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Bildungsaufsteiger = Akademisches Proletariat?

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Kennt jemand von euch zufällig die Autorin Ulla Hahn und ihre autobiografischen Romane "Das verborgene Wort" (verfilmt unter dem Titel "Teufelsbraten") und "Aufbruch"? Sie kam - im Gegensatz zu mir - aus einer richtigen Proletarierfamilie, die den Wissensdurst und schulischen Ehrgeiz der Tochter gar nicht gern sah, sondern eher bekämpfte. Der soziale Aufstieg, der Erwerb zunächst der Realschulreife, dann des Abiturs und schließlich das Germanistikstudium mit anschließender Promotion führten zur Entfremdung mit dem Elternhaus und der Verwandtschaft. Nur zum ähnlich intelligenten Bruder, der aufgrund seines Geschlechts allerdings mit größerer Selbstverständlichkeit das Gymnasium besuchen durfte, bestand ein Näheverhältnis.

Obwohl Frau Hahn heute mit Hamburgs ehemaligem Regierenden Bürgermeister Klaus von Dohnanyi verheiratet und eine anerkannte Schriftstellerin und Lyrikerin ist, sagt sie über sich selbst, sie lebe "zwischen den Welten", hätte gegen ein gutbürgerliches Elternhaus nichts einzuwenden gehabt, weil der eigene Berufsweg dadurch viel weniger anstrengend gewesen wäre, und dass sie sich immer als Einzelgängerin gefühlt hätte, die weder zu der einen noch zu der anderen Schicht gehörte. Das hätte erst aufgehört, als sie ihren Mann kennen gelernt hätte.

Faszinierend fand ich es, in ihrem Roman "Das verborgene Wort" zu lesen, mit welcher Begeisterung sie sich im Deutschunterricht die klassische Literatur erorberte und die bekannten Dichter für sich entdeckte. Mir ging es als Schülerin ganz ähnlich, daher konnte ich mich mit dieser Beschreibung gut identifizieren. Wenigstens hatte ich, was Gymnasium und Studium betraf, im Gegensatz zu Frau Hahn die volle Unterstützung und Solidarität meiner Eltern, die im Gegensatz zu ihren auch mehr Wert auf gute Umgangsformen legten. Aber vielleicht hätte ich - wie Ulla Hahn - 20 Jahre eher geboren werden sollen, denn mit Freude an seiner Muttersprache und guten Literatur- und Musikkenntnissen kann man heute keinen Blumenpott mehr gewinnen, weder beruflich noch gesellschaftlich. Im Gegenteil: So etwas ist komplett "uncool" und "out", darüber wird sich höchstens lustig gemacht - und zwar längst nicht nur innerhalb der insoweit weniger interessierten und gebildeten Verwandtschaft.

Der heutige Schreibstil ist kurz und knapp - Subjekt, Prädikat, Objekt, Punkt - auf dem Niveau der Bildzeitung, sonst versteht niemand mehr die Texte. 🙄 Thomas Mann würde heute keinen Literaturnobelpreis mehr gewinnen, sondern zur reinen Lachnummer mutieren. Und selbst hochwohlgeborene Töchterchen von Bundespräsidenten a.D. - wie Beatrice von Weizsäcker in ihrem völlig überflüssigen Buch "Warum ich mich nicht für Politik interessiere" - eignen sich schon diesen merkwürdigen Stil an, weil er Prägnanz vortäuscht. Abr das wäre schon wieder ein Thema für einen eigenen Thread...
 
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