Hallo friek,
zu Deinem Beitrag Nr. 204: Dein Beitrag in Schwarz – mein Kommentar in Blau
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Glücklicher in einer Familie in der die Eltern sich nur im Wechsel streiten oder ignorieren und ganz sicher nicht mehr lieben? Wohl kaum.
Zudem löst sich die Familie durch Trennung ja nicht auf. Was soll denn ein getrennt lebendes Paar mit geteiltem Sorgerecht beispielsweise einem Kind nicht bieten können?
Ich unterscheide schon „gesunder Streit“ von „Krieg zwischen den Ehepartnern“. Im zweiten Fall ist schon viel Porzellan kaputt geschlagen worden. Ob die Ehe und damit die Familie noch zu retten ist, wäre auf den einzelnen Fall abzustellen und kann nicht allgemein beantwortet werden. Jedoch widerspreche ich sehr, dass eine Familie durch Trennung sich nicht auflöst bzw. ein Kind es ebenso gut bei getrennten Eheleuten hat, wie bei intakten Familien. Ich spreche nicht von essen und trinken. Da sehe ich jetzt nicht zwangsläufig den Unterschied. Aber was Familie ausmacht, ist das Zusammenleben, das ständige „automatische“ Erlernen des sozialen Umgangs zwischen Mama und Papa und evt. noch der Verwandten. Dieses Erlernen des sozialen Umgangs ist bei getrennt lebenden Eheleuten (Geschiedenen) einfach deutlich schlechter. In meinem familiären Umfeld lebt die Mutter alleine mit dem kleinen Sohn. Zwischen der Mutter und dem Vater (beide unverheiratet) gibt es keinen Streit – nur eben kein Zusammenleben. Der Vater ist sehr beschäftigt mit Aufbau seines sozialen und beruflichen Umfeldes und kommt besuchsweise oder holt den Kleinen ab. Insgesamt hat der Vater aber viel zu wenig Zeit für den Jungen. Der Kleine kann sich zu wenig vom Vater abgucken, die gemeinsame Zeit ist einfach zu kurz. Eine der Folge: Der Junge ist deutlich ängstlicher als gleichaltrige Jungs. Und von wem soll der Kleine lernen, wie ein Ehemann für seine Ehefrau zu sorgen hat? Der Aspekt Fürsorge, die Pflicht des Ehemannes, fällt als Lernbeispiel weitgehend aus dem Aufwachsen des Jungen weg.
Zudem hat Familie an sich erstmal keinen Wert. Es sind auch nur Menschen. Entweder man versteht sich oder eben nicht. Nur weil man blutsverwandt ist muss man nicht befreundet sein oder sich auch nur mögen. Freundschaft oder selbst Sympathie kann man nicht erzwingen, völlig egal ob man Kinder hat.
Oh doch! Familie hat einen sehr sehr hohen Wert. Familie ist viel mehr als nur die Summe verschiedener Einzelpersonen! Es ist das Erlernen und ständige Einüben von Geben und Nehmen in einer sozialen Gemeinschaft, das Erlernen von Verantwortung von Kindesbeinen auf, das Erlernen von Respekt. Alle sozial wichtigen Verhaltensweisen können sicher auch ohne und außerhalb von Familie gelernt werden, jedoch niemals so intensiv.
Natürlich kann man weder Liebe noch Sympathie oder Freundschaft erzwingen. Aber das Weglaufen ist kein Hilfsmittel, welches das Erlernen eines respektvollen Umgangs miteinander ersetzen kann. Ich definiere Liebe nicht als ein Hoch der Gefühle sondern als ein Hoch des Willens, alles zu tun, was dem Anderen und dem Zusammenleben gut tut: Respekt, Vertrauen, Treue, Fürsorge, Dankbarkeit, Zuhören, Pflichtbewusstsein, Ehrlichkeit …. Und ich behaupte: Ist das Hoch der Gefühle zwischen Eheleuten verloren gegangen, besteht Familie nur noch als Möbelgemeinschaft – aber die oben genannten Fakoren (Respekt, Vertrauen ….) sind vorhanden, dann haben auch die Liebe und das Hoch der Gefühle wieder eine Chance. Und diese Chance fällt weg, wenn sich Eheleute trennen.
Zudem wundere ich mich wirklich was für Vorstellungen ihr davon habt warum und wie schnell Leute sich trennen.
Die meisten Beziehungen, nicht mal Ehen, die ich gesehen hab waren laaaaaaange vor der eigentlichen Trennung, manchmal sogar schon Jahre lang völlig leer oder kaputt. Die meisten passen sich immer mehr an und schrauben ihre Ansprüche immer weiter runter bis es dann gar nicht mehr geht oder etwas schwerwiegenderes geschieht, oft irgendeine Form von Betrug. Selbst ohne Kinder. Nur ziehen sie es nicht mehr bis zum bitteren Ende durch, wie früher. In solchen Fällen sollte eben auch Hilfe von Außen ein Thema sein.
Von daher weiß ich echt nicht woher ihr diese Idee von wegen Wegwerfmentalität habt.
Wegwerfmentalität = wenn man sich durch Triebe und Gefühle zu Handlungen hinreissen lässt, das Ergebnis bereut und sich – wie bei einem voreilig gekauften Produkt – so schnell wie möglich trennt.
Aber ich stimme dir darin zu, dass das eigentliche Problem ist, dass die Leute nicht überlegt und mit kühlem Kopf an ihre Partnerwahl gehen. So unromantisch, dass auch klingen mag. Aber zu versuchen Leute zusammen zu halten, die einfach nicht zusammen passen, ist trotzdem sinnlos.
Auch macht Dein Beitrag nur deutlich, wie wichtig es ist, die Menschen zu schulen, was Ehe und Familie bedeuten und welche Überlegungen anzustellen sind, bevor man miteinander ins Bett steigt.
LG, Nordrheiner