Die sieben Todsünden nach christlichem Verständnis:
Stolz/Hochmut, Habsucht/Gier, Neid, Zorn, Unkeuschheit/Wollust, Unmäßigkeit/Völlerei, Trägheit/Überdruß.
Als Todsünden gelten sie, weil das, was aus ihnen folgt, meist explizit negativ ist, sowohl für die Person, die diesen Trieben folgt, als auch für die Umgebung dieser Person (einzelne Personen oder die Gesellschaft insgesamt).
Habsucht/Gier und Neid fallen eigentlich in eine Kategorie, nämlich was haben zu wollen, was ein anderer schon hat, und das üblicherweise mit Hilfe von unerlaubten Mitteln. "Positiver" Neid, der zu eigenen Leistungen anspornt, also explizit nicht zu Straftaten (von übler Nachrede bis Bereicherung durch kriminelle Handlungen) führt, ist davon ausgenommen und kulturell mehr oder weniger stark durchaus akzeptiert, z. B. in USA, wo Eigenleistung sehr viel zählt - während die Deutschen als "Neidkultur" im besten negativen Sinne gelten - Neid auf andere ja, eigener Leistungswillen trotzdem nein, ein "echter" Neidhammel geht davon aus, daß er gefälligst alles umsonst und noch mit Dankeschön nachgeworfen bekommen muß, wofür ein anderer vielleicht lange geschuftet hat (was der Neidhammel "großzügig" ignoriert).
Ergo: unerwünscht.
Stolz/Hochmut, Überheblichkeit, die Überhöhung des eigenen Egos, des Selbstwertgefühls, meist mit dem expliziten Ziel, andere im Vergleich abzuwerten. Im Englischen wird gern der Begriff "holier than thou" verwendet, (ich bin) "heiliger als du", woraus sich der quasi-religiöse Zusammenhang schon ergibt, ich bin Gott und deshalb per Definition unfehlbar und du bist Dreck, du bist Nichts. Diese Sünde kommt deshalb sehr häufig auch bei religiösen Menschen vor, deren Gott nichts anderes ist als das eigene "heilige" Ego, lediglich um eine Potenz erhöht und auf ein "unantastbares" Podest gestellt. Wer das Konstrukt Gott angreift, greift das Selbstwertgefühl der Person an, und letzteres (!) ist unverzeihlich, eine Blasphemie.
Ergo: unerwünscht.
Zorn: vor allem der blinde Zorn, der blindlings zu- und um sich schlägt, als Reaktion auf irgendein (echtes oder zumindest empfundenes) Unrecht. Beim Begriff der Todsünde muß man auch immer an die Zeiten denken, in der die Begriffe definiert wurden, nämlich Zeiten, in denen jeder Mensch als Allzweckwerkzeug ein Messer am Gürtel hatten und "im ersten Zorn" dieses ziemlich häufig "ausrutschte". Im Zorn tun Menschen häufig Dinge oder sagen Dinge, die verletzen, nicht selten auch Unschuldige, die gar nichts dafür können, und die sie später bereuen, aber nicht mehr ungeschehen machen können.
Ergo: unerwünscht.
Unkeuschheit/Wollust betrifft Menschen, die nur für ihr Vergnügen leben, egal ob sexuell oder sonstwie, und ganz ehrlich, wer möchte nicht den ganzen Tag nur Spaß haben? Bei dieser Sünde spielt natürlich der religiös-gesellschaftliche Hintergrund eine wichtige Rolle, in der Selbstbeherrschung (auch sexuell) und Selbstüberwindung (auch unerfreuliche Teile des Lebens zu akzeptieren, wie Arbeit statt Spaß) wichtige Bestandteile sind für Ruhe, Ordnung und stabile Strukturen in einer Gruppe, egal ob Familie, Dorf oder landesweite Gemeinschaft. Besonders wichtig natürlich in einer explizit patriarchalischen (männerdominierten) Gesellschaft, wie sie das Christentum seit 2000 Jahren festschreibt und in der Frauen wegen ihrer "unkeuschen" (aber biologisch dummerweise so festgelegten...) Wirkung auf Männer generell als Störfaktoren gelten.
Ergo: unerwünscht.
Unmäßigkeit/Völlerei: hat natürlich mit Ungleichheit in den Lebensgrundlagen zu tun, während der eine pausenlos frißt und am Ende vor Verfettung krepiert, verhungert der andere. (Was nicht nur für Nahrung, sondern auch für viele andere Dinge gilt - von Energieverbrauch bis zu sozialen Kontakten.) Ungleichheit ist Ungerechtigkeit und führt deshalb früher oder später immer zu Streit und gesellschaftlichen Unruhen, von den unmittelbaren und offensichtlichen Folgen für den Fresser wie für den Hungernden abgesehen.
Ergo: unerwünscht.
Trägheit/Überdruß: Der Mensch ist nicht dafür gemacht, untätig zu sein. Schon von Natur aus nicht, ein "natürliches" Leben erfordert tägliche stundenlange Nahrungssuche (moderne Version: Geldverdienen fürs tägliche Brot) und Kümmern um den Nachwuchs der Familiengruppe (moderne Versionen, wer keine Kinder hat: Haustiere, Hobbys...). Ein Mensch, der durch die Umstände (egal welche) daran gehindert wird, diese Tätigkeiten auszuüben, wird träg und faul und oft übergewichtig, weil er meistens trotzdem wie ein arbeitender Mensch Essen konsumiert, er zieht sich in sich selbst zurück und grübelt sich stattdessen das Hirn zuschanden, weil das menschliche Hirn genauso wie der Körper für Beanspruchung und Benutzung gemacht ist, es läßt sich aber nicht so leicht "abschalten" und ruhigstellen wie der Körper, der einfach vor dem Fernseher geparkt wird. Bis dann das Hirn irgendwann wie ein dummer Computer in einer Logikschleife hängenbleibt (Frageforen sind voll von Themen, die für "unterbeschäftigte Hirnzergrübler" typisch sind) und psychische Probleme wie Depression ("Überdruß" - wenn nichts auf der Welt mehr gut genug erscheint) auftreten. Vom Verlust für die Gesellschaft, wenn jemand weder arbeitet noch sonst etwas (Kindererziehung...) leistet, ganz zu schweigen.
Ergo: unerwünscht.