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Corona und Depressionen

Silent_girl

Mitglied
Hallo liebe Forum Mitglieder,

macht euch die Corona Krise auch so extrem zu schaffen?

Ich weiß nicht mehr ein und aus.

Mein Partner und ich sind jetzt schon seit knapp vier Jahren zusammen, davon wohnen wir drei Jahre in einer gemeinsamen Wohnung. Anfangs war alles total toll. Wir konnten uns jeden Tag sehen und das Allein-Sein hatte ein Ende.
Nur leider gab es immer wieder Probleme mit seinen Jobs. Er kommt aus dem Iran und hat es deshalb schwer, etwas ''Gescheites'' zu finden. Das führte dazu, dass er oft zuhause ist und ich nie Zeit für mich alleine habe.
Vor zwei Jahren zogen wir in eine andere Stadt, geflüchtet vor meiner problematischen Familie. Auch hier hat sich die Jobsuche als schwierig erwiesen. Neue Freunde haben wir auch noch nicht gefunden.
Schon vor dem Corona Virus hat es mich also tierisch genervt, von der Arbeit nach Hause zu kommen und ihn immer dort anzutreffen. Ich bin ein Mensch, der seinen Freiraum und ab und zu auch mal seine Ruhe braucht. Das blieb mir die letzten Jahre leider verwehrt und er versteht es nicht!!
Ein Hoffnungsschimmer war, als er vor Kurzem eine Ausbildung zum Busfahrer beginnen konnte. Zwei Tage vorher wurde seine praktische Prüfung wegen dem Coronavirus abgesagt. ZWEI TAGE!!!
Aufgrund meines Jobs, muss ich Homeoffice machen. Das bedeutet, wir sehen uns jetzt 24 Stunden, 7 Tage die Woche und das noch...wer weiß wie lange..
Ich hoffe das wird jetzt nicht zu viel input, aber es spielt eine große Rolle in meiner jetzigen Situation:
Ich leide unter einer Depression und Angststörung. Im Moment ist das sehr stark ausgeprägt, weil mein Rhythmus total durcheinander geraten ist. Strukturen, wie meine Arbeit, gaben mir immer wenigstens ein Stückchen Sicherheit und den nötigen Abstand zu meinem Partner.
Es fällt mir jetzt schwer, meinen Tag selbst zu strukturieren. In den letzten Wochen musste ich jeden Tag weinen. Manchmal Minuten, an sehr schlimmen Tagen auch Stunden. Mein Freund verurteilt mich nicht dafür, er hat nur leider so gar kein Verständnis. Er kapiert nicht, dass die Situation wirklich schlimm für mich ist. Für ihn ist die Welt ein Ponyhof. Er denkt immer positiv und versucht mich permanent mich seinen Witzen aufzumuntern. Nur leider ist mir im Moment gar nicht zum lachen zu mute. Ich muss mir dann Sachen anhören, wie: ,,Du verstehst keinen Spaß!'' oder ,,Sei doch nicht so ernst!''
Eine tröstende Umarmung und ein offenes Ohr würden mir jetzt gerade viel mehr bringen. Oder einfach mal die Akzeptanz, mich in Ruhe zu lassen. Stattdessen fühle ich mich noch mehr unter Druck gesetzt, funktionieren zu müssen, so wie er mich jetzt gerade gerne hätte.
Ich kann diesem Druck nicht mehr lange Stand halten deshalb würde gerne deine Meinung dazu hören. Vielleicht hast du ja auch wertvolle Tipps für mich oder befindest dich in einer ähnlichen Situation.
Danke fürs Lesen!
 

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Katrin1964

Aktives Mitglied
Hast du es ihm mal gesagt, das du dir eine Umarmung wünscht und einfach mal garnicht reden . In der jetzigen Situation muss du dir einen Plan zulegen. Gehe zwischendurch mal an die frische Luft , gehe laufen, Spazieren. Hast du ein Auto? Dann fahre einfach mal eine Runde am Abend. Ich bin ganz allein und mir fehlt die Nähe zu den Kids. Man muss etwas kreativ werden, um die Situation zu überstehen.
 

Schroti

Sehr aktives Mitglied
Du schreibst, dass er Iraner ist und es deshalb schwer sei eine "gescheite Arbeit" zu finden. Nun, dann würde ich für den Übergang auch etwas weniger Gescheites nehmen. Kein Wunder, dass er dich nervt, wenn er als Witzemaschine 24/7 zuhause sitzt und dich anstrahlt.
Er kann den Pflegehelfer machen oder Regale einräumen. Das geht sicher auch als Iraner.

Wenn er mit dem Thema Depressionen nichts anzufangen weiß, kann er sich ja mal aufschlauen lassen. Du hast sicher einen Therapeuten, der soll ihn mal einführen in die Materie.
 
G

Gelöscht

Gast
Wenn er stundenweise einen Aushilfsjob machen würde, wäre ja die Situation schon etwas entspannt. Macht er gar nichts? Du kannst einen erwachsenen Mann ja schlecht für 2 Stunden zum Spazieren gehen schicken, aber ein Hiwi-Job müsste ja drin sein.
 

Silent_girl

Mitglied
Grüss Dich,

fragst Du, ob Du aktuell an Dir etwas ändern kannst oder ob man ihn ändern kann - und sich dadurch die Situation entspannt?
Erstmal danke für die schnelle Antwort!
Ich hasse mich selbst dafür, dass ich im Moment so mies drauf bin. Natürlich trifft mich eine große Schuld. Ich bin ja die jenige, die schlechte Laune verbreitet durch mein Rumgeheule. Da kann ich aber leider nichts für. Depression ist Depression. Die hab ich mir ja auch nicht ausgesucht. Er kann sein Verhalten schon ändern, indem er einfach versteht wie schlecht es mir geht und akzeptiert, dass ich manchmal einfach nicht reden und über seine Witze lachen kann. Dadurch würde mir eine große Last von den Schultern fallen.
 

