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Bildungsaufsteiger = Akademisches Proletariat?

  • Starter*in Starter*in primavera7
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Kürzlich bekam ich mit, wie sich eine ehrgeizige Kollegin vor anderen Kollegen über einen gebildeten Kollegen, der ihr intellektuell mit Sicherheit das Wasser reichen kann, lustig machte (natürlich hinter seinem Rücken und in seiner Abwesenheit), weil er in einem Kirchenchor singt. Dabei weiß ich selbst, dass es Kirchenchöre von hohem musikalischem Niveau gibt. Die einzige, die nicht mitlachte, war ich. Wie in meiner Abwesenheit über mich gesprochen wird, kann ich mir an fünf Fingern abzählen. 😎 Marke harmlos, brav, ein wenig pedantisch, übervorsichtig bis ängstlich, phantasielos und langweilig - im günstigsten Fall.

Na, ich hoffe, Du bist stolz darauf, wenn sie sich das Maul zerreißen!!😀
Profilierungsneurotiker, die es nötig haben, sich aufzuwerten, indem sie über ihre Mitmenschen herziehen, disqualifizieren sich doch von vornherein...einfach nur armseelig!!

Du bist ehrgeizig und hast es durch Fleiß weit gebracht....Du interessierst Dich wirklich für Klassik und Literatur...das
macht Dich aus.
Du hast es nicht nötig, der Oberschicht hinterherzurennen, Dich bei Leuten, die von Beruf "Sohn/Tochter" sind, einzuschleimen, damit sie Dich zu ihren elitäten Coctail Parties einladen...

That's it!

Lass diese besseren Kreise Karriere via Vit.B machen...Persönlichkeit und Respekt vor ihrer Leistung werden sie nie erreichen...höchstens Macht, da Machtmittel vorhanden sind!

Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Pseudo Intelektuellen Aufsteiger sehr genau wissen, dass sie - bis auf Vit.B - nicht viel zu bieten haben!

In diesem Sinne wünsche ich Dir ein entspanntes und schönes Wochenende!!:blume:
 
Bin irgendwie geteilter Meinung. Die Studenten, die mit 21 in Sakko und Fliege zum Seminar kommen, hab ich auch erlebt. Tatsächlich immer Jura- oder BWL-Studenten. Mancher meint halt, mit dem Studienbeginn in eine Art Pseudo-Identität schlüpfen zu müssen, zu der auch das entsprechende Spießer-Outfit gehört. Bedeutsam fand ich das nicht und ich hatte auch nie den Eindruck, dass diese Leute irgendwie besonders beachtet/bewundert oder sonstwas wurden.

Dass man es leichter hat, wenn die Eltern Geld und möglichst noch eine eigene Firma haben, ist logisch. Das ist m.E. keine Frage spezieller Kreise/Berufe. Der Fleischer um die Ecke wird vermutlich auch eher seinen faulen und zwei Mal durch die Hauptschulprüfung gefallenen Sohn einstellen als den hochmotivierten und besser vor-gebildeten Fremdbewerber.

Die Frage ist eher, warum stört einen das so. Ich komme auch aus keiner (einfluss)reichen Familie. Ich hab das nie als echtes Hindernis erlebt. Und wenn, dann eher dahingehend, dass ich halt meine Eltern nie um Rat fragen konnte, wenn es um irgendein Studien/Karrierethema ging. In Ländern ohne Bafögregelung ect. wäre das vermutlich anders, weil da eben nur studieren kann, wer entsprechend Geld hat.

Was ich verstehen kann, ist, dass man sich unwohl fühlt, wenn man im Job täglich von Snobs umgeben ist. Das fände ich auch schrecklich. Ich hatte bisher wohl Glück. Alle Anwälte, die ich bisher kennengelernt habe, waren eigentlich ziemlich nett und "normal". Generell finde ich die Betonung der jeweiligen "Schicht" eher antiquiert. Sicher gibt es sehr Wohlhabende, die sich mit Ihresgleichen zu Golf und Jagdausflug treffen und keinen großen Wert auf "Eindringlinge" legen. Aber das dürfte einen sehr geringen Teil der Bevölkerung ausmachen. Darüber hinaus sehe in meinem Alltag z.B.nicht, dass der Schichtzugehörigkeit große Bedeutung geschenkt wird.
 
