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Und was für mich - ich würde mich übrigens weder als gläubig noch als nicht gläubig "einsortieren" - prinzipiell ein Problem darstellt, das ist der christliche Standpunkt, jeder, der diesen Glauben nicht annehme, sei sozusagen "verloren". Das kommt, wie man es auch dreht und wendet, einfach "überheblich" rüber... es separiert. Und das ist ein ganz grundlegender Unterschied in den Sichtweisen von Christen und Nichtchristen. Letztere erhöhen sich durch ihren Nichtglauben an die christliche Lehre ja nicht, stellen sich nicht als etwas "Besseres" dar, erheben nicht den Zeigefinger und postulieren nicht aufgrund ihres Standpunktes ein "ewiges Leben" für sich... Christen aber schon. Das provoziert schon allein durch die bloße Aussage, die dahintersteckt... selbst wenn derjenige, der diese Einstellung vertritt, es auch noch so gut meint.
Von Überhöhung kann in keinster Weise die Rede sein (dass das so bei manchen ankommt, ist wohl so, wobei ich das allerdings in keinster Weise an dem TON, den die Christen, die für mich nachvollziehbar solche sind, verwenden, festmachen kann. Dass es "fromme Kaspernasen" gibt, die da was mißverstanden haben und nun denken, die theologische Ausschliesslichkeitslehre würde ebenfalls beinhalten, dass sie den "richtigen" Glauben haben und dadurch "was Besseres" seien als "Nichtgläubige", ist wieder ein anders Thema, welches jedoch durch gründliche Alphabetisierungsmaßnahmen einerseits und klare Verkündigung eines Evangeliums "im Sinne seines Erfinders" andererseits nach und nach eindämmbar werden solte). Nein, ein Christ im Vollsinn des Wortes KANN GAR NICHT Einteilungen in selbiger Weise vornehmen, da ihm per definitione JEDES Leben heilig ist, der Wert jedes einzelnen Menschen SO HOCH ist, dass der eines (ansichtskompatibleren) Mitmenschen unmöglich höher sein kann (weshalb ich persönlich die Zusammentreffen von Jesus und lieben Damen aus dem "Rotlichtmilieu" der damaligen Zeit so toll finde . . . WER da von ihm links liegen gelassen wurde (auch dies keine Ablehnung, wohl aber eine kaum überhör- bzw. überlesbare ZURECHTWEISUNG!), das sind nicht die "bösen Sünderlein", sondern die, die sich eben kraft ihrer Religiosität als was besseres fühlten). Nein, kein Raum für Superioritätslover, in welcher Form auch immer.
Und, man kann noch so viel darüber diskutieren, dass man christlichen Glauben ja auch ganz anders leben und interpretieren kann... aber für mich passt das nicht. Wenn man die christliche Lehre für sich erweitert, relativiert, verändert und anpasst, dann ist man eben nicht in konservativem Sinne ein gläubiger Christ. Wenn man aber letzteres für sich in Anspruch nimmt, muss man sich streng nach der Bibel richten... und wenn man das tut (selbst wenn man das Alte Testament mal außer Acht lassen würde), dann ist die Botschaft völlig klar, und Kollision mit Nichtchristen schlichtweg vorprogrammiert. Man denke nur an Aussagen bezüglich spezieller Gruppen, z.B. den Status von Frauen oder Homosexuellen betreffend.
Wo is das Prob mit Frauen? Selbige Gruppe stellt etwas mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, leistet wahrscheinlich etwas mehr als den damit in Verbindung stehenden prozentualen Anteil aller zu verrichtenden Tätigkeiten, und ist, so weit ich das überblicke, für so ziemlich jedes Amt genauso geeignet (oder, wenn doof, genauso ungeeignet) wie ein vergleichbares männliches Wesen. Dass es da immer noch einige wenige "einsichtsresistente" Kirchen gibt, ist wohl so, aber letztlich eine aussterbende Spezies (wenn auch tapfer gegen dieses Aussterben aufbegehrend). Ich bin für die Gleichberechtigung der Frau, nicht obwohl ich Christ bin, sondern WEIL ich Christ bin!
Und wo is das Prob mit Homosexuellen? Natürlich gibt es etliche unter denen, deren Lebensentwurf ich nicht nacheifern würde, bin mir jedoch keineswegs sicher, ob der Schnitt der als nacheifernswert befundenen Lebensmodelle unter "Heteros" auch nur um 1 Prozent höher liegt. Ausserdem: es gibt ja mittlerweile recht starke innerkirchliche Bewegungen, die pro-eigenverantworteter Sexualität sind, beispielsweise "Zwischenraum" u.ä.. Ebenso ist beispielsweise die alt-katholische Kriche komplett integrativ ausgerichtet und sagt "Was ihr in der Kirche macht, geht uns was an, und wie ihr Euch GENERELL in der Öffentlichkeit benehmt, sollte Euch als Christen wichtig sein, aber was in Eurem Schlafzimmer abgeht, ist komplett Euer Ding, da intim und in Eurer Verantwortung". Und: mein engster und langjährigster Freund hatte vor einigen Jahren sein coming out. Hatte an unserem Miteinander nichts verändert. Warum auch? Natürlich diskutieren wir einiges kontrovers, unter anderem auch "Sexkrams", na und? Käme nie auf die Idee, hieraus irgendwelche "Umgangspräferenzen" ableiten zu wollen. Er ist nach wie vor einer der genialsten Leuts, die ich kenne, und auch nich mehr Banane als VOR seinem coming out!
