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Andauernde Einsamkeit 2

Ne, kann ich nicht zustimmen. Ein Mindestmaß an sozialen Umgangsformen sollte man ganz selbstverständlich erwarten können.
Sonst kann man sich ja alles herausnehmen, wenn es nur am anderen liegt, wie er das auffasst.

Das finde ich auch nicht korrekt, die Verantwortung sozusagen dem Geschädigten zuzuschieben. Dass der Mensch lernt, leidvolle Erfahrungen zu verarbeiten und zu überwinden ist die eine Sache und natürlich wichtig, das entbindet aber nicht die anderen Menschen generell davon, wenigstens die Grundregeln des sozialen Verhaltens einzuhalten zu müssen.

Eine Schuld ist eine Schuld, ein Fehlverhalten ist ein Fehlverhalten und bleibt ein Fehlverhalten, völlig unabhängig davon, wie der Geschädigte damit umgeht. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Das darf man nicht vermischen. Zwei getrennte Themen.

Man kann nicht den Leuten Narrenfreiheit geben unter dem Motto, da muss der Geschädigte halt mit umgehen können.
 
Das Nette zu hassen. Das Nette an sich zu hassen. Das Nette an anderen hassen müssen. Das ist der unreflektierte Selbsthass: Der andere spiegelt sich im eigenen unterbewussten Selbst, was man hasst (unterbewusst) und nicht zulassen kann.

Natürlich ist es der weitaus einfachere Weg, dem anderen die Schuld zu geben.
Ungleich weit schwerer ist die Herausforderung, darüber nachzudenken, warum man den anderen nicht akzeptieren kann. Und dass der Grund vielleicht bei einem selber, im Inneren, zu finden sein könnte.
Manchmal kann man den anderen auch einfach nicht leiden und macht sich so schnell es geht vom Acker und oder macht einen hübschen Bogen drumherum.

Auch das ist das gute Recht eines jeden.

Nur wenn so viele Menschen einen Bogen um einen machen, sollte man vielleicht anfangen zu überlegen, ob man vielleicht auch einen Anteil an der Situation hat und welcher das sein könnte.
 
Wenn ich mich frage, warum jemand schwer Kontakt findet, würde ich auf jeden Fall von Ursachenforschung reden und nicht von Schuldsuche. In der Regal weicht so ein Mensch stark vom Durchschnitt ab, was es einfach schwerer macht, passende Leute für Freundschaften zu finden. Ich würde das damit vergleichen, eine seltene Blutgruppe zu haben, für die es nur wenige Spender gibt. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit Schuld zu tun. Komplexe und Schuldgefühle sind unangebracht, auf der einen wie auf der anderen Seite.

Natürlich gibt es auch immer Menschen, die einem unsympathisch sind und einem nicht zusagen, und selbstverständlich kann und soll man sich da abgrenzen. Abgrenzen heißt aber nicht, sich wie Sau zu benehmen, den anderen zu beleidigen und klein zu machen. Auch, wenn man Distanz schaffen will und muss, sind die sozialen Spielregeln und die Grundregeln des Anstands einzuhalten.
 
Natürlich gibt es auch immer Menschen, die einem unsympathisch sind und einem nicht zusagen, und selbstverständlich kann und soll man sich da abgrenzen. Abgrenzen heißt aber nicht, sich wie Sau zu benehmen, den anderen zu beleidigen und klein zu machen. Auch, wenn man Distanz schaffen will und muss, sind die sozialen Spielregeln und die Grundregeln des Anstands einzuhalten.
Natürlich ist das so. Aber das macht den Einsamen auch nicht weniger einsam, wenn die meisten oder zumindest viele einen großen Bogen drumherum schlagen.
 
Es macht den Einsamen noch einsamer, von den falschen Leuten umgeben zu sein. Es kommt darauf an, die richtigen Leute zu finden. Und das gilt nicht nur für den Einsamen, das gilt für jeden.

Die wenigen Kontakte, die sich dann für den Einsamen ergeben, haben dann umso mehr Potenzial.

Was Hr. Pinguin braucht, sind einfach die richtigen Leute, die in ihm den netten Menschen erkennen, der er ist.

Im übrigen hat sich Hr.Pinguin hier meines Wissens nach immer korrekt verhalten, nie beleidigt, nie gepöbelt oder provoziert. Für mich sind das Merkmale, die u.a. einen netten Menschen ausmachen.
 
