Hallo Träumchen96,
nachdem Du Eure Arbeitssituation etwas genauer geschildert hast, kann ich das besser einschätzen. Es bleibt dabei, daß Deine Kollegin 4 Monate wegen Deiner bedauerlichen Krankheit (was mir wirklich von herzen für Dich leid tut) den job von 2 Personen übernehmen mußte. Das war schon absolut nicht ok von Deiner Chefin. Da hätte Verstärkung ins team geholt werden müssen oder umorganisiert. Wahrscheinlich konnte Deine Kollegin in den 4 Monaten auch nicht selbst ausfallen, also keinen Urlaub nehmen etc. Und auch jetzt muß sie weiterhin auf unbestimmte Zeit den größeren Part Eurer Arbeit übernehmen. Das ist ungerecht, belastend und demotivierend. Dazu kommt, daß sie offenbar schon früher etwas weniger fähig und belastbar war als Du. Sie ist Mitte 50 und offenbar nicht so fix wie Du.
Das ist jetzt echt eine schwierige Situation für sie. Für dich natürlich aufgrund Deiner Krankheit auch eine superschwere Zeit. Aber es hilft ja nichts. Es muß eine Lösung her.
Wäre es eine Lösung, wenn Ihr der Chefin vorschlagt, anteilige Verstärkung aus einem anderen team zu bekommen oder zu rotieren? Oder gibt es Praktikanten, Azubis, die unterstützen können? Kann auch die Chefin selbst vielleicht unterstützen? Kann man Teile Eurer Arbeit outsorcen? Kann man Eure Arbeit so verändern, daß sie effektiver erledigt werden kann? Gibt es Teile der Arbeit oder Arbeitsschritte, die ganz weggelassen werden können?
Was passiert, wenn Ihr Eure Arbeit nicht schafft? D.h. nur ca. 80 % der Arbeit erledigt werden? Sind andere teams von Eurer Vorarbeit abhängig? Können die dann nicht weitermachen? Es ist aus meiner Sicht auch unbedingt nötig, daß die Chefin eine Lösung findet für den Ausfall deiner Kollegin. Irgendwann wird sie ja wohl mal einen mehrwöchigen Urlaub machen wollen? Dann kannst du ja nicht alles allein machen, wenn du jetzt schon nur 40 % schaffst.
Ich kann Dir nur raten, einen guten Draht zu der Kollegin aufzubauen, indem Du sehr viel Verständnis für ihre mißliche Situation und ihre Überforderung zeigst, und mit ihr gemeinsam eine Strategie zu überlegen, wie Ihr mit der Situation umgeht. Und gemeinsam als team gegenüber der Chefin aufzutreten.
Wenn das nicht funktioniert, bleibt nur, jede gibt ihr Bestes, aber geht auch nicht über eigene gesundheitliche Grenzen und dann bleibt ein Teil der Arbeit unerledigt: Es bilden sich Rückstände und spätestens wenn die Rückstände zu groß werden, um sie im laufenden Betrieb abzuarbeiten, muß die Chefin reagieren und Unterstützung ins team geben.
Wichtig ist gemeinsam mit der Kollegin die Verantwortung für Personal und Orga dahin zu delegieren, wo sie hingehört: zur Chefin. Und Euch nicht gegenseitig die Schuld zuzuschieben, Euch gegenseitig zu mobben und Euch wechselseitig was zu unterstellen. Sprecht miteinander, hört einander zu und fühlt Euch in den anderen ein. Wechselt die Perspektive und spürt die Belastung des jeweils anderen. Du kannst damit anfangen, indem Du nicht mehr negativ von Deiner Kollegin denkst, sondern ins Mitgefühl gehst und ihre Belastung wahrnimmst.