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Eigene Schuld - fremde Schuld

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...weil es manchmal wirklich gleich ist, wie gedacht oder gehandelt wird, weil alle Ergebnisse gleichermaßen nichts taugen. Denken ohne Handeln bringt meistens nix, Handeln ohne Denken bringt meistens nur Unfug. Und wer von vorneherein falsch denkt, wird kaum richtig handeln. Und wer richtig denkt, kann trotzdem von den Umständen am Handeln gehindert werden - oder kommt zu dem Ergebnis, daß nicht handeln und den Dingen ihren Lauf lassen die bessere Alternative ist.
 
Es kommt drauf an, gegen was ich gleichgültig bin. Es kann mir getrost gleichgültig sein, wann die Frau gegenüber ihre Fenster putzt und wann sie welchen Besuch empfängt. Wer welches Kleid an hat und wer welches Essen kocht, kann mir auch gleichgültig sein.

Beobachte ich jedoch vor meinem Fenster eine Straftat, dann bin ich mindestens dazu verpflichtet, die Polizei zu rufen, wenn ich mich schon nicht traue oder keine Möglichkeit sehe, selber einzugreifen. Hier gleichgültig zu bleiben und wegzuschauen geht gar nicht.

Man muss auch ganz klar unterscheiden, wozu man wirklich verpflichtet ist, und an welcher Stelle es angebracht ist, sich gegen andere abzugrenzen. Hat z.B. mein Ehepartner berufliche Sorgen, so empfinde ich es als Verpflichtung, ihm zur Seite zu stehen und Anteil zu nehmen und dafür auch größere Opfer zu bringen wenn es sein muss.

Hat eine Freundin Eheprobleme, höre ich auch gerne zu und spende Trost, aber diese Verpflichtung ist für mich weniger gravierend als das im vorigen Abschnitt Aufgeführte. Wenn mir die ewigen Anrufe der Freundin zuviel werden und anfangen, mich zu belasten, habe ich alles Recht der Welt, hier eine Grenze zu ziehen. Ich würde dann klipp und klar zu verstehen geben, dass es mir zuviel wird und ich auch noch ein eigenes Leben habe.

Sich gegen andere abzugrenzen und sich nicht ausnutzen zu lassen, ist ganz wichtig, es ist lebenswichtig. Man schuldet es sich selber, denn man ist in erster Linie sich selbst verpflichtet. Nur wenn ich mich selber gesund und stabil halte, kann ich auch meinen Verpflichtungen der Umwelt gegenüber nachgehen.

Wenn man zu gutmütig ist, wird man schamlos ausgenutzt, und alle verlieren die Achtung vor einem. Das darf auf keinen Fall passieren, und man muss immer auf der Hut sein, dass sowas nicht passiert, man darf sich nicht mit Egoismusvorwürfen und Mitleidstiraden kleinkriegen lassen, und das wird gerne versucht. Diese Muster muss man erkennen und sich entschieden wehren.

Ist die Nachbarin erkrankt und ich erledige ein paar Einkäufe für sie, so ist das in Ordnung, die Nachbarin darf aber nicht erwarten, dass ich auf alle Zeiten unentgeltlich für sie einspringe, solchen Ansprüchen muss ich entschieden etwas entgegen setzen.

Ob die Nachbarn bis zum Nachmittag im Bademantel rumhängen, Bier aus der Flasche trinken und Trashprogramm schauen, kann mir gleichgültig sein. Habe ich jedoch begründete Hinweise auf strafbare Handlungen oder Animal Hoarding, oder darauf, dass jemand vielleicht verletzt oder tot in seiner Wohnung liegt oder ein Brand ausgebrochen ist, dann darf ich nicht gleichgültig sein.

Finde ich einen verletzten Menschen, habe ich den Rettungwagen zu alarmieren und sicherzustellen, dass der Verletzte ordnungsgemäß abtransportiert wird. Ruft dieser Mensch mich jedoch später ständig an, stellt mir nach und wird für mich zu Belastung, dann ist es ganz wichtig, zu verstehen zu geben, dass ich die Nachstellungen nicht wünsche und sie zu unterbinden.

Uns selbst gegenüber tragen wir nämlich zunächst einmal die größte Verantwortung. Wir dürfen uns nicht an uns selber versündigen!

Zuerst muss man an sich selber denken, die primäre Verantwortung des Lebens hat man sich selber gegenüber. Wenn man das nicht begreift, nicht schafft und nicht hinbekommt, so ist man ganz schnell verloren.

