Wow!
Einige Ansichten sind ja sehr abenteuerlich hier...
Ich behaupte ein wenig Ahnung von der Materie "Vermietung" zu haben, da ich für eine Wohnungsbaugenossenschaft arbeite und privat in meinem eigenen 3-Familienhaus wohne, in dem ich eine Wohnung selbst nutze, eine vermiete und eine leerstehend ist (gewollt).
Grundsätzlich möchte ich erst mal anmerken, dass die Vermietung von Wohnraum recht strengen Regeln und Gesetzen unterliegt, die in den meisten Fällen den Schutz des Mieters im Fokus haben, nicht den des Vermieters.
Meiner Meinung nach genießt eine Mietwohnung in Deutschland einen viel zu geringen Wert in der Gesellschaft und beim Mieter selbst. Ich verallgemeinere nun etwas, aber bei vielen Menschen hat zum Beispiel ein schickes Auto einen deutlich höheren Stellenwert als die eigenen (gemieteten) vier Wände. Das diese vier Wände oftmals der Lebensmittelpunkt von einem selbst und seiner ganzen Familie sind, wird höchstens beiläufig zur Kenntnis genommen. Ich persönlich habe öfter gehört: "Wow, toll, dass du deinen alten Skoda gegen einen schicken neuen Audi getauscht hast" als "Wow, super 3-Zimmerwohnung, ich hätte dich eher für den 2-Zimmer-Typen gehalten".
Nun zu den Themen:
Mietkaution
Eine Mietkaution muss immer gesondert vom privaten oder geschäftlichen Vermögen aufbewahrt werden. Natürlich gibt es hier private Vermieter, die sich nicht daran halten, aber das entspricht nicht der Rechtsprechung und kann im Zweifel zu Strafen führen. Genau wie der Diebstahl eines Autos.
In der Regel sind es drei Kaltmieten, die als Kaution abgemacht werden, wenn man den Gegenwert einer Wohnung heranzieht ein faires Angebot, denke ich.
Der Vermietungsprozess oder der Striptease vor dem Vermieter
Ja, es werden immer mehr Informationen und Daten vom Mieter oder Mietinteressenten abgefordert. Dies soll aber wenigstens zu einem gewissen Teil das Sicherheitsbedürfnis des Vermieters befriedigen.
Privat sehe ich den Mieter 1-2 x vor Vertragsabschluss. In dieser Zeit muss ich mir ein Bild von ihm, seinen Wertvorstellungen, seinen Einkommensverhältnissen, usw. machen, da ich mich für oder gegen ihn entscheiden muss. Beruflich sehe ich den Mietinteressenten eventuell einmal öfter, aber auch hier kann ich mir nicht unbedingt ein wahrheitsgemäßes Bild machen. Da sind die letzten 3 Gehaltsnachweise, eventuell der Arbeitsvertrag, um eine mögliche Befristung festzustellen, eine Schufa-Auskunft und ein paar persönliche Daten um überhaupt den Kontakt halten zu können, nicht zu viel verlangt.
Dieses Bedürfnis nach Sicherheit ist in den letzten Jahren auf der einen Seite durch immer strengere Gesetze dem Vermieter gegenüber und auf der anderen Seite durch die Gleichgültigkeit vieler Mieter gegenüber der Mietsache und dem Vermieter entstanden. Autokredit ist Ehrensache, wenn ich den nicht bediene ist das Auto schnell weg. Onlinebestellung auf Raten muss auch bedient werden, sonst kann ich nicht mehr bestellen und es gibt sehr schnell einen negativen Eintrag in der Schufa. Handyvertrag ebenso. Schnell was in der Schufa und ohne Handy sind einige Leute nicht mehr lebensfähig.
