ich weiß, daß ich ihn wieder treffen werde, wenn meine Zeit da ist, und ich freue mich darauf.[/FONT]

[FONT=&quot]Vielleicht sind ja auch liebe Menschen oder Tiere vor Dir gegangen und dann kannst Du Dich auf ein Wiedersehen gefasst machen![/FONT]

[FONT=&quot]Ich würde es Dir wünschen, Dich mehr mit dem Unvergänglichen befassen zu können, weil das Festhalten an vergänglichen Dingen die Angst vor ihrem Verlust mit sich bringt und bringen muß.[/FONT]

Lieber Marcus,

vielleicht kommt für mich diese Zeit; ich sehe momentan nur, dass du dich glücklich schätzen kannst.
Danke für deinen Beitrag.

So, ich schicke erst einmal diesen Beitrag ab.

Lieben Gruß

Katharina
 
Mich fragte damals eine Bekannte, wie ich es gerne hätte im Zusammenhang mit dem Tod eines Angehörigen, aber auch für mich selbst. Für mich bedeutete das sehr viel, und ich sagte ihr, dass ich den Weg erst einmal alleine gehen wolle, aber sehr froh wäre, wenn ich auf sie zurückkommen könne. Die Wahl zu haben war mir sehr wichtig.

Liebe Gaestin und liebe doofi und alle,

schön Gaestin, dass du dich jetzt angemeldet hast. Ja, dieses möglicherweise alleine in den Tod gehen, das macht mir sehr zu schaffen. Schon alleine ein Angebot würde mich so stützen, selbst wenn mir die Wahl zum Schluss sicher auch wichtig wäre. Der Weg in ein Hospiz ist ja für Viele, die alleine sind, eine Alternative. Aber schon diese Auflage, dass man dann auch bitte innerhalb von 3 Monaten zu sterben hat und alles so fremd ist, macht mir Angst. Ich weiß, es gibt gute Hospize, und ich kenne auch eine Frau, die dort gearbeitet hat ...

Ich kannte eine Frau, die auch an Krebs erkrankt war, die sagte immer, sie würde sich, wenn sie wüsste, es gäbe keine Lebensqualität mehr für sie, für die Sterbehilfe entscheiden. Vor einigen Monaten war es so weit. Sie ist mit ihrem Mann nach Bern gefahren und dort in einer angemieteten Wohnung gestorben. Ich stelle mir das so grausam vor: Ich schließe ein letztes Mal mein geliebtes Heim ab und gehe irgendwo hin nach Bern, lege mich auf ein Bett und ... Wenigstens war ihr Mann dabei ...


Katharina
 
Ja, sonst ...

Das Konzert war toll - wir bekamen sehr viel Beifall und es hat (fast) alles geklappt. Selbst eine klassisch-musikalisch unerfahrene Freundin sagte, dass es ganz toll war.

Katharina
 


Ich kannte eine Frau, die auch an Krebs erkrankt war, die sagte immer, sie würde sich, wenn sie wüsste, es gäbe keine Lebensqualität mehr für sie, für die Sterbehilfe entscheiden. Vor einigen Monaten war es so weit. Sie ist mit ihrem Mann nach Bern gefahren und dort in einer angemieteten Wohnung gestorben. Ich stelle mir das so grausam vor: Ich schließe ein letztes Mal mein geliebtes Heim ab und gehe irgendwo hin nach Bern, lege mich auf ein Bett und ... Wenigstens war ihr Mann dabei ...

Die Vorstellung an sich klingt für viele vielleicht verwerflich und absurd. Wenn man aber abwägt, werde ich sterben und ich weiß, dass ich bald sterbe...es gibt nichts dran zu rütteln...und ich werde dabei Schmerzen haben. Schmerzen, die man immer wieder mit Morphium betäuben kann aber sobald die Wirkung nachlässt, sie wieder da sind... mein Sterben zur Qual wird. Eine schmerzende Qual die erst mit dem Tod endet....ist es dann wirklich so verwerflich? Maschinell am Leben gehalten zu werden und nicht mehr man selbst sein können? Das ist mit Sicherheit nicht das, was sich Angehörige oder der Sterbende wünscht. Ich sage das nicht so einfach daher, denn ich weiß was es bedeuten kann. Ich habe meine Bruder über Wochen beim sterben zu sehen müssen.Er wurde immer wieder reanimiert, künstlich am Leben gehalten und auch wenn ich dankbar dafür bin, dass ich diese letzte Zeit mit ihm verbringen durfte...war es zeitgleich einer der schlimmsten Zeiten überhaupt.

Selbstmord an sich finde ich eine schlimme Sache und ich weiß sehr gut, was es heißt zurück zu bleiben...allerdings denke ich...es macht wohl einen großen Unterschied ob man wirklich und ich meine wirklich sterbenskrank ist und weiß was auf einen zu kommt oder ob man an sich eigentlich körperlich gesund ist. Das Zurückbleiben ist anders...es ist genauso schmerzhaft aber es ist wohl für die Hinterbliebenden einfacher zu verstehen?
Dafür bedarf es eine Menge Mut und mit Sicherheit einen inneren Frieden, mit sich und seiner Umwelt. Das ist kein Entschluß den man eben so mal fasst. Diesen Weg dann mit dem Menschen, den man am meisten liebt gemeinsam gehen zu können...los zu lassen und in Frieden einschlafen...wünscht sich das nicht jeder?
 
Ich denke in solchen schwierigen Sachen immer daran, dass jeder Mensch, jedes Schicksal, jede Reaktion darauf anders ist. Wir sollten stets vermeiden, eine Messlatte für alle herauszugeben.

So ist es wohl auch mit der Sterbehilfe. Über das Für und Wider sprechen, ja. Aber keiner kann über den anderen letztlich in der Situaiton urteilen, wenn er nicht dieselben Erbanlagen, die selbe Erziehung, die selben Schicksale usw. hatte.

Sigi
 
Hallo Katharina ! 🙂

Den eigenen Tot vor Augen zu haben , macht Angst . Angst vor dem unbekannten , was kommen wird . Das schlimmste in dem wissen , alles was einem lieb ist zurück lassen zu müssen .

Man merkt schnell worauf es im Leben ankommt . Was wichtig ist . Plötzlich erscheint alles unwichtig , worüber man sich vorher den Kopf zermattert hat . Materielle Dinge im Leben spielen keine Rolle mehr .
Fragen übers Leben tauchen auf , die man sich nie gestellt hat .

Es ist nicht wichtig , ob man sein Ziel hier unten erreicht hat , sondern welche Lebensspur man zurück lässt . Denn man wird im Herzen der Menschen ewig Leben , mit denen man sein Leben verbracht hat .

Du kannst für dich selber nochmal dein Herz öffnen & denen , die dir immer lieb waren all deine Liebe schenken . Jeden Tag zu einem ganz besonderen Tag machen & die Zeit mit ihnen genießen .

Ja , die Vorstellung ist zerreißend .

Liebe Grüße !
 
Hallo pamphy414, andere!

Es ist nicht wichtig , ob man sein Ziel hier unten erreicht hat , sondern welche Lebensspur man zurück lässt . Denn man wird im Herzen der Menschen ewig Leben , mit denen man sein Leben verbracht hat .
Ich denke, dass es auf die Haltung ankommt und nicht auf das faktisch erreichte. Egon Bahr wollte auf seinem Grabstein die Worte "Er hat sich bemüht" stehen haben. Dies drückt in etwa aus, was ich meine.
 

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