Ich nehme mir mal die Freiheit, Empathie und Annahme durch den Begriff Liebe zu ersetzen. Aus meiner Sicht hat Liebe eine hohe Heilwirkung. Geht Liebe vom Therapeuten aus, ist dies nach meinem Dafürhalten ein wichtiger Heilungsfaktor.
Nein, das darf man nicht vermischen. Empathie ja, aber wenn Liebe dazwischenkommt, wird es gefährlich, weil sich dann ganz schnell Abhängigkeiten entwickeln, und die sind in Therapien
NICHT erwünscht! Liebe hat mit Besitzstreben zu tun, was man liebt, will man nicht wieder verlieren und so weiter. Aber der Therapeut muß seinen Patienten irgendwann freigeben, wenn dieser sich so weit erholt hat, daß er allein weiterkommt. Dann gibt es bei Liebe im harmlosesten Fall gebrochene Herzen.
Der Therapeut muß immer professionell bleiben, und das funktioniert nicht mehr, wenn Liebe dazwischenkommt. Zumal diese Liebe eine sehr einseitige wäre, weil der Therapeut seinen Einfluß auf den Patienten nicht dazu mißbrauchen darf, daß der eine Gegenliebe entwickeln "muß".
Deshalb: differenzieren. Empathie und Annahme ja, Liebe definitiv nein.
Außer Du meinst sowas wie eine allumfassende Liebe zu jedem und alles, auch zu denen, die per se nicht liebenswert sind - aber das ist mit Empathie und Annahme bereits voll abgedeckt. Ein Mehr als das soll dem eigenen Partner, Kindern, Freunden gelten, aber nicht abhängigen Patienten.