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Bürgschaft bei Wohnung??? ist doch übertrieben???

Hallo

Leider wohne ich im Rhein- Main Gebiet, einer der teuersten Adressen überhaupt. Da bezahlen viele für 30m² ca 500 € warm!!! Ich kenne viele die sich die Wohnung mit Wohngeld leisten, das kommt für mich auch nciht in Frage.

Ich verdiene ca zwischen 1300 - 1400€ Netto. Mann muss hier Spitzenverdiener sein, oder zu 2 sich eine Wohnung leisten

500 warm für 30 qm sind 400 kalt, also 13.30 euro netto pro qm. In meiner stadt bekommt man dafür keine wohnung, ich finde nicht, dass man sich über so eine miete beschweren kann.

Und selbst in den städten der armen ländern wie lissabon oder budapest wären solche mieten echt niedrig. Manchmal klagen wir deutschen einfach auf sehr hohem niveau.
 
Bei der Zahlungsmoral die mittlerweile auch in Deutschland zugegen ist, braucht man sich über die bestmögliche Absicherung von Verkäufern / Vermietern oder anderen, aber auch nicht wundern.

Genau so ist es! Es ist richtig krass, wie viele leute sich in der dauerpfändung mit P-konto eingerichtet haben und keinerlei schlechtes gewussen haben, ihre schulden nicht zu zahlen. Vor 30 jahren war es noch eine echte schande. Die schufa und die bürgschaften sind nur die reaktion der normaken bürger auf diese verhaltensweisen von mittlerweile 15% der bevölkerung. Je assozialer sich diese 15% verhalten, dest mehr werden die zügel angezogen, eine ganz normale wechselwirkung, die in allen ländern auf der ganzen welt zu beobachten ist.
 
Wow!

Einige Ansichten sind ja sehr abenteuerlich hier...

Ich behaupte ein wenig Ahnung von der Materie "Vermietung" zu haben, da ich für eine Wohnungsbaugenossenschaft arbeite und privat in meinem eigenen 3-Familienhaus wohne, in dem ich eine Wohnung selbst nutze, eine vermiete und eine leerstehend ist (gewollt).

Grundsätzlich möchte ich erst mal anmerken, dass die Vermietung von Wohnraum recht strengen Regeln und Gesetzen unterliegt, die in den meisten Fällen den Schutz des Mieters im Fokus haben, nicht den des Vermieters.

Meiner Meinung nach genießt eine Mietwohnung in Deutschland einen viel zu geringen Wert in der Gesellschaft und beim Mieter selbst. Ich verallgemeinere nun etwas, aber bei vielen Menschen hat zum Beispiel ein schickes Auto einen deutlich höheren Stellenwert als die eigenen (gemieteten) vier Wände. Das diese vier Wände oftmals der Lebensmittelpunkt von einem selbst und seiner ganzen Familie sind, wird höchstens beiläufig zur Kenntnis genommen. Ich persönlich habe öfter gehört: "Wow, toll, dass du deinen alten Skoda gegen einen schicken neuen Audi getauscht hast" als "Wow, super 3-Zimmerwohnung, ich hätte dich eher für den 2-Zimmer-Typen gehalten".

Nun zu den Themen:

Mietkaution
Eine Mietkaution muss immer gesondert vom privaten oder geschäftlichen Vermögen aufbewahrt werden. Natürlich gibt es hier private Vermieter, die sich nicht daran halten, aber das entspricht nicht der Rechtsprechung und kann im Zweifel zu Strafen führen. Genau wie der Diebstahl eines Autos.
In der Regel sind es drei Kaltmieten, die als Kaution abgemacht werden, wenn man den Gegenwert einer Wohnung heranzieht ein faires Angebot, denke ich.

Der Vermietungsprozess oder der Striptease vor dem Vermieter
Ja, es werden immer mehr Informationen und Daten vom Mieter oder Mietinteressenten abgefordert. Dies soll aber wenigstens zu einem gewissen Teil das Sicherheitsbedürfnis des Vermieters befriedigen.

Privat sehe ich den Mieter 1-2 x vor Vertragsabschluss. In dieser Zeit muss ich mir ein Bild von ihm, seinen Wertvorstellungen, seinen Einkommensverhältnissen, usw. machen, da ich mich für oder gegen ihn entscheiden muss. Beruflich sehe ich den Mietinteressenten eventuell einmal öfter, aber auch hier kann ich mir nicht unbedingt ein wahrheitsgemäßes Bild machen. Da sind die letzten 3 Gehaltsnachweise, eventuell der Arbeitsvertrag, um eine mögliche Befristung festzustellen, eine Schufa-Auskunft und ein paar persönliche Daten um überhaupt den Kontakt halten zu können, nicht zu viel verlangt.