Mitgefühl für die Mitgeschöpfe ist wichtig, aber man darf sich in diesem Mitgefühl nicht verlieren. Man darf sich nicht moralisch erpressen und manipulieren lassen. Man muss stark genug sein, die Grenzen da zu setzen, wo man spürt, dass sie nötig sind.

Wer jenen, welche ihn auffressen wollen, nichts entgegensetzt, der wird aufgefressen und kann nichts mehr für jene tun, für die er gerne etwas tun möchte.
 
Es ist eben auch immer die Frage, wie man Schuld definiert. Ich selbst würde niemals von der Schuld einer Einzelperson, einer Gruppe, einer Familie, einer Gesellschaft oder der Welt sprechen, weil Schuld für mich nach wie vor ein abstruser Begriff ist. Eher würde ich von Dummheit und Schädlichkeit sprechen. Es ist greifbarer und verständlicher.
 
Wenn ich einem bzw. meinem Kind erkläre, warum es "schuldig" ist, erkläre ich ihm, warum es dumm bzw. schädlich gehandelt hat. Oder siehst du das anders?
 
Es ist eben auch immer die Frage, wie man Schuld definiert. Ich selbst würde niemals von der Schuld einer Einzelperson, einer Gruppe, einer Familie, einer Gesellschaft oder der Welt sprechen, weil Schuld für mich nach wie vor ein abstruser Begriff ist. Eher würde ich von Dummheit und Schädlichkeit sprechen. Es ist greifbarer und verständlicher.

Mir sagt der Begriff "Schuld" mehr zu, weil er das "ich" mehr trifft als irgendein anderer Begriff. Aber das ist vielleicht eine persönlich Empfindung.


Wenn ich einem bzw. meinem Kind erkläre, warum es "schuldig" ist, erkläre ich ihm, warum es dumm bzw. schädlich gehandelt hat. Oder siehst du das anders?

Bei einem Kind gehe ich mit dem Begriff "Schuld" vorsichtiger um, als bei einem Erwachsenen. Bei einem Kind kann ich eher unterstellen, dass es den Zusammenhang zwischen seinem Handeln und den Folgen nicht bedacht hat. Aber ich stimme Dir voll zu, dass es auch für mich sehr wichtig ist, das Warum zu erklären.
 
Aus meiner Sicht handeln Menschen eher dumm und schädlich oder eher gesund und förderlich - für sich selbst sowie die Gemeinschaft. Wenn man sich die Abläufe der Welt so anschaut, kann es dafür eine Menge Gründe geben, die entweder in einem selbst liegen oder in der Person anderer. Da festzumachen, wo eine "Schuld" liegt, halte ich für schwierig und nicht unbedingt hilfreich.
 
Anders gefragt: Was ist ein "typisch schuldiger Mensch"?

Ein Egoist? Ein oberflächlicher Mensch? Ein Kapitalist?

Ich denke, einen typisch schuldigen Menschen gibt es nicht. Eher gibt es verschiedene Handlungsweisen, wie Menschen mit ihrer Schuld umgehen. Darin unterscheiden sie sich.
Da gibt es ....
... den Selbstgerechten, der immer alles richtig macht
... den Ignoranten (...ist doch Egal-Typ)
... den Verharmloser (... das ist doch nicht schlimm/das machen andere auch)
... den Selbsthasser (... ich hasse mich deswegen)
... den Depressiven (... das macht mich fertig)
... den Rächer (Zahn um Zahn....)
... den (kriminellen) Spieler (...solange man mich nicht erwischt)
... den Gerechten (ich stehe dafür ein)
... den Schwachen (ich konnte/kann nicht anders)
... den vermeintlich Starken (das kann ich tragen)
... den Hilfesuchenden
...
 
Aus meiner Sicht handeln Menschen eher dumm und schädlich oder eher gesund und förderlich - für sich selbst sowie die Gemeinschaft. Wenn man sich die Abläufe der Welt so anschaut, kann es dafür eine Menge Gründe geben, die entweder in einem selbst liegen oder in der Person anderer. Da festzumachen, wo eine "Schuld" liegt, halte ich für schwierig und nicht unbedingt hilfreich.

Stimmt. Schuld festmachen ist für sich gesehen nicht hilfreich. Schuld ist nichts, was man unbedingt haben muß, sondern etwas, was man - wie ich denke - vermeiden - und wenn das nicht geht, unbedingt loswerden sollte.
 
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