Zu den hier bereits erwähnten Nachteilen möchte ich noch zwei hinzufügen:
Der spätere Einkommenssteuersatz wird nicht heute bei Einzahlung festgeschrieben. Es wird der Steuersatz sein, wie er dann in der Zukunft zum Zeitpunkt der Auszahlung sein wird. Man kann sich ja mal ansehen, wie sich Steuern in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben. Die kennen nämlich nur eine einzige Richtung: Immer mehr und noch mehr Steuern.
Rechne ich diesen Trend einfach mal 30 Jahre fort sieht das mit dem Gewinn des AVP schon ganz anders aus.
Weiteres Risiko: Der Staat kann auch sonst jederzeit die Regeln ändern. Politiker glauben, ohne jegliche Validierung mit der Realität, offenbar immer sie wüssten es besser. Mit der Begründung wurden ja damals auch die Rentenkassen geplündert: Wenn die Politik dieses Geld "investiert", dann würde der daraus entstehende Boom das Geld durch entsprechendes Wirtschaftswachstum locker wieder einspielen. Hat ja gut geklappt...
Dein Beitrag ist wie alle deine Beiträge stets fundiert und sehr bereichernd. Danke!
Ich glaube zwar nicht, dass es für den Staat leicht wäre die kompletten Spielregeln des AVD zu ändern, weil es keine allgemeine Kasse wie die Rentenkasse ist, sondern Privateigentum, ABER
der Punkt ist dennoch relevant, dass man sich hier auf die
Zukunft verlässt. Dazu gehören alle möglichen Risiken/Änderungen wie eine mögliche Steuerhöhung.
Tatsächlich sehe ich gerade die künftige Versteuerung von Renten als große Blackbox, die umso gefährlicher ist, desto mehr Rente man erwartet. Da könnte der Staat ja zugreifen und wenn gute Renten einen Grenzsteuersatz von 42% bezahlen müssen, dann wäre auch ein AVD mindestens so hoch besteuert. Das wäre nochmal deutlich mehr als die aktuellen 25% für die Abgeltungssteuer.
Im übrigen bin ich auch bei dir, dass sich Investieren und Private Vorsorge lohnen muss. Sonst machen es die Leute verständlicherweise nicht. Deswegen finde ich das AVD auch immer noch zu kompliziert und hätte es viel besser gefunden, man hätte nach einer Mindesthaltedauer schlicht die Abgeltungssteuer abgeschafft. Dann könnte jeder ohne Steuern zu zahlen privat vorsorgen. Sehr einfach und ohne Wette auf eine Zukunft.
Auch die Zahlungsfähigkeit des Staates würde ich langfristig infrage stellen. Es ist absehbar dass in 4 Jahren die Einnahmen Deutschlands nur noch für Gehälter der Staatsdiener, deren Pensionen (aktuell 450Mrd/Jahr, die Hälfte alle Steuereinnahmen), Militär und Zinsen (gewaltiger Posten inzwischen), reichen werden. Alles andere müsste mit Neuverschuldung finanziert werden. Schon jetzt schafft es der Staat nicht mehr Anleihen am Markt zu platzieren, trotz der ganzen Gesetze welche Institutionen zum Anlegen in Staatsanleihen zwingen.
Die Schulden wachsen exponentiell, die Wirtschaft schrumpft sogar. In den letzten 7 Jahren hatte Deutschland ein kumuliertes Wachstum von 0,3%. Zum Vergleich, das von China war 33%.
Mit dem AVP, wenn es sich nur durch Zuschüsse überhaupt rentiert, wettet man darauf dass der Staat auch weiterhin solvent genug ist, um besagte Zuschüsse zu gewähren. Das erscheint mir... optimistisch.
Das sehe ich als kleineres Problem an, weil selbst wenn der Staat irgendwann die Zuschüsse nicht mehr gewähren kann, hat man ja bis
dahin Zuschüsse erhalten. Das AVD kann dann auch ruhend gestellt werden so dass man nicht mehr ohne die Zuschüsse einzahlen muss.
Dennoch ist die mögliche Zahlungsfähigkeit Deutschlands generell ein Problem. Nicht nur der Zuschuss in das AVD sondern auch die Milliardenzuschüsse in die gesetzliche Renten stünden bei einer Zahlungsunfähigkeit Deutschlands im Feuer. Davon würde JEDER von uns betroffen sein, egal wie er seine Rente bezieht.
Die m.E. beste Strategie dagegen ist entweder
A) Nix haben (wer kaum was hat, dem kann auch kaum was weggenommen werden)
B) seine Rente auf mehrere Beine zu stellen (gesetzliche Rente, private Rente, AVD, vielleicht noch eine Immobilie etc.) in der Hoffnung, dass genug bleibt, auch wenn Deutschland in Schieflage gerät