Dieses Bedürfnis nach Sicherheit ist in den letzten Jahren auf der einen Seite durch immer strengere Gesetze dem Vermieter gegenüber und auf der anderen Seite durch die Gleichgültigkeit vieler Mieter gegenüber der Mietsache und dem Vermieter entstanden. Autokredit ist Ehrensache, wenn ich den nicht bediene ist das Auto schnell weg. Onlinebestellung auf Raten muss auch bedient werden, sonst kann ich nicht mehr bestellen und es gibt sehr schnell einen negativen Eintrag in der Schufa. Handyvertrag ebenso. Schnell was in der Schufa und ohne Handy sind einige Leute nicht mehr lebensfähig.

Aber was will der Vermieter schon machen… Die ersten beiden Mieten kann er mahnen, mehr nicht. Ab der dritten Miete darf er fristlos kündigen. Jetzt zahle ich 150 €, dadurch beweise ich Zahlungswillen, die Kündigung ist wirkungslos. Und so geht es lange weiter. Fristlos gekündigt ist auch nicht gleichbedeutend mit ausgezogen. Ich als Vermieter muss jetzt erstmal die Räumungsklage einreichen. Das dauert. Miete fließt weiterhin nicht. Räumungsurteil steht endlich, ich darf meine Wohnung betreten. Alles noch voll und eingeräumt, nur vom Mieter keine Spur. Wer jetzt den Sperrmüll bestellt liegt wieder falsch. Der Vermieter muss die Habseligkeiten von seinem Mieter einige Zeit auf eigene Kosten einlagern. So vergeht Monat um Monat. Ist der Mieter arbeitslos oder in Privatinsolvenz sehe ich davon nie auch nur einen Euro. Selbst wenn die Wohnung nicht verwüstet ist, bleibe ich auf einigen tausend Euro sitzen. Die Kaution deckt nun die ersten drei fehlenden Mieten ohne Nebenkosten. Alles andere ist mein persönliches Problem. Wenn jetzt noch mutwillig Schäden an der Wohnung verursacht wurden, bin ich im 5-stelligen Bereich.

Einige verleihen ungern ihr eigenes Fahrrad an Bekannte oder Freunde (Wert: 200-1.000 €), hier geht es um die Herausgabe einer Wohnung an eine meist völlig fremde Person (Wert: 50.000 - 150.000 €), um das einmal ins Verhältnis zu bringen.

Klar, für die Wohnung bekomme ich Miete. Viele private Vermieter können mit der Miete noch nicht mal die laufenden Kosten für die Wohnung decken. Kommen hier noch 2-3 Monate Leerstand dazu, ist es ein Minusgeschäft. Private Vermieter haben oft nur wenige bzw. eine Wohnung. Diese soll als Altersvorsorge dienen. Entweder wird sie im Alter selbst bezogen oder ist bis zur Rente abbezahlt und bessert durch die Mieteinnahmen die karge Rente auf. Eigentlich sollten diese Mitmenschen gefeiert werden. Sie haben sich für keinen Riester-Sparplan oder Kapitallebensversicherung als Altersvorsorge entschieden, sondern mit der zu vermietenden Wohnung anderen Menschen Wohnraum zur Verfügung gestellt. Einige Leute in Ballungszentren verstehen, wie begehrt Wohnraum unter Umständen sein kann. Wenn man sich hier nur einmal beim Mieter vergreift, kann eine ganze Altersvorsorge den Bach runter gehen.

Um nun den Bogen zur Eingangsfrage zu spannen: Ja, in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt ist es schwer eine Wohnung zu bekommen. Hier muss man unter Umständen auch als Mieter mehr bieten als im tiefsten Sachsen. Wenn sich hier ein privater Vermieter durch eine Bürgschaft zusätzlich absichern will, so ist das weder eine Schande noch verwerflich oder gar kriminell. Der Vermieter möchte sich damit gegen einen hohen finanziellen Schaden zumindest etwas absichern. Die Frage, die noch offen bleibt, wie hoch ist die Miete für die du hättest einen Bürgen liefern sollen? Wenn diese 1/3 deines Netto-Einkommens überschreitet, würde ich ebenfalls um eine Bürgschaft bitten.

Ein paar Bemerkungen zu zum Teil sehr unqualifizierten Beiträgen:

Nein, nicht alle privaten Vermieter sind reiche Leute. Wie schon erwähnt, ist es bei einigen Menschen ein Baustein der Altersvorsorge.