Lieber Hr. Pinguin,

ich kann deinen Schmerz sehr nachempfinden und finde dich mich in deinen Aussagen wieder. Auch wenn du dich als Alien fühlst, versuch nicht allzu sehr an dir zu zweifeln und im Einsamkeitsstrudel zu ertrinken. Das Universum hat dich nach Milliarden Jahren so geschaffen, dass du sein kannst und du hast deinen Platz auf der Welt, mit den Menschen.
Es gibt sehr viele, die die heutige Gesellschaftsform, die überwiegend auf Individualismus, Selbstdarstellung und Eigennutz programmiert ist, ablehnen und sich bewusst für ein Miteinander entscheiden.
Die Frage ist einfach nur, wie kommt man mit diesen Menschen in Kontakt. Ne?

Ich habe m.E. sehr gute Interviews auf yt zu dieser Thematik gefunden. Die Kernaussage des Heilpraktikers ist:
Um in Beziehung zu treten mit Menschen, musst du offen und ehrlich mitteilen, was im jetzigen Moment in dir vorgeht, auf den Ebenen des Denkens, der Emotionen und der Körperempfindungen. Hier ein Beispiel für offene und ehrliche Kommunikation: https://www.youtube.com/watch?v=14hKEX_pwNU&t=3s

Dafür musst du vorher nicht perfekt sein, du musst nicht alle Wunden in dir geheilt haben, alle Laster abgelegt haben! Denn alles was zählt, ist bei der authentischen Kommunikation das, was im gegenwärtigen Moment vorgeht.
Dadurch werden wir greifbarer für Menschen und können ein authentisches Miteinander leben. Und das schafft dann wieder Sicherheit und Vertrauen.
Er rät jedoch davon ab, im Arbeitsumfeld damit zu starten und hat, weil er weiß, dass es so viele einsame Menschen gibt, Selbsthilfegruppen initiiert: https://www.traumaheilung.net/lokale-gruppen/finden/
in dem genau diese ehrliche Kommunikation praktiziert wird.

Ein weiteres gutes Video von ihm ist das folgende (Titel klingt hart, aber lass dich nicht abschrecken): https://www.youtube.com/watch?v=Wm9R66OIv6Y


Nächster wichtiger Punkt:
du antizipierst schon, dass du ausgeschlossen wirst und dass du ein schlechter, unliebenswürdiger Mensch bist.
Kennst du das Gesetz von actio und reactio? Die Kraft, die du aussendest, kommt zu dir zurück. Ok, ist eigentlich von Newton und beschreibt eigentlich die Mechanik, aber m.E. trifft es auch auf psychische Prozesse zu.

In der Bibel heißt es "was du säst, wirst du ernten" und "an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen"
Das bedeutet nicht, dass es deine Schuld ist... aber durch diese Frequenz, die du ausstrahlst, wirst du das anziehen, was deinem Bewusstseinszustand ("ich bin ein Opfer" "Ich bin langweilig") entspricht. Willst du überhaupt selber etwas mit dir zu tun haben?
Das bedeutet jetzt nicht, dass du dir 1000 Mal vorm Spiegel sagen musst "ich bin liebenswert", aber es bedeutet, dass du wieder den Schritt wagen solltest, wieder auf bestimmte Menschen zu zugehen und sie an dich ran zu lassen. Denen, bei denen du merkst, dass etwas zurückkommt. Dass du überlegen solltest, mit welchen Gedanken, du an Vorhaben gehst ("es klappt eh nicht"..."keiner mag mich" etc) und dass du dich auch selber wieder schätzen lernst.

Ich weiß nicht, ob dir freikirchliche Gemeinden zu sagen... wenn es mal ganz schlimm ist, dann geh dort hin! Dort wirst du warm aufgenommen und man singt gemeinsam und erhält geistlichen Input.
Kann aber auch sein, dass du mit dem Christentum nichts anfangen kannst.
War jetzt etwas wirr und ich könnte noch mehr zu schreiben. Muss nun aber wieder meinen Tag mehr strukturieren.

