Es braucht mehr solche Leute. Ich glaube, zu viele sagen "Warum sollte ich XYZ tun, das ändert doch sowieso nichts." Das höre ich z. B. immer wieder, wenn es um den Tierschutz geht. Ja, man kann nicht alle retten - aber für meine Katzen beispielsweise habe ich ihr ganzes Leben dann zum Guten gewendet, indem ich sie gerettet habe. Und wenn ich unserem Tierschutzverein helfe, dann bewege ich ein klein bisschen was. Und wenn es nur ist, dass ich Futter abgebe, was meine nicht mögen. Oder wenn ich daran beteiligt bin, dass eine Katze vermittelt wird, die so sehr ein Zuhause gesucht hat, dann geht mir das Herz auf. Oder wenn ich Vorkontrollen mache. Und sehe: das ist wirklich ein guter Platz bei netten Leuten, dort wird es die Katze gut haben.
Ich arbeite viel ehrenamtlich, soviel es meine Zeit zulässt und auch wenn ich super wenig Geld phasenweise habe, ich versuche immer abzugeben. Und zu teilen. Und was du @Yang ansprichst mit deinen älteren Nachbarn, das finde ich so toll und wichtig. Ich sehe das bei uns. Meine beiden Nachbarn, die beide über 80 sind, haben mir vor kurzem gesagt, wie viel ihnen das bedeutet, dass ich ihnen immer wieder helfe und sie besuche. Weil ihre Kinder und Enkel alle zerstreut sind in verschiedenen Städten und Länder. Und dass sie sich sonst sehr verloren fühlen würden in dieser großen Nachbarschaft, wo vieles so anonym geworden ist im Laufe der ganzen Jahrzehnte, wo sie hier schon wohnen.
Man kann so viel bewegen und bewirken und wenn es nur im Kleinen ist. Und das ist besser, als gar nichts zu tun. Und große Dinge bewegen sich eher, wenn so viele Leute wie möglich an einem Strang ziehen und für die gleiche Sache einstehen.
Und das sehe ich auch so für mich bei Demos: da setze ich ein Zeichen. Ich bin dann eine, die da war. Und wenn jetzt z. B. 100 Leute denken "Warum sollte ich kommen?", dann wären es schon wieder 100 weniger. Und wenn ich dann super müde mit schmerzenden Füßen vom vielen laufen und stehen mich aufs Sofa liege, dann weiß ich, ich habe was gemacht. Und versucht ein Zeichen zu setzen.
Das kann auch echt viel bewirken: ich war mal auf einer Gegendemo, als die AfD bei uns war und dabei auch die ganz radikalen Rechten aufgekreuzt sind. Die Hassparolen und das volle Programm gefahren haben. Da waren auch Mitbürger, die ausländische Wurzeln hatten. Oder vor 10, 20, 30, 40 Jahren eingewandert sind und seitdem hier leben und arbeiten. Als sie die Gegendemonstranten gesehen haben, bei denen ich dabei war, haben manche von ihnen geweint. Weil sie so berührt waren, dass gegen die AfD und Hardcore-Nazis auch Deutsche demonstrieren und ein Zeichen für den Frieden setzen.