Nöööpp. Veto. Der Mensch tut in aller Regel das, was er für richtig erachtet. Alles andere wäre ja kompletter Schwachsinn.
Ich selbst halte nichts von Schuld, Schuldzuweisungen und Schuldgläubigen. Von mir aus kann man das Wort 'Schuld' komplett streichen.
Wenn Deine Meinung gemäß Satz 1 richtig ist, und wenn auch richtig ist, dass das für alle Menschen gilt, dann ist auch das Ergebnis aller Menschen in aller Regel richtig. Dann müssten alle Menschen die Ergebnisse, als da wären auch: Hungersnot durch Gleichgültigkeit, Ausbeutung, Unterdrückung, Gängeln, Vergewaltigung, Ertrinken, Verdursten etc etc als richtig anerkennen. Tun sie aber oft nicht (was ich verstehen kann). Die vorgenannten Taten (verhungern und ertrinken lassen etc.) sind keine Unfälle, so in dem Sinne "oh, hab ich nicht gewusst, gewollt". Diese Ergebnisse entstehen täglich und nicht durch Verhaltensweisen "ausserhalb der gewünschten Regel".
Und noch eines: "Alles andere wäre Schwachsinn." Nein, wäre es nicht. Der Mensch ist in aller Regel nicht schwachsinnig, sondern 1. fehlerhaft und 2. zum boshaften, sadistischen und schlechten und gleichgültigen Handeln fähig. Und zu was er fähig ist, dazu entscheidet er sich auch in aller seiner Freiheit. Nur die Regel, die wird vom Menschen passend geändert.
Es ist schon einige Monate her, als ich ein Interview verfolgte mit einer führenden Entscheidungspersönlichkeit des früheren Pol Pot Regimes. Er erzählte, wie gezielt man damals Menschen massenhaft getötet und andere unterdrückt hätte. Und er sagte, dass er bis heute sein Mitwirken an diesen Taten, nicht aus seinem Gewissen streichen könne. Das Schlechte, für das er sich "in aller Regel" wissentlich entschieden hatte, blieb eingebrannt in seinem Gewissen.
Die Menschen, die an anderen Menschen durch Gleichgültigkeit oder durch direktes Einwirken schuldig werden, die stimmen Dir alle zu" und singen mit Dir im Chor:
Ich selbst halte nichts von Schuld, Schuldzuweisungen und Schuldgläubigen. Von mir aus kann man das Wort 'Schuld' komplett streichen."
Es ist schon interessant zu sehen, aus welchen durchaus unterschiedlichen Menschen sich dieser Chor zusammensetzt, in dem Du mitsingst.
Aber nein, einige von diesen Menschen wollen eines Tages aus diesem Chor austreten, sie wissen nur nicht wohin mit ihrer Schuld.
Aber die Menschen, die subjektiv für sich Schuld empfinden, finden keine Lösung dadurch, dass das Wort Schuld vermieden wird. Die Menschen, die das Wort "Schuld" streichen wollen - sollen sie doch. Ich mache diesen Menschen keine Vorschriften. Diese Menschen haben für sich eine Lösung gefunden, und sei es nur in Form eines "dicken Fells".
Mich interessieren aber die Menschen, die eine Realität erleben, in der das Wort "Schuld" vorkommt, empfunden wird, sei es subjektiv oder objektiv, sei es zu Recht oder zu Unrecht.
LG, Nordrheiner