Die Meinungen anderer zu diesem Thema würden mich sehr interessieren! 😎

In gewisser Weise kann ich schon nachvollziehen, was du schreibst.

Gemäß dieser Kategorisierung gehöre ich auch zur zweiten Kategorie, dem akademischen Proletariat. Meine Eltern sind einfacher Herkunft, doch wollten sie mir ein Studium nicht verwehren. Leider konnte mir bei der Studienwahl niemand beratend zur Seite stehen; ich war damals ziemlich ratlos und alleingelassen. Dazu kam noch die Vorgabe meiner Eltern, dass es sich um ein "nützliches Studienfach" handeln müsse, weswegen das meiste von dem, was mich interessiert hätte, gleich ausgeschieden war. Und so bin ich eher ein wenig planlos ins nächstbeste Studienfach getappt, was sich damals eben so ergeben hatte. Eine Fehlentscheidung, die mir bis heute zu schaffen macht.

Kinder akademischer Eltern scheinen hier wesentlich besser unterstützt zu werden. Sie scheinen freier in der Studienwahl zu sein, und sie werden auch in ihrer Entscheidung von den Eltern mental gestützt und gefördert. Sie können deutlich länger und mit weniger Druck nach einem persönlichen Berufsweg suchen. Die Familien schätzen in vielen Fällen auch eine künstlerische Laufbahn (was für meine Eltern purer Firlefanz gewesen wäre).
 
Leider konnte mir bei der Studienwahl niemand beratend zur Seite stehen; ich war damals ziemlich ratlos und alleingelassen.

Kinder akademischer Eltern scheinen hier wesentlich besser unterstützt zu werden.
Genau so erging es mir auch. Mit der Folge, dass ich zunächst ein anderes Studienfach wählte, bei dem ich bereits innerhalb kürzester Zeit merkte, dass es nicht das Richtige für mich war. Aber auch beim Jurastudium, das ich direkt im Folgesemester aufnahm, konnte mich in meiner Familie und Verwandtschaft weit und breit niemand auch nur im Geringsten beraten.

Bei meiner Schulfreundin dagegen, deren Eltern aus "besseren" Verhältnissen stammten und in gebildeteren Kreisen verkehrten, fuhr sogar die Großmutter (!) zu der ihrem Wohnort nächstgelegenen Uni und holte dort für ihre Enkelin Erkundigungen ein. So etwas wäre bei mir völlig undenkbar gewesen, keine meiner Großmütter hatte nach der Volksschule einen Beruf erlernt, sondern man war als Dienstmädchen "in Stellung" gegangen, bis man heiratete. Die Oma meiner Freundin dagegen stammte aus einer Patrizierfamilie, ihr Bruder war ein renommierter Arzt, sie selbst (Anfang des 20. Jahrhunderts geboren) immerhin technische Lehrerin gewesen. Ich hatte ein deutlich besseres Abitur als meine Schulfreundin, aber sie konnte diesen Vorteil durch ihre soziale Herkunft ohne Weiteres mehr als ausgleichen. Wäre sie aus einer ähnlichen Familie gekommen wie ich, hätte sie mit ihrer Abiturnote wahrscheinlich überhaupt nicht oder allenfalls an einer Fachhochschule studiert.
 
Was ich noch mal sagen wollte:

ich bin zwar Lehramtsstudierende; aber auch bei uns gibt es genügend Leute, die completely highly sponsored and pampered my mommy and daddy sind. Da kriegen bei uns auch einige zwischen 1000-3000 Euro pro Monat. 😉 Vielleicht habe ich speziell diese Leute immer kennen gelernt, keine Ahnung. Man sieht es jetzt mir auch von außen nicht zwingend an, ob ich ärmer oder reicher bin, da ich eigentlich immer ganz gut gekleidet war. Das kann man auch Second Hand, über Ebay oder eben mit NoName-Business-Sachen. lol

Dennoch finde ich es gut, dass es solche Overachiever wie mich, dich und sicherlich noch einigen anderen hier, gibt. 😉
Ich bin stolz darauf, mir mein Studium selbst zu finanzieren. Auch wenn es über Schulden, über 15h Arbeiten in der Woche ist usw. 😉 Warum siehst du das nicht mal positiv?
Warum befreundest du dich nicht mit Leuten, die auch overachiever sind? - so wenige kann es doch gar nicht geben heutzutage. Oder man sucht sich eben Leute, die tolerant sind. Und sogar solche gibt es unter den Studierten aus reichen Elternhäusern. 😉