Silent_girl

Mitglied
Grüss Dich,

fragst Du, ob Du aktuell an Dir etwas ändern kannst oder ob man ihn ändern kann - und sich dadurch die Situation entspannt?
Hast du es ihm mal gesagt, das du dir eine Umarmung wünscht und einfach mal garnicht reden . In der jetzigen Situation muss du dir einen Plan zulegen. Gehe zwischendurch mal an die frische Luft , gehe laufen, Spazieren. Hast du ein Auto? Dann fahre einfach mal eine Runde am Abend. Ich bin ganz allein und mir fehlt die Nähe zu den Kids. Man muss etwas kreativ werden, um die Situation zu überstehen.
Danke für deine Antwort!
Ich sage ihm immer wieder, dass es mir nicht gut geht und ich nicht reden kann bzw keine Kraft dazu habe. Für einen kurzen Moment akzeptiert er es dann auch. Doch oft dauert es nicht lange, bis er mir wieder hinterher rennt und mich vollquatscht. Wenn ich dann nur monotone Antworten, wie ''Okay'' oder ''Ja'' gebe, geht das Gefrage wieder los:,,Was ist los mit dir? Habe ich etwas falsch gemacht? '' usw.
Am Tag gehe ich mindestens einmal raus an die frische Luft, um dieser Situation zu entgehen. Gestern bin ich sogar drei Stunden spazieren gegangen. Das tat richtig gut doch sobald ich wieder zuhause bin, geht der Druck wieder los.
 

Silent_girl

Mitglied
Du schreibst, dass er Iraner ist und es deshalb schwer sei eine "gescheite Arbeit" zu finden. Nun, dann würde ich für den Übergang auch etwas weniger Gescheites nehmen. Kein Wunder, dass er dich nervt, wenn er als Witzemaschine 24/7 zuhause sitzt und dich anstrahlt.
Er kann den Pflegehelfer machen oder Regale einräumen. Das geht sicher auch als Iraner.

Wenn er mit dem Thema Depressionen nichts anzufangen weiß, kann er sich ja mal aufschlauen lassen. Du hast sicher einen Therapeuten, der soll ihn mal einführen in die Materie.
Danke für deine Antwort!
Das mit dem Aushilfsjob habe ich ihm auch schon vorgeschlagen. Er wartet aktuell auf das Kommando seiner Fahrschule, dass es weitergehen kann. Danach kann er direkt bei einem Busunternehmen anfangen. Heute hat meine neue Psychiaterin vorgeschlagen, ihn beim nächsten Termin über Depressionen aufzuklären. Da sehe ich jetzt einen kleinen Hoffnungsschimmer.
 

BunteFarben

Mitglied
Vielleicht kannst du deinen Freund mal mitnehmen zu einem Termin mit deiner Psychaterin und sie erklärt ihm dann wie das ist an Depressionen zu leiden? Wie er dich am besten unterstützen kann wenn es dir gerade schlecht geht.

Möchte dein Freund dich vielleicht mit seinen Witzen einfach nur aufheitern? Er weiß vielleicht gar nicht das dir das in der Situation nicht hilft. Ich glaube nicht das er sein Verhalten böse meint oder nicht weiß wie es in der Welt zugeht. Wenn er immer nur in der Ecke sitzt und jammert wie ungerecht die Welt ist dann ändert sich sich nichts an seiner Situation. Im Gegenteil sie wird nur schlimmer, wenn er auch noch alles schwarz sieht.

Sag ihm wie du dich fühlst. Das du dir in dem Moment keine Witze sondern eine Umarmung wünscht. Das er dir zuhört und einfach nur für dich da ist.
 

Bodenschatz

Aktives Mitglied
Erstmal danke für die schnelle Antwort!
Ich hasse mich selbst dafür, dass ich im Moment so mies drauf bin. Natürlich trifft mich eine große Schuld. Ich bin ja die jenige, die schlechte Laune verbreitet durch mein Rumgeheule. Da kann ich aber leider nichts für. Depression ist Depression. Die hab ich mir ja auch nicht ausgesucht.
Da ich aktuell davon ausgehe, dass es einfacher ist, dass Du Dich änderst als dass Du ihn zu ändern versuchst, stelle ich Dir eine böse Frage:
Wäre die Situation anders bzw besser, wenn Du keine Depression hättest?

Die Antwort hast Du bereits geschrieben.

Bezüglich Krankheit ja oder nein bist Du so weit, dass Du beschreibst, eine Depression zu haben.
Wenn ja, so ist dies der erste wichtige Schritt!

Du schreibst nämlich nicht, dass Du oft traurig bist und keine Ahnung hast, warum.

Du kannst dich dazu entschließen, dass du damit leben willst oder dass Du ohne es leben willst.

Wenn Du zurück denkst an die Zeit, als es noch keine Depression gab, und wenn Du meinst, die zeit damals war schöner, dann entschließe Dich dazu, zu diesem Zustand zurück zu finden.

Ich hab anlässlich Deines Beitrag einen thread im Bereich "Gesundheit" eröffnet, den du gerne lesen magst:
"DEPRESSION - Autoren beschreiben ihre Überwindungsstrategien".

Schau hinein, lies Dir die Beiträge sorgfältig durch, suche Parallelen zu Deinem Leben und probiere Dinge aus, die anderen vor Dir zu Erfolgen geführt haben.
Schließlich hast Du dabei nichts zu verlieren.
Gewinnst du so an Lebensqualität, so danke ich dort für ein kurzes feedback.
LG!
 

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