Wenn sie das Risiko der Vermietung nicht eingehen wollen, sollen sie es lassen. Diese Anmerkung findet tatsächlich Gehör. Dumm nur, dass dadurch einem sehr geringen Angebot an Wohnungen weitere Wohnungen entzogen werden.

Eine Kaution ist weder ein Kredit für den Vermieter noch etwas ähnliches. Es ist totes Kapital, was er zu üblichen Marktbedingungen anlegen muss und nach Ende des Mietverhältnisses zurückzahlen muss, sofern keine Forderungen bestehen.

Ein Verkauf einer Wohnung oder eines Hauses bricht keine Mietverträge. Diese müssen von den neuen Eigentümern zu gleichen Konditionen übernommen werden.

Schufa-Auskünfte werden gewinnbringend weiterverkauft. Super Geschäftsidee. Wenn ich als Vermieter nach Einwilligung des potentiellen Mieters eine Schufa-Auskunft einhole, muss ich diese bezahlen. Auch bei Credit-Reform sind Anfragen kostenpflichtig.

Viele Grüße
Greeni
 
Das was lange und ausführlich beschrieben wurde ist alles richtig. Wahrscheinlich könnte man noch hinzufügen, daß es gar keine Vermeiter gibt, die ihre Mieter mit kriminellen Mitteln wieder loswerden wollen. Umwandlung in Eigentumswohnungen etc.
 
nun ich weiss nicht ... es wird sowieso nur Scheisse auf dem Wohnungsmarkt betrieben.. in Köln vermieten se Wohnungen bei denen du gezwungen bist das Inventar zu übernehmen....zumindest wenn Nachmieter gesucht werden usw...
 
Nein, ich möchte nicht sagen, dass alle Vermieter brav sind und nie etwas Unrechtes tun würden. Natürlich gibt es schwarze Schafe. Unter den Vermietern wie unter den Mietern.

Ich habe meine Sicht der Dinge geschildert und Beispiele aus meinen Erfahrungen mit eingebracht.

Am Wohnungsmarkt, wie an jedem anderen Markt auch, bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis und den Aufwand, den man als potentieller Mieter betreiben muss, um den Zuschlag zu bekommen.

In Teilen vom Ost-Harz in Mitteldeutschland bekommt man eine komplett sanierte Wohnung zu einem guten Preis. Da trotzdem noch ein hoher Leerstand herrscht, gibt es zusätzlich Anreize wie 1-3 erlassene Monatsmieten oder eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio usw. Wenn dort ein privater Vermieter zu viel an Unterlagen verlangt oder den Kunden nicht die Füße küsst, geht der Interessent zu einem anderen.

In Zentren mit Wohnungsnot wie in Hamburg, Berlin, usw. kommen die Mieter zu Massenbesichtigungen und geben alles preis. Wenn man da nicht gleich Initial eine Schufa-Auskunft, diverse Gehaltsnachweise, Arbeitsvertrag, etc. mitbringt, ist man schon aussortiert, bevor man richtig im Rennen war. Hier können Vermieter sich natürlich eher dazu hinreißen lassen, etwas am Rande der Legalität zu handeln. Wenn das einem Mieter nicht passt, stehen 100 andere dort, die den Haken mit Freude schlucken werden. Von diesem Verhalten bin ich ebenfalls nicht begeistert und traurig darüber, dass diese Ausnahmen als Aushängeschild für eine so große Branche genutzt werden.

Ebenfalls ist aber auch nicht jeder zweite Mieter in Deutschland ein Miet-Nomade oder ähnliches.

Der große Unterschied: Im Zweifel wird vor Gericht fast immer zu Gunsten des Mieters entschieden, da dieser schützenswerter ist als der Vermieter. Bei Wohnungsunternehmen kann ich das sogar verstehen, bei privaten Vermietern nicht. Hier stehen sich zwei Privatpersonen gegenüber.

Wenn man sich die Schufa vom Interessenten liefern lässt, spart man sich das Geld für eine eigene Auskunft natürlich. Ich würde, wenn ich bei privaten Vermietern auf Wohnungssuche wäre wohl auch selbst eine Schufa-Auskunft über mich anfordern und diese während der Wohnungssuche nutzen. Die ist ja nach ein paar Tagen nicht ungültig oder so was. Wenn ich privat eine Wohnung suche, werde ich diese in der Regel in den nächsten 4-12 Wochen auch finden, wenn es nicht gerade im hippen Szeneviertel in Berlin sein muss.

Viele Grüße
Greeni
 

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