Jedenfalls...Alles Gute! 🙂
 
AW: andauernde Einsamkeit 2

ich bin davon überzeugt, wenn die eltern ihre liebe zu euch nicht an bedingungen und attribute geknüpft hätten, wäret ihr nicht hier? ja oder nein? so haben es die eltern von ihren eltern gelernt. und so geben es die eltern an ihre kinder weiter. ihr seid gerade die kinder und gebt es so an eure kinder weiter. obwohl ihr genau wisst das es schlecht ist. euch hat es nicht gut getan. euren eltern hat es damals auch nicht gut getan. und doch verhält man sich genau so. erst bist du der liebe würdig wenn du so und so, wenn dieses und wenn jenes. erst dann bist du es mir wert liebevoll zu dir zu sein. und nie wird man gut genug sein. nie. und kein anderer wird gut genug für uns sein. was wartet ist ein liebloses leben.

Das ist wohl richtig. Mein Einsamkeitsproblem etwa hat sich zwar über die Jahre schleichend entwickelt, aber die Grundursachen liegen klar im Elternhaus und bei der mangelnden Zuwendung und Liebe, die eigentlich nur für schulische und sonstige Erfolge gezeigt wurde. Allein die Entwicklung eines offenen Kommunikationsverhaltens hat mich seit der Zeit im Elternhaus mindestens 15 Jahre gekostet und in dieser Phase habe ich sicher auch Menschen enttäuscht, die heute eben keine Freunde mehr sind. Warum? Weil ich wie im Elternhaus verkrampfte Erwartungshalten angelegt habe.

Später ist "in den besten Jahren" viel Zeit und Energie in Kontakte geflossen, die hauptsächlich aus Angst vor Zurückweisungen, Verlusten und dem Alleinsein bestanden. Andere, zugegeben wenige Menschen, die an ehrlichen Freundschaften interessiert waren und meinen Grundbedürfnissen viel eher entsprochen haben, habe ich hingegen öfter enttäuscht und nicht so behandelt, wie ich es selbst erwarten würde. Sämtliche Beziehungen sind durch die Erfahrungen im Elternhaus geprägt und bis heute bin ich eigentlich der 12-Jährige, der darauf wartet, von irgendwem getröstet, in den Arm genommen und unterstützt zu werden.

Ich glaube jedoch auch, dass sich die Gesellschaft massiv gewandelt hat und genau solche Erfahrungen sich heute massiver auswirken als noch in den früheren Generationen, wo die sozialen Netze per se dichter und andererseits die Mobilitätserwartungen etwa für Jobs deutlich geringer ausgeprägt waren. Auch habe ich den Eindruck, dass es ziemlich konformistisch zugeht und jegliche "Ausreißer" deutlich negativer betrachtet bzw. aussortiert werden, während in der Generation meiner Eltern selbst "Problemfälle" in vergleichsweise offenen Freundeskreisen "mitgenommen" wurden.
 
Die in der Kindheit gemachten Erlebnisse von Frustration und Bedrohung durch die Wechselwirkung mit den Eltern (wichtige Bezugspersonen), kann Bedürfnisse nach Beachtung und Geborgenheit in den Vordergrund treten lassen. Um das emotionale Überleben zu sichern und spezifische Bedrohungen zu vermeiden, baut man Ängste und Vermeidungsverhalten auf. Die (gesunde weil berechtigte) Tendenz von Wut und Angriff wird dauerhaft blockiert. Aggressive Tendenzen werden völlig gehemmt. Dies führt zum Aufbau von Selbstunsicherheit und Ängstlichkeit. Bleiben diese in der Kindheit gebildeten Überlebensregeln bis ins Erwachsenenalter unverändert bestehen, werden diese für die betreffende Person dysfunktional zum Nachteil: Beziehungen können nicht als stützend oder befriedigend erlebt werden, oder überhaupt nicht mehr eingegangen werden. Schwierigen Problemen sieht man sich weniger oder gar nicht mehr gewachsen. Entsprechend können sich durch die Lebenssituation depressive Symptome herausbilden. Erlebens- und Verhaltensweisen, welche die (in der Kindheit) aufgestellten Überlebensregeln verletzen, sind verboten, und können somit nicht zur Meisterung der problematischen Lebensverhältnisse herangeführt werden. Die Anschauungen, Motive, etc. der Eltern (o.ä.), wurden in das eigene Selbstbild unbewusst einbezogen (Introjektion, Übernahme von Werten und Normen).
 

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