Spontan wolle ich dem Spruch vollkommen zu stimmen.
Leider ist es so, daß ich gerade heute Berichte gesehen, die mir verdeutlichen, wie sehr es Menschen fanatisieren kann im Glauben zu sein, das Richtige zu tun. Der Glauben an sich ... dazu muß man nicht zwangsläufig an einen oder mehrere Götter glauben.
Das zieht doch jedem vernünftigen Menschen den Boden unter den Füßen weg.🙄 Denn im Glauben an Tatsachen... das sind ja "nur " Informationen, die man (also einjeder) für wahr ansieht.
FG
Hallo, Gelinda,
in unserem Leben glauben wir oft zu wissen, was richtig ist und was falsch ist. Daher gehen wir im Glauben an unsere richtige Entscheidung einen bestimmten Weg oder halten unsere Einstellung zur Politik oder zu bestimmten Vorgängen für richtig. Wir glauben…. so ist es richtig. Viel später erst stellen wir fest, ob unsere Entscheidung richtig war oder nicht.
Jeder Mensch ist fehlerhaft und auch der beste Mensch kann für sich Fehler nicht ausschließen. Ich will jetzt nicht auf Religionen zu sprechen kommen, bei denen der gläubige Mensch ebenso fehlerhaft „im besten Glauben“ handeln kann, wie auch in allen anderen Gebieten. Wenn wir auf Religionen zu sprechen kämen, müssten wir die Dimension Gott mit einbeziehen und seinen Einfluß auf Entscheidungen. Das Thema will ich jetzt nicht angehen.
Hier geht es um das Thema Schuld. Neulich las ich in einem Faden von einer Informatikstudentin, die sich in einem höheren Semester befand. Sie absolvierte ein Praktikum und beklagte sich in diesem Forum darüber, dass sie machen könne was sie wolle, aber so sehr sie sich auch anstrengte, wurden ihr von ihrem Chef immer Fehler nachgewiesen. Dabei wurden die kritischen Bemerkungen von ihr nicht als negativ, als Vorwurf empfunden. Trotzdem fühlte sie sich langsam unfähig, das Gute bzw. das Richtige zu tun.
So in etwa sehe ich das Leben als Studium an, in welchem ich immer Lernender bin und bleibe. Nur fehlt – ganz allgemein – den Menschen der "Chef", der wohlmeinende Kritik äussert.
Nimm‘ als Beispiel die Paarbeziehungen. Hilft der Gedanke: Ich habe Recht? Jeder hat Recht? Es gibt Seminare, Bücher zu dem Thema. Es fehlt aber „der Chef“, der unabhängig von jeder Rechthaberei den Weg zum Guten weiß, der die Sachlage beurteilen kann und Hilfestellung zur Umsetzung der Erkenntnisse gibt. Da „uns“ dieser Chef fehlt, bleibt es trotz aller Literatur und aller Seminare bei unserem Glauben an die Richtigkeit des eigenen Tuns. Was ich bemängele, ist das Aufhören der Suche nach dem, was richtig ist. Manche Menschen haben noch nicht einmal mit der Suche begonnen. Und das trifft auch auf den religiösen Bereich zu, egal ob sich jemand Atheist, Moslem oder Christ nennt.
Durch unvollständige, unfertige, noch nicht einmal begonnene Suche nach dem was richtig und was falsch ist, entstehen logischerweise Fehler. Glücklich bin ich, wenn ich etwas nicht genau wußte und sich hinterher herausstellte, dass es „zufälligerweise“ in der Situation genau das Richtige war. Das ist sicher nicht die Regel.
Bei Sachaufgaben sprechen wir von einem Fehler. Im menschlichen bzw. zwischenmenschlichen Bereich nenn‘ ich das Schuld. Ich behaupte: So mancher Fehler wäre vermeidbar gewesen, wenn „ich“ mich vorher schlau gemacht hätte und nicht an mich geglaubt hätte. Wobei ich den Glauben an mich selbst, also eine erforderliche Selbstsicherheit, nicht kleinreden will. Ohne ein Mindestmaß an Selbstsicherheit könnten wir keine Entscheidung treffen.
Nur eben darf die Suche trotzdem nicht aufhören.
LG, Nordrheiner