Sei doch mal stolz auf das, was du bist und verteufele die Gesellschaft nicht nur.
Du kannst doch gar nichts dafür, dass es so ist. Viele andere können prinzipiell auch nix dafür. Das sind eben bestehende gesellschaftliche Strukturen, gegen die wir als einzelner gar nicht so viel ausrichten können. Vielleicht wird sich der Zeitgeist mal ändern. 😉
Lebe den Leuten doch einfach eine taffe, selbstbewusste Juristin vor, die zwar overachieverin ist, aber aus eigenen Stücken das erreicht hat, was sie ist. Entwickele doch auch so eine Art Dünkel.
Du kannst doch genauso bei den Leuten argumentieren: "Tja, im Vgl. zu dir habe ich mir alles selbst erarbeitet. Du bist doch bestenfalls pampered by daddy! Bist du darauf etwa noch stolz?"
Man kann den Spieß doch auch einfach mal umdrehen.
Ich habe das auch schon zu Leuten direkt gesagt: "Würdest du das durchhalten, was ich die Woche absolviere? Neben dem Studium jedes Semester über 10h pro Woche noch arbeiten gehen?"
Ja okay, ich habe mit Krankheitssemester, Auslandsaufenthalten und weil mir noch ein Schein zum endgültigen Anmelden fürs Examen fehlte, im Endeffekt dann 6,5 Jahre gebraucht; aber ich habe ja trotzdem Lehrerfahrung, habe schon mal was in die Sozialversicherungssysteme eingezahlt, habe dennoch durchgängig gute Leistungen und habe mich menschlich gut weiterentwickelt.
Ja okay, der Job beim Discounter, den ich gerade angenommen habe, läuft jetzt am Anfang noch etwas suboptimal; aber das wird sich wohl auch noch entwickeln.

Man muss auch nicht alles immer so negativ sehen!
Und v.a. sollte man seine Eltern nicht dafür verantwortlich machen, dass sie einen nicht finanziell unterstützen können oder so. Oder dass sie eben bloß zur Arbeiterklasse gehören. 😉

Zieh dein Ding durch und gut ist! Und wenn dir jemand dumm kommt, lege dir halt ein paar Sprüche zurecht. Klug genug bist du doch dafür! Gerade als Jura-Maus wird dir doch genug einfallen. 😉
Du bist eine kluge Frau. Lass dich von Leuten, die sich ihr Ausbildungsleben z.T. nur über Eltern bzw. Wattepackung geschaffen haben, nicht ins Bockshorn jagen. 😉
Ich will jetzt bestimmt nicht mit der Moralkeule ankommen, aber man kann ja durchaus mal die Frage stellen: was ist für die Persönlichkeitsentwicklung besser_ sich nur aushalten lassen oder auch mal autonom werden?

Ich würde Letzteres vorziehen, da es einem eine ganz andere Selbstsicherheit vermittelt. Jeder sollte mal in den Genuss "des Existenzkampfes" kommen... dass man sich eben mal Gedanken machen muss, inwieweit man seine Fixkosten noch bezahlt bekommt, inwieweit man einen guten Job für dieses Ziel finden kann etc.

Ich z.B. nehme Leute, die außer Schule und Uni gar nichts gemacht haben, nicht weiter ernst.
Was ist denn mit Lehramtsstudierende, die später als Lehrer die Kinder bei der Berufssuche, beim Bewerbungen schreiben usw. unterstützen müssen? - was wollen diese Lehrer ihren Schülern bitteschön vermitteln?
Gerade bei Haupt-, Real-, Gesamt- und Stadtteilschule kommt man als Lehrer ja in die Bredouille, über dieses Thema auch Bescheid wissen zu müssen. 😉
 
Und v.a. sollte man seine Eltern nicht dafür verantwortlich machen, dass sie einen nicht finanziell unterstützen können oder so. Oder dass sie eben bloß zur Arbeiterklasse gehören. 😉
Das tue ich auch nicht. Meine Eltern gehörten im Gegensatz zu den Großeltern auch nicht mehr richtig zur "Arbeiterklasse", sondern waren kaufmännische Angestellte. Vor allem aber bin ich ihnen dankbar für das, was sie mir ermöglicht haben, für ihren Weitblick, nicht zu denken, für ein Mädchen sei eine gute Ausbildung ja nicht so wichtig. Ich habe großen Respekt vor ihrer Lebensleistung. Die Leute, die darauf herabsehen und das kleinreden würden, sind ganz andere...

