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Betreff: Einsamkeit...

Das lässt sich im späteren Leben oft nicht mehr so gut kompensieren (kann ich aus eigener Erfahrung berichten).

Das fange ich auch an zu befürchten. Ich bin 38, Single, in den letzten Jahren sind viele Freundschaften auseinandergegangen oder sind nicht mehr so eng, weil die Menschen den Mittelpunkt natürlich zu ihrer Kleinfamilie verlegt haben. Es ist nicht mehr so klar wie mit Mitte 20 oder 30, dass man als Freunde bespricht und plant, was am Wochenende unternommen wird. Seither bin ich deutlich einsamer.

Außerdem habe ich eine schmerzliche Beobachtung gemacht vor einigen Wochen. Ich war zu Gast auf einem kleinen Bauernhof, habe eine Woche lang geholfen und durfte dafür dort wohnen und mitessen. Die Bäuerin ist nur 3 Jahre älter als ich, lebt dort mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn und einem jungen Landwirt. Ihre Eltern wohnen nur wenige hundert Meter weiter, haben ein gutes Verhältnis, es kommen oft Leute aus dem Dorf um zu helfen, eine Frau kommt jeden Morgen um den Hund auszuführen, ihre Tante kommt vorbei um zu helfen, eine junge Frau um nach dem kleinen Kind zu schauen. Man hilft sich gegenseitig. Diese Bäuerin hat eine enge Freundin, die inzwischen weiter weg auf einer Alm wohnt. Sie schreiben sich Briefe, da der Empfang schlecht ist, sobald diese Freundin im Tal ist, nutzen sie die Gelegenheit um zu telefonieren. Als ihre Freundin ihren Partner durch einen Unfall verloren hat, war es für die Bäuerin klar, dass sie sich ihr Leben so organisiert, dass sie jetzt öfter und länger bei ihrer Freundin ist, um für sie da zu sein. Die Bäuerin sagt: Meine engsten Menschen sind meine Herde, im Fall ist das ein tragfähiges Netz.

Ich habe schon Kontakte, aber solche engen und guten Beziehungen/Bindungen habe ich leider nicht. Und ich hab das Gefühl, ich habe diese Fähigkeit nicht. Es gelingt mir nicht. Ein Freund von mir ist kürzlich verstorben, mein Vater hat eine Demenz entwickelt, aber meine Freunde schreiben höchstens mal eine Whats App, keiner ruft mich an oder besucht mich. Was ich falsch gemacht habe? Vielleicht irgendwann nicht gut genug ausgewählt, mit wem ich mich eng anfreunde. Ich weiß es nicht.
 
Ich habe schon Kontakte, aber solche engen und guten Beziehungen/Bindungen habe nicht leider nicht. Und ich hab das Gefühl, ich habe diese Fähigkeit nicht. Es gelingt mir nicht.
Ja, so ähnlich ist es bei mir auch. Ich habe in solchen Fällen zwar meinen Partner (wofür ich auch dankbar bin), aber im Bekanntenkreis würde sich normalerweise wohl niemand bereit erklären, mich intensiver zu unterstützen. Ein tragfähiges soziales Netz habe ich leider nicht entwickelt, das mich auffangen würde, wenn es wirklich schwierig wird.
 
Wer keine Zeit hat für regelmäßige Treffen bleibt einsam. Der hat höchstens sporadische Bekanntschaften. Als Freundschaften würd ich das aber nicht sehen. Eigene Erfahrung.
Auch Freunden braucht man nicht täglich im Nacken sitzen. Freundschaft hängt nicht von der Zeit ab die man zusammen verbringt, sondern von der Intensität, inwieweit man sich gegenseitig was geben kann. Wenn man sich nur noch anödet, war es das mit der Freundschaft. Freundschaften taktet man nicht mit dem Terminkalender. Wenn einem an jemandem wirklich was liegt, dann findet man die Zeit, sonst nicht.
 
Einsam ist/wird man, wenn man anders ist.
Ein Genie unter Normalbegabten, oder ein Normalbegabter unter Genies. Ein Veganer unter Fleischessern, ein linker unter AfD-Wählern, ein Schaf unter Wölfen, ein Hund unter Katzen.
Einsamkeit hat nicht immer was damit zu tun ob man Gesellschaft hat oder nicht. Einsamkeit hat viel mit nicht verstanden werden zu tun. Deshalb fühlen manche sich ja auch oder gerade in Gesellschaft, unter Menschen, einsam. Und da kann man rausgehen und gesellschaft suchen und tausende Frösche küssen. Ob da jemand dabei ist der die innere Einsamkeit vertreibt ist trotzdem ungewiss.
Ich finde da trifft auch der Spruch ganz gut: „Der sensible Mensch leidet nicht aus diesem oder jenem Grund, sondern einzig und allein, weil nichts auf dieser Welt seine Sehnsucht stillen kann.“ (Sartre)
 
Ein Veganer unter Fleischessern, ein linker unter AfD-Wählern, ein Schaf unter Wölfen, ein Hund unter Katzen.
Tatsächlich ist das ein Gefühl, das ich schon als Jugendlicher meistens hatte. Schon allein wegen meiner anders gestrickten Interessenlage und meiner ruhigen Art. Ich wollte klassische Musik hören oder Bücher lesen, die anderen aber Party machen oder in die Disco gehen. Ich wollte mich lieber "ernsthaft" unterhalten, die anderen blödeln und herum albern. Ich wollte im Unterricht lieber aufpassen und was lernen, die anderen lieber den Lehrer und sich gegenseitig ärgern und Streiche spielen. Ich wollte im Fernsehen lieber Dokumentationen anschauen, die anderen lieber Fußball.

