Liebe Heidi,
Jetzt muss ich Dir doch mal den Kopf ein wenig grade rücken:
Wir sind alle noch so jung?
Freundin, gegen Dich bin ich Methusalem mit meinen 57 Jahren, Ich war 36 als ich mich von meinem Mann trennte und dadurch auch auf die Kinder verzichten musste. Ein Jahr später fing ein neues Leben für mich an. 36 empfand ich immer als DEN JAHRGANG für eine Frau.
Soviel zum Thema jung, Du Küken.
Du schreibst Du hast Angst vor professioneller Hilfe. Zeige mir die, die in Deiner Situation keine Angst davor hat.
Wenn Du selbst einmal Deinen ersten zaghaften Hilferuf an das Forum noch einmal liest und Deine Reaktion auf meine erste Anwort, glaubst Du nicht auch, dass Du seitdem schon einen Riesenschritt nach Vorne gemacht hast?
Keiner von uns kann Dir Deine Trostlosigkeit und Verzagtheit aus dem Herzen reissen. Es würde ein vielzu großen Loch hinterlassen, dass nicht zuheilen könnte, weil zuviel darin fehlt. Wenn aber auch Du erst einmal Schritt für Schritt, ganz vorsichtig die Dinge angehst, dann werden Trostlosigkeit und Verzagtheit in deinem Herzen kleiner werden und sich irgendwann in sehr viel Mut verwandeln.
Dazu aber müssen wir Dir ein Hilfsmittel an die Hand geben : die WUT!
Heidi, warum nur macht ihr alle den gleichen Fehler und fangt immer zuerst an, die Schuld bei Euch zu suchen. Himmel noch mal, grade das macht diese Schweine so stark, weil sie es schaffen, auch im Nachhinein noch, Euch zu erniedrigen, Euch alle Selbstachtung zu nehmen, euch von oben bis unten mit Ihrem Schmutz besudeln, dass ihr, wie winzige Mäuschen ja nicht auf die Idee kommt, die anderen seien im Unrecht und Ihr im Recht !!!!
Aber, zum Henker, Ihr seid im Recht!
Ihr tragt keine Schuld!
Ihr seid innerlich rein!
Ihr seid wertvoll!
Ihr habt ein Recht auf ein gutes Leben!
Ihr dürft zornig sein!
Ihr dürft anklagen!
Ihr dürft Euren Schmerz hinausschreien, damit die ganze Welt aufgerüttelt wird und die verfolgt, die Euch zerstören wollen.
Denn in meinen Augen ist eines sicher:
Ihr seid nicht zerstört, solange ihr mit der Außenwelt Kontakt haltet und dem Weg der kleinen Schritte folgt, seid ihr nicht zerstört.
Ihr werdet erst dann zerstört, wenn ihr kampflos den Tätern das Recht dazu einräumt, indem ihr euch verkriecht oder aufgebt.
Wie kann ich Euch nur von meiner Kraft abgeben?
Das einzige, was mir zu tun bleibt, ist, Euch immer wieder, jeden Tag auf Neue, den Rücken stärken, Euch Zuspruch geben, Euch erinnern, dass ihr immer wertvolle Menschen wart und es heute auch noch seid, Euch Wärme und Liebe geben, damit ihr Euch eines Tages auch wieder annehmen könnt und Euch liebt, so wie ihr von uns angenommen und geliebt werdet.
Ja, es stimmt, wir kennen Euch nicht, Ihr kennt uns nicht, jedenfalls nicht in der üblich gewohnten Weise. Ihr seht uns nicht, wir können Euch nicht sehen.
Und doch glaube ich, dass wir Euch mit unseren Herzen besser kennen, als Menschen in Eurer unmittelbaren Umgebung, dass wir Euch mit unserem Herzen und den inneren Augen sehen und Euch die Erschöpfung und Trauer aus dem Gesicht streichen.
Palomas wunderschöne Bitte um die Kunst der kleinen Schritte, hängt bereits ausgedruckt im Wohnzimmer über dem PC an der Wand.
Ich weiß, aus eigener Erfahrung, dass man sein Unterbewusstsein als Hilfsmittel einsetzen kann.
Druckt Euch auch diese Bitte aus und wenn ihr abends im Bett liegt, dann bittet Euer Unterbewusstsein ganz bewusst, Nacht für Nacht, immer wieder, den nächsten kleinen Schritt in Angriff zu nehmen, damit Ihr aufwachen könnt, mit der Gewissheit: Heute ist wieder ein kleiner Schritt nach vorne möglich, denn im Forum sind viele Helfer, die mich dabei unterstützen, die mich lieben, die mich nicht fallen lassen, die mir Kraft geben werden.
Und noch etwas, was Dir vielleicht ein kleines Stückchen Frieden schenken kann:
Vergib Deinem Freund, dass er Dich jetzt doch im Stich gelassen hat. Vielleicht braucht er aber nur eine Pause. Er ist keine Frau, er kann nur versuchen, sich in Deine Gefühle hineinzuversetzen. Er ist schlichtweg überfordert. Aber das hat nichts mit Schuld auf irgendeiner Seite zu tun, sondern nur mit Hilflosigkeit, Wut, Verzweiflung.
Verzeih ihm!
Selbst wenn er Dich tröstend in die Arme schließen wollte, könntest Du es denn ertragen?
Ihr braucht beide Zeit, mit den Veränderungen richtig umzugehen.
Heidi, ich habe es schon so oft in verschiedenen Themen als Trost mitgegeben:
Die beste Freundin in unerträglichen Zeiten ist die Zeit, denn sie weiß, dass sie im Endeffekt als Sieger hervorgehen wird und Ihr mit ihr.
Mach weiter, wie in den letzten Tagen, es ist ein guter Anfang.
Vor allem aber, vertrau Deinen Freunden hier im Forum, die keinen von Euch im Stich lassen.
Und der Mut zur professionellen Hilfe kommt ganz bestimmt. Lass die Zeit nur für Dich arbeiten.
Ich umarme Dich, und bitte die Freunde, laßt uns wie bei Roger und Angel jetzt all unsere Gedanken auf Heidi konzentrieren, damit die Kraft von uns überströmnen kann auf sie.
Ich reiche Euch die Hände, lasst uns ein Kraftfeld aufbauen und Heidi darin einschließen, denn meine Kraft sucht ein Ventil, also öffnet die die Leitungen und richtet sie auf Heidi.
Euer Luiserl