"Was bringt es, Glück als Ziel zu haben, wenn uns der Weg den wir dahin genommen haben im nachhinein unglücklich macht?
Beschränkt sich Glücklichsein bloß auf das Ziel Glücklich zu sein, oder ist der Weg zum Glück wichtiger?"
Die Frage, die Du aufwirfst, ist eines ausführlichen Nachdenkens wert. Danke für die Anregung, sich darüber einmal Gedanken zu machen.
Ich denke, optimal wäre es, wenn sowohl der Weg, als auch das Ziel einen glücklich machen würden. Aber das ist wahrscheinlich nur im Schlaraffenland so - also eine Utopie.
Wenn allerdings der Weg zum "vermeintlichen" Glück schon so steinig und schmerzhaft ist, sollte man sich die Frage stellen, ob das Ziel den Aufwand und die Strapazen wirklich wert ist. Vielleicht ist es das ja. Wenn man aber Zweifel hat, oder nicht mit den entsprechenden Ressourcen ausgestattet ist, das Ziel wirklich zu erreichen, stellt sich mitunter möglicherweise die Frage nach einer Korrektur des Zieles.
Ich denke auch, dass das Glück aus mehr oder weniger großen „Inseln“ besteht. Man könnte es möglicherweise nicht als solches erfassen, wenn es nicht doch auch sehr unglückliche Momente und längere Zeiträume geben würde, belastende und widrige Umstände und dergleichen.
Wenn wir uns sicher sein könnten, dass das anvisierte Ziel uns auch tatsächlich Glück beschert, wäre ein beschwerlicher Weg eventuell in Kauf zu nehmen. Was aber, wenn wir am Ziel angekommen sind und es macht uns doch nicht glücklich? Dann wäre es doch angenehmer gewesen, sich dem momentanen, „sicheren“ Glück zu widmen. Man würde es möglicherweise auch eher als solches erkennen und nicht mit Scheuklappen auf das anvisierte Ziel gerichtet, es nicht wahrnehmen.
Aber ich frage mich, ob man im Nachhinein wirklich unglücklich ist, über einen Weg, den man gegangen ist, wenn am Ende des Weges das Glück auf einen wartet. Ich denke eher, dass man unzufrieden ist, wenn sich herausstellt, das man mit dem erreichten Ziel nicht glücklich ist. Dann ist man im Nachhinein unglücklich, gerade diesen Weg gegangen zu sein. Sich falsch entschieden zu haben. Anders herum denke ich, dass die Strapazen eines schwierigen Wegen im Nu vergessen sind, wenn man am Ziel angelangt, wirklich glücklich ist.
Vielleicht ist es so: Glück ist wichtig und erstrebenswert. Wenn wir es durch einen guten Weg, der uns im Moment des Beischreitens glücklich macht erreichen, ist das Ziel (glücklich zu sein) bereits irgendwie erreicht. Da sollte man sich dann nicht unnötigerweise von einem Ziel „ablenken“ lassen. Denn wir haben das Ziel bereits erreicht. Wenn wir auf dem Weg zum Glücklichsein nicht glücklich sind, benötigen wir vielleicht als Kurskorrektur ein Ziel, in der Hoffnung, dass uns das erreichte Ziel Glück beschert.
Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich für einen glücklichen Weg entscheiden. Er ist sicherer. Vielleicht sieht er nur nach einem kleinen Spatz aus, ist in Wahrheit aber eine Taube.
😉
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Außerdem fällt mir dazu noch eine Geschichte von Heinrich Böll ein:
Weise Geschichten - Der zufriedene Fischer