Aber was will der Vermieter schon machen… Die ersten beiden Mieten kann er mahnen, mehr nicht. Ab der dritten Miete darf er fristlos kündigen. Jetzt zahle ich 150 €, dadurch beweise ich Zahlungswillen, die Kündigung ist wirkungslos. Und so geht es lange weiter. Fristlos gekündigt ist auch nicht gleichbedeutend mit ausgezogen. Ich als Vermieter muss jetzt erstmal die Räumungsklage einreichen. Das dauert. Miete fließt weiterhin nicht. Räumungsurteil steht endlich, ich darf meine Wohnung betreten. Alles noch voll und eingeräumt, nur vom Mieter keine Spur. Wer jetzt den Sperrmüll bestellt liegt wieder falsch. Der Vermieter muss die Habseligkeiten von seinem Mieter einige Zeit auf eigene Kosten einlagern. So vergeht Monat um Monat. Ist der Mieter arbeitslos oder in Privatinsolvenz sehe ich davon nie auch nur einen Euro. Selbst wenn die Wohnung nicht verwüstet ist, bleibe ich auf einigen tausend Euro sitzen. Die Kaution deckt nun die ersten drei fehlenden Mieten ohne Nebenkosten. Alles andere ist mein persönliches Problem. Wenn jetzt noch mutwillig Schäden an der Wohnung verursacht wurden, bin ich im 5-stelligen Bereich.
Einige verleihen ungern ihr eigenes Fahrrad an Bekannte oder Freunde (Wert: 200-1.000 €), hier geht es um die Herausgabe einer Wohnung an eine meist völlig fremde Person (Wert: 50.000 - 150.000 €), um das einmal ins Verhältnis zu bringen.
Klar, für die Wohnung bekomme ich Miete. Viele private Vermieter können mit der Miete noch nicht mal die laufenden Kosten für die Wohnung decken. Kommen hier noch 2-3 Monate Leerstand dazu, ist es ein Minusgeschäft. Private Vermieter haben oft nur wenige bzw. eine Wohnung. Diese soll als Altersvorsorge dienen. Entweder wird sie im Alter selbst bezogen oder ist bis zur Rente abbezahlt und bessert durch die Mieteinnahmen die karge Rente auf. Eigentlich sollten diese Mitmenschen gefeiert werden. Sie haben sich für keinen Riester-Sparplan oder Kapitallebensversicherung als Altersvorsorge entschieden, sondern mit der zu vermietenden Wohnung anderen Menschen Wohnraum zur Verfügung gestellt. Einige Leute in Ballungszentren verstehen, wie begehrt Wohnraum unter Umständen sein kann. Wenn man sich hier nur einmal beim Mieter vergreift, kann eine ganze Altersvorsorge den Bach runter gehen.
Um nun den Bogen zur Eingangsfrage zu spannen: Ja, in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt ist es schwer eine Wohnung zu bekommen. Hier muss man unter Umständen auch als Mieter mehr bieten als im tiefsten Sachsen. Wenn sich hier ein privater Vermieter durch eine Bürgschaft zusätzlich absichern will, so ist das weder eine Schande noch verwerflich oder gar kriminell. Der Vermieter möchte sich damit gegen einen hohen finanziellen Schaden zumindest etwas absichern. Die Frage, die noch offen bleibt, wie hoch ist die Miete für die du hättest einen Bürgen liefern sollen? Wenn diese 1/3 deines Netto-Einkommens überschreitet, würde ich ebenfalls um eine Bürgschaft bitten.
Ein paar Bemerkungen zu zum Teil sehr unqualifizierten Beiträgen:
Nein, nicht alle privaten Vermieter sind reiche Leute. Wie schon erwähnt, ist es bei einigen Menschen ein Baustein der Altersvorsorge.
Wenn sie das Risiko der Vermietung nicht eingehen wollen, sollen sie es lassen. Diese Anmerkung findet tatsächlich Gehör. Dumm nur, dass dadurch einem sehr geringen Angebot an Wohnungen weitere Wohnungen entzogen werden.
Eine Kaution ist weder ein Kredit für den Vermieter noch etwas ähnliches. Es ist totes Kapital, was er zu üblichen Marktbedingungen anlegen muss und nach Ende des Mietverhältnisses zurückzahlen muss, sofern keine Forderungen bestehen.
Ein Verkauf einer Wohnung oder eines Hauses bricht keine Mietverträge. Diese müssen von den neuen Eigentümern zu gleichen Konditionen übernommen werden.
Schufa-Auskünfte werden gewinnbringend weiterverkauft. Super Geschäftsidee. Wenn ich als Vermieter nach Einwilligung des potentiellen Mieters eine Schufa-Auskunft einhole, muss ich diese bezahlen. Auch bei Credit-Reform sind Anfragen kostenpflichtig.
Viele Grüße
Greeni