Was würdet ihr euch für ein Bildungssystem wünschen?
Was fehlt eurer Meinung nach zu gerechten Bildungschancen für alle?
Ein einheitliches Bildungssystem wäre nicht schlecht. Derzeit ist es ja so, dass Bildung Ländersache ist und die Lehrpläne und Prüfungen dementsprechend je nach Bundesland stark variieren können. Das führt dazu, dass Prüfungen in manchen BL leichter sind als in anderen, wodurch man leichter an einen guten Abschluss kommt, der dann aber als "weniger wert" angesehen wird.
Wichtiger Unterpunkt: wenn eine Schule von G9 auf G8 umgestellt wird, sollte man den Lehrern und Schülern genug Zeit lassen, sich an dieses neue System zu gewöhnen. Das geht nämlich nicht einfach so von Heute auf Morgen. Die Lehrer müssen sich in dem neuen Lehrplan zurechtfinden, das Material (Bücher, Hefte, etc.) muss angepasst werden, Familien müssen sich an die neuen Schulzeiten gewöhnen (für das Vermitteln der gleichen Menge Schulstoff hat man ein Jahr weniger Zeit --> durchschnittlich mehr Schulstunden pro Tag, um die Menge unterzubringen --> Kind ist länger außer Haus) usw. usf.
Diese Änderung lässt sich nicht einfach so umsetzen; sowas braucht Zeit, und zwar mehr als nur zwei, drei Jahre, nach denen sich die Politiker denken: "Hach, ja, hat ja nicht so gut geklappt. Also bleibt's wohl doch beim Alten." (Etwas in der Art war an meiner Schule passiert. Das System war von G9 auf G8 umgestellt worden und nach kurzer Zeit hatten sich wohl irgendwelche Politiker gefragt, warum sich die durchschnittliche Leistung noch nicht verbessert hatte. Woran das wohl liegen könnte...?)
Hat schon mal jemand erforscht, welche Grundschulzeit die "bessere" ist? In Berlin und Brandenburg gehen Schüler sechs Jahre zur Grundschule, im Rest von Deutschland sind es nur vier Jahre. Da verlangt man also von Viertklässlern, dass sie in dem Alter schon wissen, in welche Richtung sie beruflich gehen wollen und welchen Schulabschluss sie dementsprechend anstreben müssen. Wie alt sind die Kinder da? Neun oder zehn Jahre (bzw. acht/neun, wenn sie schon mit fünf eingeschult wurden). Wieso müssen sich Kinder in dem Alter schon einen Kopf um ihre Zukunft machen? Kann man ihnen nicht ein paar Jahre mehr Zeit lassen? (Ja, ich weiß, dass die weiterführende Schule auch etwas mit Leistung bzw. dem Potenzial zu Leistung zu tun hat - aber eben nicht nur.)
Weiterer Punkt dazu: was soll der Mist, dass man bereits Fünfjährige einschult? Meine Mutter arbeitet mit Kindern und sie erlebt fast tagtäglich, dass die allermeisten Fünfjährigen noch gar nicht bereit sind, zur Schule zu gehen. Sie können sich noch nicht so gut konzentrieren, haben Schwierigkeiten beim längeren Stillsitzen, manche besitzen noch nicht die für das Schreiben benötigte Feinmotorik, . . . Ein Jahr kann einen riesigen Unterschied machen. Bitte gebt den Kindern dieses eine Jahr.
Wo ich dann auch schon zum nächsten Punkt käme: es wäre vielleicht nicht schlecht, von dem Stigma "Hauptschüler sind Versager" oder "nur ein Abitur ist auf dem Arbeitsmarkt etwas wert" wegzukommen, auch wenn das wohl eher schwierig sein dürfte. Kinder kriegen eine ganze Menge mit und lassen sich in dem Alter noch recht leicht formen und beeinflussen. Wenn sie also dann von Außen hören, dass "bloß dumme Menschen auf die Hauptschule kommen" oder "Gymnasiasten sind die Elite Deutschlands, die sind besser als andere", dann dürfte das schon irgendwo einen Einfluss auf die Kinder haben. Manche sind vielleicht von Anfang an entmutigt, Leistung zu erbringen, weil sie sich denken: "Hat doch keinen Sinn, wenn ich mich anstrenge, ich bin doch eh nix wert." Anders herum gibt es aber auch genug Kinder, die sich auf dem Gymnasium abquälen, obwohl sie auf der Realschule besser aufgehoben wären, die Schule aber nicht wechseln wollen, weil: "Realschule ist nicht gut genug." oder ähnliches.
Kurz gesagt: ein System, in dem Kinder relativ wertungsfrei* ihrer Leistung entsprechend gefördert und gefordert werden können, könnte sehr von Vorteil sein. Allerdings weiß ich selbst auch nicht recht, wie ein solches System aussehen könnte.
(*im Sinne von: keine Vorurteile der Art "Du besuchst Schulform X, deshalb bist du Y.")
Zum Thema Fördern und Fordern kann ich mich meinen Vorschreibern nur anschließen:
1.) Wir brauchen allgemein viel mehr Lehrer.
2.) Statt die Schüler starr nach Plan zu bewerten, sollte man vermehrt auf Stärken und Schwächen eingehen.
Der zweite Punkt ließe sich durch den ersten relativ leicht angehen.
Was ich persönlich aber auch ganz, ganz wichtig finde: lasst den Kindern genug Zeit, um einfach mal Kind sein zu können. Statt vom Kindergarten an auf Leistung zu drillen, sollte man ihnen genug Freiraum geben, um sich einfach mal ausprobieren zu können - ohne benotet oder aufgefordert zu werden, es doch noch besser zu machen. Es sind nach wie vor Menschen, um die es geht, nicht Maschinen.