Hallo Drea,
ich lese hier schon eine längere Zeit still mit, und Dein Thema berührt mich, da ich ähnliches wie Du mitgemacht habe.
Ich habe meinen Mann, mit dem ich dieses Jahr 11 Jahre zusammen bin (oder war) vor 2 Jahren geheiratet, und er war die Liebe meines Lebens. Wir haben perfekt harmoniert, fast nie Streit und hatten dieselben Wünsche und Pläne - also ganz ähnlich, wie bei Dir...
Letztes Jahr im Sommer fingen dann die "Unruhen" an. Wir mußten wegen plötzlich bei ihm auftretender Panikattacken unseren Sommerurlaub nach nur einer Woche abbrechen, und sind zum durchchecken in eine KLinik gefahren. Dort wurden dann Depressionen diagnostiziert, und ihm angeraten, 6 Wochen stationär zu gehen. Das kam natürlich für ihn überhaupt nicht in Frage, denn so eine Krankheit hat "Mann" ja nicht...
Wieder zu Hause wurde die Situation derart schlimm, dass er mit Selbstmordgedanken aus dem Büro heimkam (er hatte damals riesige berufliche Probleme) und ich Angst hatte, ihn tagsüber alleine zu lassen. Gott sei Dank (dachte ich) begab er sich dann zu einem Therapeuten in Behandlung, welcher ihm AD verschrieb. Und ich dachte - gemeinsam schaffen wir alles.... Zunächst sind wir davon ausgegangen, dass er an einem Burn-Out Syndrom leidet, und alles mit einem Jobwechsel und guter Therapie in den Griff zu bekommen ist. Doch eines abends saß er vor mir, und erklärte mir, dass er nicht glauen würde, dass es an seinem Job liege (denn dann sei er arbeitsunfähig) sondern an uns... er liebe mich nicht mehr, und sei Depressiv, weil er mir nicht das geben kann, was ich verdiene, und er nicht mit ansehen könne, wie ich leide...(wie widersprüchlich ist das denn?) in dem Moment ist mir - glaube ich - sämtliches Blut in den Adern gefroren, und ich habe mich selbst nicht mehr gespürt.....
Danach ging alles bergab. Ich hatte mir selbst professionelle Hilfe gesucht, und Gott sei Dank jemanden gefunden, der mir gesagt hat, dass es eine "Nebenwirkung" von Depressionen sei, wenn der Depressive keine Liebe mehr empfindet - und das diese nach Heilung wiederkommen würde. Doch auch dies überzeugte meinen Mann nicht. Er zog im November zunächst probeweise aus, denn auch er wollte herausfinden, was er an mir hat. Ursprünglich wollten wir uns für 2 Monate weder sehen noch hören, doch nach nur einer Woche schlich es sich so ein, dass er jeden Sonntag bei mir übernachtete - und ich habe im Nachhinein den Fehler gemacht, immer für ihn da zu sein, wenn er rief... Er hatte also niemals das Gefühl, dass ich weg bin, sondern er hatte im Grunde ein Leben für seinen Zustand nach Maß... seine Ruhe, wenn er sie wollte, und eine Schulter zum Anlehnen wenn er sie brauchte - und vor allem keine Verantwortung mehr...
Inzwischen haben wir uns an Ostern entgültig getrennt. Er ist nicht einsichtig, eine Therapie zu machen, und hat inzwischen eine immense Persönlichkeitsveränderung durchlebt. (so weiß ich, dass er u.a nächtelang mit 20-jährigen chattet etc.... eine Sache, die früher ein absolutes Tabu für ihn gewesen wäre..) Ich bin mir inzwischen sicher, dass er manisch-depressiv ist. Auch hat er sich nach unserer Trennung relativ schnell "getröstet", und ist als allererstes mit seiner neuen Freundin in das Hotel gefahren, in welchem wir vor 2 Jahren auf Hochzeitsreise waren...(und auf der Fahrt dorthin hat er mir eine SMS mit den Worten - ich liebe Dich mehr, als ich zugeben kann, aber ich bin nicht gut für Dich, also meide mich - geschrieben)
Was ich Dir eigentlich damit sagen möchte... solange ER nicht bereit ist, an sich zu arbeiten, kämpfst Du gegen Windmühlen. Jeder Brief, und jedes Wort versickert im Boden, und DU mußt für Dich zusehen, dass Du Dich nicht von ihm aussaugen lässt. Ein Freund von mir hatte mir damals gesagt, dass ich ihm und evtl unserer Beziehung nur helfen kann, wenn ich ihn wie eine heiße Kartoffel fallenlasse, da er wenn, dann nur dann ggfs eine Notwendigkeit sieht, selbst zu handeln. Leider habe ich diesen Ratschlag nicht befolgt, und war wie gesagt immer zur Stelle, wenn er mich brauchte... Ich habe lange wie eine Löwin gekämpft - doch leider vergebens.
Nun habe ich den Kontakt abgebrochen, und ich kann trotz der vielen Verletzungen, die vorgefallen sind nicht ganz loslassen, da ich aufgrund seiner Krankheit keine wirkliche Wut auf seine Person entwickeln kann... (ich versuche es aber ;-) )
Schreib keinen Brief - laß ihn spüren, wie es ist, wenn Du tatsächlich weg bist. Vielleicht habt ihr dann eine Chance -ich wünsche es mir für Dich von Herzen!!
Liebe Grüße
Katrin