Ja, irgendwie hat das allzu oft nicht gepasst. Und es hat sich ein Gefühl von "Ich gehöre nicht dazu. Ich bin allein in meiner Welt" entwickelt.
 
Dir geht es nicht um Schwäche, sondern um Qualität. Anschluß bei irgendwelchen Losern oder Langweilern findet man leicht, aber die Qualität die man sich vorstellt, ist nicht so leicht zu finden, da nehmen viele eher die Einsamkeit in Kauf als sich irgendwas aufzuhalsen was man später vielleicht bereut, weil man die Kletten nicht mehr loswird. Man nimmt nicht alles zu jedem Preis.
Eben..also bleibt man auch aus diesem Grunde einsam.
 
Auch Freunden braucht man nicht täglich im Nacken sitzen. Freundschaft hängt nicht von der Zeit ab die man zusammen verbringt, sondern von der Intensität, inwieweit man sich gegenseitig was geben kann. Wenn man sich nur noch anödet, war es das mit der Freundschaft. Freundschaften taktet man nicht mit dem Terminkalender. Wenn einem an jemandem wirklich was liegt, dann findet man die Zeit, sonst nicht.
Naja. Intensität ist aber zeitlicher Aufwand auch.
 
Das hätte man alles in einem Satz sagen können....
"Arbeit macht frei" 😉

Zum Thema Alte,Kranke und Kinder fällt mir auch noch was anderes ein.
Man kann eine Gesellschaft oder Kultur sehr gut daran erkennen, wie sie mit ihren Alten und Kindern umgeht.
Ich denke wenn man die Alten in unserem Land heutzutage in den Mülleimern stöbern sieht und wie ihr Tod oft erst dann bemerkt wird, weil die Nachbarn einen Gestank bemerken, ist offensichtlich wie es hierzulande mit dem Respekt und der Wertschätzung gegenüber alten Menschen aussieht.
Eher daß man bei Anpassungen der sozialen Zustände an gesellschaftliche Veränderungen massiv hinterherhinkt. Der Schwund an Großfamilien, das Anwachsen von Singlezahlen (auch alten) läuft nicht erst seit gestern, aber man tut immer noch gern als schreibe man 1950.
Dabei gäbe es einfache und relativ billige Maßnahmen, der Vereinsamung entgegenzuwirken. Wenn die Familien das nicht mehr bringen mangels Masse, sollte der Staat, hier die einzelnen Gemeinden und Städte, für entsprechende Sozialeinrichtungen sorgen.
In Nürnberg läuft in jedem Februar seit ein paar Jahren eine gute Vorlage dafür, nämlich die sogenannte Vesperkirche. https://vesperkirche-nuernberg.de/ueber-uns/
Kurzfassung: ein großer Saal, muß nicht unbedingt eine Kirche sein, am besten mit angeschlossener Küche oder Kantine, wo täglich zu festen Zeiten Essen (verbilligt dank Sponsoren) ausgegeben wird, die Leute aber nach Belieben zu Klatsch und Tratsch bei Kaffee und Kuchen (umsonst dank Spenden) sitzen bleiben können, dazu gibt es diverse Zusatzangebote von Friseur, für die die sich einen normalen Friseurbesuch nicht leisten können (wieder: gesponsert) bis zu psychologischer Beratung. Wird jedesmal sehr gut angenommen, vor allem von älteren Leuten die so mal aus der Wohnung kommen, um sich mit Leuten der eigenen Alterskategorie treffen zu können, ohne dafür ins Altenheim zu müssen. Aber auch jeder andere der Zeit und Lust hat kann kommen, Essen gibt es solange der Vorrat reicht. Wie Restaurant aber deutlich billiger.
Es spricht nichts dagegen so ein Angebot überall und auf Dauer einzuführen und ggf. noch weitere Leistungen zu erweitern, ist lediglich eine organisatorische und finanzielle Frage, aber ich schätze für so einen konkreten Zweck würden sich reichlich örtliche Spender finden, da wissen die nämlich genau wo ihr Geld hingeht.
 
Eben..also bleibt man auch aus diesem Grunde einsam.
Wenn man das will. Ansonsten muß man sich die Qualität nach eigenem Empfinden suchen, denn von selber schneit die in der Regel nicht ins Haus. Man muß wissen was man möchte - und wo man es ggf. finden könnte. Hobbys waren immer schon ein guter Ansatz, um Gleichgesinnte zu finden.
 

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