Meine Eltern haben es aber auch nicht verdient, dass Leute an mir vorbeiziehen, die nicht besser qualifiziert sind als ich, nur weil sie "Sohn oder Tochter von" sind und dementsprechende Ansprüche stellen.
 
Vor allem finde ich es auch ganz gut, wenn jeder mal etwas mehr lebenspraktische Erfahrungen sammelt, bevor er sich immer nur irgendwo ins gemachte Nest setzt.

Also mal alleine wohnen, für den eigenen Lebensunterhalt sorgen, selbst mal frühzeitig arbeiten gehen usw. 😉

Weil was will man denn z.B. als Lehrern seinen Schülern groß erzählen, wenn man sonst nix gemacht hat?

Auch als Jurist finde ich das nicht unbedingt verkehrt, wenn man auch andere soziale Erfahrungen hat, denn umso empathischer ist man eben bei Mandanten, die aus anderen Schichten kommen. 🙂
Es nehmen sich ja nicht bloß Leute aus den höheren Gesellschaftsschichten mal einen Anwalt. 😉
 
Das tue ich auch nicht. Meine Eltern gehörten im Gegensatz zu den Großeltern auch nicht mehr richtig zur "Arbeiterklasse", sondern waren kaufmännische Angestellte. Vor allem aber bin ich ihnen dankbar für das, was sie mir ermöglicht haben, für ihren Weitblick, nicht zu denken, für ein Mädchen sei eine gute Ausbildung ja nicht so wichtig. Ich habe großen Respekt vor ihrer Lebensleistung. Die Leute, die darauf herabsehen und das kleinreden würden, sind ganz andere...

Meine Eltern haben es aber auch nicht verdient, dass Leute an mir vorbeiziehen, die nicht besser qualifiziert sind als ich, nur weil sie "Sohn oder Tochter von" sind und dementsprechende Ansprüche stellen.


Das klingt ja gut soweit.

ich darf mich halt komplett selbst finanzieren. 😉
 
Hallo!

Bin durch Zufall auf diese interessante Seite gestoßen. Kann das, was die TE schreibt, nur bedingt teilen. Bin selbst auch Bildungsaufsteigerin (Diplom-Ökonomin). Habe einige Juristen im Bekanntenkreis. Für die Karriere kommt es sehr darauf an, wo jemand arbeitet. Bei Richtern und Rechtsanwälten in TOP-Kanzleien entscheiden die Noten, okay, bei Rechtsanwälten vielleicht auch die soziale Herkunft und der Habitus. Will man in der Verwaltung Karriere machen, ist es dagegen von großem Vorteil, das richtige Parteibuch zu haben. Damit werden selbst größte Luschen nach oben gehievt. Zumindest muss man deutlich durchblicken lassen, dass man der richtigen Partei nahe steht. Bei Frauen scheint nach dem, was ich von einer Freundin erfuhr, auch noch zu gelten: (Über)Schlanke bevorzugt. Temperamentvolle, die sich als "Macher" in den Vordergrund spielen, haben es leichter als ruhige, gewissenhafte, die erst nachdenken und abwägen, bevor sie reden. Auch der Familienstand ist nicht ganz unwichtig, verheiratete gelten mehr als ledige, liierte mehr alleinstehende. Wer all diese Kriterien nicht erfüllt, gilt schnell als Mauerblümchen. Gefördert werden solche Menschen nicht. Höchstens ausgenutzt. Frauen haben es da auch heute noch schwerer als Männer. Das gilt aber eigentlich spätestens ab Mitte 30 in allen Berufen. Wer lediglich gebildet im überkommenen Sinne ist, der zählt heute nicht mehr viel. Von wenigen Ausnahmen abgesehen. Hat also nicht so sehr was mit der Herkunft zu tun. Eher mit der allgemeinen Halbbildung, der Nivellierung nach unten, dem Werteverlust und der Oberflächlichkeit.
 
@Gast:

Jawohl. 😀 Das alles kommt noch erschwerend hinzu. :mad:
 
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