Oder das "Missionieren", das gehört nämlich sehr wohl zwingend dazu... wer meint, seinen Glauben einfach nur für sich leben und nicht verbreiten zu müssen, der folgt dann eben nicht der eigentlichen christlichen Lehre. Und, für mich die entscheidendste, weil universell alle "Ungläubigen" betreffende Botschaft: Wer diesen Glauben nicht annimmt, wird am jüngsten Tag von Gott gerichtet und mit Verdammnis bestraft werden.
Weit verbeitetes Mißverständnis. Missionieren: nein (Erfindung einer dunklen kirchengeschichtlichen Phase, als SCHEINBAR christliche Führer ihre Machtbereiche mittels missbräuchlicher Anwendung der "Zeugnisbereitschaft" ihrer untergebenen Schäfchen auszudehnen suchten. Wohlgemerkt: WELTLICH gesinnte Wölfe im Schafspelz suchten mittels "fromm getarnter WELTLICHER Methoden" ("Deus vult!" etc.) nach Mehrung ihrer WELTLICHEN Macht!). Evangelisieren: ja (es heisst, "Wenn Euch jemand fragt nach der Hoffnung, welche in Euch lebt, so seid jedermann jederzeit zur Auskunft bereit!". Selbiges setzt ein Interesse des Gegenübers voraus bzw. zumindest muss das Thema eben irgendwie Thema geworden sein, OHNE dass der Gläubige dies "hinterlistig forciert" hat). Sprachlich ein kleiner, in seiner Auswirkung jedoch ein GEWALTIGER Unterschied!
Auch das "Höllendings" ist keineswegs so simpel betrachtbar, sagt die Bibel doch klipp und klar, dass selbige nicht für Menschen, sondern für "lebensfeindliche Mächte und Gewalten" gedacht sei. Ergo müsste, damit überhaupt ein Mensch in den "Genuss" selbiger kommt, sich dieser schon heftig und rückhaltlos ebendiesen "Mächten und Gewalten" verschrieben haben . . . ein blosses Nicht-gänzlich-hardcorechristlich-unterwegs-gewesen-sein will mir da verdammungstechnisch nicht als ausreichendes Kriterium erscheinen. Letztlich bleibt dies aber ohnehin ein nicht gänzlich theologisch abklärbares Phänomen (göttliche Absicht???), da Jesus BEIDE Äusserungen tätigte: sowohl das "Wer nicht für Euch ist, der ist gegen mich!", als auch das "Wer nicht gegen Euch ist, der ist für mich!" . . . ergo ein Mysterium bzw. Paradoxon. Meine höchstpersönliche Überzeugung, warum dies so "schwammig" gehalten ist: weil Gott nicht möchte, das wir uns mit derlei dumpfbackigen "wer is drin, wer is draussen?"-Spielchen beschäftigen, sondern sehr viel lieber sähe, dass wir uns um unsere Nächsten kümmerten, Liebe in eine liebesbedürftige Welt brächten, "Frömmigkeitsformen", die andere begeistern und inspirieren und nicht etwa ankäsen, entwickelten, . . . letztlich: schlichtweg praxisorientiert dem Modell von Jesus nacheiferten, anstatt uns mit vagem, theologischen Krams rumzuschlagen (bereits die 2 Apostel, die doof genug waren, Jesus in ihr "Wer wird der Größte im Himmelreich sein?"-Spielchen involvieren zu wollen, haben dafür exakt DIE Abfuhr kassiert, die sie brauchten, um von dem Trip wieder runterzukommen!). 😀
Von Christen wird diese Grundaussage vielleicht nicht als "Anfeindung" verstanden... für Nichtchristen ist sie das de facto aber. Und auch wenn die Reaktionen manchmal auch noch so ruppig und verletzend sein mögen... eine entsprechende grundsätzlich herabwertende Aussage von "Ungläubigen" gegenüber Christen gibt es eben einfach nicht.
DARÜBER könnte man jetzt diskutieren, werde ich aber nicht. Fakt ist: ich könnte ein Buch schreiben, nur mit den Äusserungen / Herabwürdigungen gefüllt, die ich in nunmehr 26,16 Jahren Christsein entweder selbst abbekommen habe oder miterlebt habe, wie andere derart gedisst wurden. Ich beschwere mich nicht drüber. Manche dieser Statements waren vielleicht "verdient", andere definitiv nicht . . . is mir wurscht. Was dem Einen sein Schimpfwort, ist des Anderen "Ehrentitel"! 😎
Das ist ein nicht zu lösender Konflikt, man kann, beim besten Willen, in diesem Punkt nicht auf einen Nenner kommen... und für mich ist dies einer der Hauptgründe für Konflikte in Glaubensdiskussionen.